Bern

Zwischenhoch bei Sozialhilfe

Gefährdet Kinder und Alleinerziehende sind bei den Sozialhilfebeziehenden besonders stark vertreten. (Archiv: AZ)

Sozialhilfe

Gefährdet Kinder und Alleinerziehende sind bei den Sozialhilfebeziehenden besonders stark vertreten. (Archiv: AZ)

Positive Entwicklung der Sozialhilferechnung 2008: Erstmals seit 2001 sind im Kanton Bern sowohl die Zahl der Bezügerinnen und Bezüger wie auch die Nettoausgaben im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen.

Bruno Utz

Im Vergleich zum Vorjahr nahm 2008 gemäss einer Meldung des Sozialamts vom Freitag die Zahl der Bezügerinnen und Bezüger um rund 1900 Personen ab. Konkret erhielten letztes Jahr insgesamt noch 46 630 Personen Sozialhilfe. «Das ist der grösste Rückgang in den letzten zehn Jahren», heisst es in der Meldung weiter (vergleiche Tabelle).

Ebenfalls zurückgegangen seien die gesamten Nettoausgaben. Sie betrugen laut dem Sozialamt letztes Jahr 317,6 Millionen Franken. Im Vorjahr waren es 318,4 Millionen Franken. Gegenläufig haben sich allerdings die durchschnittlichen Nettokosten pro Person entwickelt: Sie sind um 234 Franken auf 6800 Franken angestiegen. Regula Unteregger, Leiterin des Sozialhilfeamtes, führt dies vor allem auf «länger dauernde Fälle und teilweise hohe Unterstützungen» zurück. Wie lange im Berichtsjahr im Durchschnitt eine Person unterstützt werden musste, sei noch nicht bekannt. «Die Statistiken der Gesamtrechnung stehen uns erst Ende Juni zur Verfügung», so Unteregger. Laut einem Bericht des Regierungsrates an den Grossen Rat zur Sozialhilfe der vergangenen Jahre, betrug 2007 die durchschnittliche Bezugsdauer 8,37 Monate. Während dieser Zeit erhielt im Schnitt jeder Bezüger monatlich netto 761 Franken (vergleiche Kasten).

Resultat der Hochkonjunktur

Die positiven Zahlen des Jahres 2008 führt das Sozialamt auf die damals noch gute Wirtschaftslage zurück. Zudem bestätigten die Zahlen die Wirkung der Beschäftigungs- und Integrationsmassnahmen der Sozialhilfebeziehenden. «Sie haben zu einer nachhaltigen Ablösung von der Sozialhilfe geführt», so Unteregger. Zudem wirke sich die intensivierte Zusammenarbeit der drei kantonalen Direktionen Erziehungs-, Volkswirtschafts- sowie Gesundheits- und Fürsorgedirektion und der Invalidenversicherung erfreulich aus. Unter dem Stichwort interinstitutionelle Zusammenarbeit organisierten und koordinierten sie die Massnahmen zur Integration von Jugendlichen in die Berufsbildung und von Erwerbslosen in den Arbeitsmarkt.

Düstere Aussichten

Als Folge der steigenden Arbeitslosenzahlen rechnet das Sozialamt mit einem Rückschlag. «Die Sozialämter stellen bereits wieder mehr Anmeldungen fest», sagt Unteregger. Sie vermute, dass die Zahl der Sozialhilfebeziehenden diesmal viel schneller der Arbeitslosigkeit folgen werde als in früheren Jahren. Unteregger: «Wir haben Indizien in diese Richtung.» In seiner Antwort zu einer SVP-Interpellation schreibt auch der Regierungsrat: «Der Druck auf das letzte Netz der Sozialhilfe wird in absehbarer Zeit steigen.»

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