Asbest
Altlast mit tödlicher Langzeitwirkung

Die Suva orientierte in Olten 300 Berufsleute aus der Baubranche über die Gefahren von Asbest und erklärte der Bevölkerung gleichzeitg , wie damit umzugehen ist.

Karin Schmid
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Bei diesem Steigschacht wurde der freigelegte Blauasbest einfach auf dem Boden liegen gelassen. zvg

Bei diesem Steigschacht wurde der freigelegte Blauasbest einfach auf dem Boden liegen gelassen. zvg

Solothurner Zeitung

Asbest – ein tödliches Schreckgespenst längst vergangener Jahre? Mitnichten. In der Schweiz ist das Herstellen und Importieren von asbesthaltigen Produkten zwar seit 1990 verboten, doch alle davor gebauten Gebäude und technische Einrichtungen können Asbest enthalten. «Eine Gefahr, die oft unterschätzt wird», so die Suva, insbesondere auch von Berufsleuten des Bauhaupt- und -nebengewerbes.

Aus diesem Grund hat die Unfallversicherung die Präventionskampagne «Asbest erkennen – richtig handeln» lanciert. Dass das Thema interessiert, zeigt eine Orientierungsveranstaltung der Suva in Olten, an der rund 300 Berufsleute aus der Baubranche teilgenommen haben.

Erkrankungen steigen an

Zwischen 1939 und 2007 starben nach Angaben der Suva-Verantwortlichen 1141 Arbeitnehmende an einer durch Asbest verursachten, anerkannten Berufskrankheit. Und jedes Jahr kommen «hundert weitere dazu». Ein Drittel davon war im Bauhaupt- und -nebengewerbe tätig, je ein Fünftel bei Bahnen, in Karosseriewerken und Waggonfabriken sowie im Metall-, Apparate-, Anlagen- und Maschinenbau.

10 Prozent hatten in Zementwarenfabriken, 5 Prozent in chemischen Betrieben gearbeitet. Laut Susanna Stöhr von der Suva-Abteilung Arbeitsmedizin hat sich die jährliche Anzahl der asbestbedingten Berufskrankheitsfälle in den vergangenen 25 Jahren verfünffacht. 2007 waren es rund 250 Fälle.

Asbestbedingte Erkrankungen seien ein ernst zu nehmendes Problem, so Chemiker Stefan Scherer. Der Höhepunkt der Asbestverwendung lag zwischen 1970 und 1980. Eine mögliche Erkrankung (Mesotheliome und Lungenkrebs) breche jedoch erst 30 bis 40 Jahre nach der Arbeit mit Asbest aus.

Per 2010 sind bei der Suva rund 21000 Erkrankungen erfasst. Aber: «Den Höhepunkt haben wir gar noch nicht erreicht», sagt Scherer. Er erwartet zwischen 2015 und 2020 eine Erhöhung auf 24000 Fälle. «Erst danach werden die Erkrankungen zurückgehen.»

Im Baugewerbe noch nicht im Griff

Während nach Angaben von Stefan Scherer in allen anderen Branchen «viel gemacht und erledigt wurde» und man den Asbest dort mittlerweile «weitgehend im Griff» hat, ist man nach Auffassung der Suva im Baugewerbe «noch nicht am Ziel mit der Arbeit».

Denn: «Handwerker werden heute bei Sanierungsarbeiten mit Asbest konfrontiert.» Beispiele: Elektriker beim Ersetzen von Stromzählern oder Demontieren von Leuchtstoffröhren, Dachdecker beim Entfernen oder Deponieren von Dachplatten und Berufsleute, die mit Recycling von Bauschutt, mineralischen Wertstoffen oder Elektromaterialien zu tun haben.

Laut Bauarbeitenverordnung muss der Arbeitgeber bei Asbestverdacht die Gefahren eingehend ermitteln, die damit verbundenen Risiken bewerten und, darauf abgestützt, die erforderlichen Massnahmen planen. Scherer hielt fest, dass beim mechanischen Bearbeiten, Einsatz von Hochdruckreinigern oder beim Beschädigen gesundheitsgefährdende Asbestfasern freigesetzt werden; «mit den richtigen Schutzmassnahmen dürfen die Arbeiten ausgeführt werden.

Ohne Beschädigung und Bearbeitung der betroffenen Stelle besteht keine unmittelbare Gefahr.» Aber: Schwach gebundene Asbestprodukte dürfen aufgrund ihres hohen Anteils nur durch Spezialfirmen entfernt werden.

Einfache Checkliste

Arbeitssicherheitsspezialist Christian Weber legte den Berufsleuten im Umgang mit Asbest eine Checkliste mit Fragen ans Herz. Kurz: Umbau/Abbruch geplant? Baujahr vor 1990? Situation beurteilen, Asbestscreening machen, Material analysieren lassen, Massnahmen festlegen und Umsetzung überwachen. Konkrete Kostenangaben bezeichnet Weber als schwierig: «Es kommt auf das Objekt und die Konzentration der Fasern an.»

Für eine Labor-Analyse rechnet er mit 60 Franken, als realistische Grössenordnung für eine Sanierung nannte er 10000 bis 15000 Franken. Weber hielt fest, dass «eingebundener Asbest nicht gefährlich ist». Aber: Es sei nicht empfehlenswert, freigelegte Stellen nur zuzudecken und nicht zu sanieren. «Damit ist das Problem nicht behoben, sondern nur aufgeschoben.»

Weitere Infos www.suva.ch/asbest

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