Die Initianten zünden heute die Kampagne zur Vorlage «Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache». Dafür sind sie gut gerüstet. Der Mitinitiant und Schwyzer Ständerat Peter Föhn schöpfte aus dem Erfahrungsschatz seiner Partei: Nach SVP-Manier will er eine monothematische Zeitung in alle Haushalte der Schweiz verschicken. In der kommenden Woche wird die Zeitung verteilt und die Bevölkerung darüber informiert, wieso sie am 9. Februar an der Urne Ja sagen soll.

Geld gegen Argumente


Föhn präsidiert zusammen mit der Solothurner alt Nationalrätin Elvira Bader (CVP) und der Genfer EVP-Co-Präsidentin Valérie Kasteler-Budde das Komitee.

Sie freuen sich über die finanzielle Unterstützung von Organisationen, die «unsere Forderung gut finden», wie es Föhn sagt. Über eine halbe Million Franken sei bereits für die Kampagne gespendet worden - ohne dass sich eine Partei daran beteiligt hätte.

Wie viel genau der Versand und Druck der Zeitung kostet, will Föhn indes nicht verraten. «Wir haben das Geld noch nicht ganz zusammen.» Urteile er nach den Rückmeldungen, reiche es neben den Zeitungen sogar noch für Plakate.

Das Budget der Initianten übersteigt jenes der Gegner um mehr als ein dreissigfaches. Letztere geben sich laut eigenen Angaben mit dem Druck von 30 000 Flyern zufrieden. «Diese Abstimmung lässt sich nicht mit Geld gewinnen», sagt Claudine Esseiva, Kampagnenleiterin und Generalsekretärin der FDP-Frauen. «Es reicht, wenn die Bevölkerung aufgeklärt wird, worum es den Initianten eigentlich geht: Fristenregelung Ja oder Nein.» Esseiva ist überzeugt, die Bevölkerung sei gegen den Rückschritt - das widerspiegle sich auch in der breiten Allianz: Von der SVP über die CVP bis zu den Grünen bekämpfen alle Frauenparteien die Initiative.

Kein Rütteln an der Solidarität


Peter Föhn ist gewarnt. Er sagt, er verspreche, die Fristenregelung nicht anzutasten. Es gehe einzig um die Frage der solidarischen Finanzierung. «Falls die Initiative angenommen wird, werde ich mich dafür einsetzen, Kaiserschnitt, Geschlechtsumwandlungen, Methadon-Abgabe und Schönheitsoperationen aus der Grundversicherung zu streichen», sagt er.

Claudine Esseiva mahnt, die Büchse der Pandora nicht zu öffnen. Sonst müsse diskutiert werden, ob auch der Lungenkrebs eines Kettenrauchers oder die Folgen von Fettleibigkeit eines Burger-Liebhabers noch bezahlt werden müssten. Die Solidarität sei der tragende Pfeiler der Grundversicherung - und es sei ein Wagnis, daran zu rütteln.
Föhn setzt auf das Argument Finanzierung, weil er weiss, dass vor elf Jahren 70 Prozent der Bevölkerung die Fristenregelung befürworteten. Das wolle er nicht rückgängig machen. Abtreibungen seien nicht zu verbieten. Deshalb dementiert er auch Gerüchte, dass die Initianten mit Bildern von zerstückelten Baby-Föten Stimmung machten. «Wir wollen keine Schock-Kampagne», sagt er. Das Ziel sei ein Ja an der Urne. «Dafür müssen wir mit einer positiven Botschaft raus.»