Hurghada

Badeferien-Touristen in Ägypten werden vom Militär bewacht

Es werden immer wieder Reisewarnungen nach Ägypten verhängt. (Symbolbild)

Es werden immer wieder Reisewarnungen nach Ägypten verhängt. (Symbolbild)

Das einst beliebte Ferienland Ägypten ist aus dem Fokus der internationalen Medien verschwunden, immer wieder werden Reisewarnungen für das Land der Pharaonen verhängt. Doch wie sieht die Situation tatsächlich aus?

Der Arabische Frühling ist längst verebbt und musste den Negativschlagzeilen der IS und deren Gräueltaten Platz machen. Es scheint, dass das Land am Nil keine nennenswerten Neuigkeiten mehr zu bieten hat, ausser, dass immer wieder Reisewarnungen nach Ägypten verhängt werden.

Dabei gleicht das Land mittlerweile einem Hochsicherheitstrakt. Die Badeorte am Roten Meer sind massiv vom Militär bewacht. In Hurghada-Stadt hat die Polizei an mehreren Orten Checkpoints errichtet, die alles und jeden kontrollieren. Anfangs wirkte dieses Szenario befremdlich, doch mittlerweile hat man verstanden, dass dies der Sicherheit dient.

Doch trotz allen Bemühungen der Regierung Al Sisi, den schlechten Ruf Ägyptens zu revidieren, harzt es doch. Ausflüge nach Kairo werden kaum mehr gebucht. Oberägypten gilt als kritisch, da in den unwegsamen und unübersichtlichen Gegenden auf dem Weg nach Luxor und weiter nach Assuan, angeblich Gefahr durch Islamisten droht. Dass aber in der ganzen Krisenzeit keinem westlichen Touristen auch nur ein Haar gekrümmt wurde, bleibt leider unerwähnt.

Also bleiben die Gäste in den Hotels und wagen sich, wenn überhaupt, nur nach Hurghada-Stadt. Im Gespräch mit Touristen aus England und Deutschland, fällt auf, wie pragmatisch die meisten die Situation sehen. «Natürlich hatte man im Freundeskreis die Nase gerümpft, als wir sagten, wir würden nach Hurghada fliegen», erzählt ein junger Familienvater aus Bayern. «Doch schliesslich wollten wir Badeferien machen, und da zählt letztlich auch der Preis.»

Ja, der Preis: Derzeit ist eine Woche Pauschalurlaub am Roten Meer, vor allem in der Nebensaison, wirklich ein Schnäppchen. Die halb leeren Hotels an der Küste werden deshalb mit entsprechend Billigtouristen aus Deutschland, England und vor allem aus Russland gefüllt. Hauptsache, man kriegt die Hotels voll.

Kostendeckend oder gar gewinnbringend wird kaum mehr gewirtschaftet. Wenigstens kann das Personal so beschäftigt werden und das Land hat nicht auch noch das Problem der Massenarbeitslosigkeit. Leere Hotels am Roten Meer kann sich Ägypten wirklich nicht leisten. Deshalb sich lieber unter Wert verkaufen, auch wenns wehtut . . .

Die Bewohner des Landes am Nil trotzen den schlechten Nachrichten und kämpfen weiter unter schwierigen Bedingungen um ihr Auskommen. Seit dem Sommer sind die Strompreise um das Doppelte gestiegen, die Benzinpreise sind hochgeschnellt, Lebensmittel teurer geworden. Al Sisi suche neue Wege, um die maroden Staatskassen zu füllen, monieren die Ägypter auf der Strasse und in den Coffeeshops.

Nur leider bleiben die Löhne aller, die im Land arbeiten, immer gleich tief. Jedoch ist allen klar: Solange Ägypten von der Katastrophe eines Anschlages verschont bleibt, läuft der Tourismus weiter, in kleinen Schritten, aber stetig. Nur der Tourismus am Sinai scheint für lange Zeit stillgelegt. Momentan gelten Hurghada und Marsa Alam als sichere Ferien-Oasen.

Al Sisi hat versprochen, Ägypten in vier bis fünf Jahren saniert zu haben, die Menschen vertrauen ihm. Die Stimmung im Land ist nach wie vor hoffnungsvoll, nicht zuletzt, weil niemand vergisst, dass ein ganzes Land sich gegen den aufflammenden Islamismus der vorherigen Regierung gewehrt hat.

Seit nunmehr drei Jahren wütet in Syrien der Bürgerkrieg, dessen Opfer und Flüchtlinge kaum in Zahlen fassbar sind. Die Zustände in den Flüchtlingsunterkünften in Europa beschäftigen mich sehr, weil es so ausweglos scheint.

In den letzten zwei Jahren haben sich das Quartier und die Strasse, in der ich wohne, sehr stark verändert. Es gibt vermehrt Kleingewerbe: einen Schneider, einen Zuckerbäcker, einen Polsterer und viele leckere Imbissbuden. Nach und nach habe ich mich auch entschlossen, da mal vorbeizuschauen. Unsere neuen Nachbarn sind Syrer, die aus ihren Dörfern geflohen sind und hier eine neue Heimat gefunden haben.

«Europa war nie eine Option für mich», sagt Abu Hesham, der gleich neben unserem Haus eine Polsterei betreibt. «Ich wollte nahe meiner Heimat bleiben. In Ägypten fühle ich mich wohl.» Tag und Nacht hört man das Tackern seiner Nähmaschine. Er ist unglaublich fleissig, polstert Stühle und Sofas, näht Kissen und Vorhänge. Er arbeitet unter den einfachsten Bedingungen, meistens draussen. Seine Sofas sind Spitzenklasse. Ich habe mir auch eines angeschafft.

Ein paar Schritte weiter unten hat ein Syrer eine Art Grillhühnchen-Imbissbude aufgemacht. Das Hühnchen schmeckt vorzüglich, doch am besten ist die Sauce, die es dazu gibt. Die arabische Bezeichnung ist unaussprechlich; es ist eine Art schaumig aufgeschlagene Knoblauchmayonnaise. Das Beste, was ich je gegessen habe.

Es ist traurig, die Bilder der leidenden Flüchtlinge in den Auffanglagern zu sehen. Ein bitteres Los. Noch bitterer ist, dass viele glauben, in Europa fänden sie ein besseres Leben. In Hurghada haben etliche Syrer ein neues Zuhause gefunden. Mit wenig Eigenkapital haben sie kleine Geschäfte eröffnet und beleben damit die Stadt positiv.

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