Papierfabrik
Belegschaft der «Papieri» präsentiert realistische Lösung

Vertreter der Belegschaft stellten an einer Medienkonferenz die ausgearbeitete Idee zur Produktionsumstellung vor. Verpackungspapier statt Feinpapier soll die Papierfabrik Biberist mit 550 Angestellten retten.

Franz Schaible
Drucken
Teilen
Vertreter der Belegschaft stellen ihre Idee an einer Medienkonferenz in der Papieri Biberist vor

Vertreter der Belegschaft stellen ihre Idee an einer Medienkonferenz in der Papieri Biberist vor

Solothurner Zeitung

«Auch wenn wir keine gestrichenen Feinpapiere herstellen dürfen: Im Bereich der Papierherstellung liegt unser Know-how und der gesamte Maschinenpark in Biberist ist darauf ausgerichtet», erklärte an einer Medienkonferenz Daniel Scholz, Papieringenieur und Abteilungsleiter Produktion in der «Papieri». Unter seiner Leitung habe während der sechswöchigen Konsultationsphase eine Arbeitsgruppe «wirtschaftlich interessante und technisch umsetzbare Lösungsansätze» gefunden.

Verpackungsmarkt wächst

Der Markt für hochwertige Verpackungspapiere in Europa wachse und ein Ende des Wachstums sei bis 2015 nicht absehbar, begründete Scholz die geplante Umstellung des Produktesortimentes. Demnach soll die «Papieri» künftig zwei Produkte herstellen. Einerseits so genanntes White Top Kraft Liner als oberste Schicht des Verpackungsmaterials für die Verpackung qualitativ hochstehender Produkte, andererseits Faltschachtelkarton für die Verpackung von Lebensmitteln und Getränken.

Beide Produkte liessen sich in Biberist produzieren. Erste Test und Maschinenversuche seien bereits durchgeführt worden und die Rückmeldungen potenzieller Kunden seien positiv ausgefallen. Dass die Produktion auch rentabel sei, könne mit Erfolgsrechnungen unter realistischen Annahmen belegt werden.

Auswirkungen auf Arbeitsplätze unklar

Damit liessen sich in jedem Fall zwei der drei Papiermaschinen weiter betreiben, hiess es an der Medienkonferenz weiter. Mit Investitionen von 25 bis 30 Millionen könnten gar alle drei Maschinen weiterlaufen. Die Auswirkung auf die Zahl der Arbeitsplätze sei noch offen. Im besten Fall könnte ein Grossteil erhalten werden, bei einem Betrieb von nur zwei Maschinen käme es zu einem «massiven Einschnitt», sagte Scholz.

Gleichzeitig läuft die Suche nach einem Investor oder Partner für die Papierfabrik auf Hochtouren weiter. Unterdessen hätten drei von 25 angeschriebenen Investoren einen «Letter of Intent», eine Absichtserklärung unterschrieben. Diese sei allerdings unverbindlich und zeige das Interesse an Verhandlungen und am Abschluss eines Vertrages, erläuterte Scholz. Die Belegschaft fordert deshalb mindestens sechs Monate Zeit für diese Verhandlungen.

Sappi: Noch keine Reaktion

Gestern hat die Belegschaft den Sappi-Verwaltungsrat die Alternativen zur beabsichtigten Fabrikschliessung dargelegt. Sappi selbst will sich zu den Vorschlägen noch nicht äussern. «Das Dossier wird nun konzernintern von Spezialisten geprüft. Entscheide sind also noch keine gefallen. Alles ist offen», erklärt Mat Quaedvlieg, Verwaltungsrat von Sappi Schweiz AG und operativer Chef von Sappi Fine Paper Europe, auf Anfrage. Dasselbe gelte für die Forderungen nach mehr Zeit und vorläufiger Verzicht auf Kündigungen.

Am Donnerstag finde das Treffen mit der Solothurner Regierung statt. Dieses sei ein wichtiger Faktor für den Entscheidungsprozess. Auch wann Sappi über das weitere Vorgehen entscheiden werde, sei offen. Es gelte im Interesse der Betroffenen und ihrer Ungewissheit, die Frist bis zum Entscheid so kurz wie möglich zu halten.

Abbau von Überkapazitäten

Im Sappi-Werk Biberist wird aktuell auf drei Papiermaschinen gestrichenes Feinpapier (PM8 und PM9) und ungestrichenes Feinpapier (PM6) hergestellt. Sappi begründet die Schliessungsabsicht damit, dass es in Biberist unmöglich sei, wegen stark gestiegener Rohstoff- und Energiekosten «eine tragbare Rendite zu erzielen».

Diese Mehrkosten könnten aufgrund von Überkapazitäten auf dem europäischen Markt für gestrichenes Feinpapier nicht weitergegeben werden. Sappi verbietet deshalb bei einer Fortführung des Werkes die Produktion von gestrichenem Feinpapier. Davon sind rund 85 Prozent der Produktionskapazität betroffen.

Mehr dazu morgen in der az Solothurnerzeitung.

Aktuelle Nachrichten