Wahlen
Zwei Testläufe erfolgreich: Ist die FDP auf dem Weg zum Turnaround?

Die Staatsgründerpartei FDP musste in den letzten 30 Jahren bei den nationalen Wahlen Niederlage um Niederlage einstecken. Nun scheint die Partei mit Philipp Müller einen Weg aus der Talsohle gefunden zu haben.

Rinaldo Tibolla
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Soll massgeblichen Anteil am Erfolg haben: FDP-Präsident Philipp Müller.

Soll massgeblichen Anteil am Erfolg haben: FDP-Präsident Philipp Müller.

Keystone

In den letzten Jahren hat wohl das Prädikat «auf dem absteigenden Ast» den Zustand der FDP treffend beschrieben. Sowohl auf kantonaler als auch auf nationaler Ebene. Die harten Zahlen: Seit 1979 hat der Freisinn kontinuierlich Wähleranteile verloren: von 24 auf 15,1 Prozent. Noch im vergangenen Jahr verzeichnete er in vier von fünf kantonalen Wahlen ein Minus. Nur gerade in Bern reichte es für ein kleines Plus von 0,3 Prozent.

Nun senden aber die ersten beiden «Testläufe» für die nationalen Wahlen im Herbst ganz andere Signale aus. Bei den kantonalen Wahlen in Basel-Landschaft im Februar gewann die Partei drei Sitze im Landrat und schaffte es, der SP den Sitz in der Regierung abzuluchsen. Am letzten Wochenende hat die FDP im 120-köpfigen Luzerner Kantonsrat zwei zusätzliche Sitze einheimsen können.

Wieso hat die FDP plötzlich ein Hoch? Und welche Gründe gibt es dafür? Politologen, aber auch FDP-Vertreter bringen die aktuelle wirtschaftliche Lage vor. Die Verunsicherung mit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses habe der Partei in die Hände gespielt. Dabei helfe, dass die FDP als «wirtschaftskompetente» Partei wahrgenommen werde. Auch die Diskussionen über das Verhältnis zur EU und die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative hätten Wähler für die FDP mobilisiert, weil die Partei für den Erhalt der bilateralen Verträge sei, aber den Beitritt in die EU nicht forciere.

Näher bei den Leuten

Eine Nachfrage bei Parteipräsident Philipp Müller bringt weitaus Tiefgründiges zutage. Der Politstil der Partei ist ein anderer: weniger vom hohen Ross herab, weniger kompliziert und weniger langatmig. «Es ist uns gelungen, ‹näher ‹bei den Leuten› zu politisieren. Die Vertreter unserer Partei haben gelernt, besser zu mobilisieren, also mit unserer Wählerbasis in Kontakt zu kommen», sagt Müller. Mit intellektuellen Höhenflügen, wissenschaftlichen Konzepten und superschlauen Ideen könne kein Draht zur Basis hergestellt werden.

Auch bei der Kommunikation habe man sich Änderungen vorgenommen. «Kürzer, pointierter und wenn immer möglich ohne Fremdwörter, heisst die Devise», so Müller. Grundsätzlich gelte es, klare Botschaften zu vermitteln. «Für den Freisinn muss gelten: kein Konjunktiv mit «könnten», sondern Indikativ oder Imperativ: Wir machen oder machen wir!», sagt Müller.

Die SP ablösen

Der FDP-Chef weiss sehr gut, wie wichtig es ist, bei den Parlamentswahlen im Herbst den Turnaround zu schaffen. Menschen würden halt gerne auf der Gewinnerseite stehen, so auch die Wählerbasis. Von einem wichtigen «psychologischen Wert», den ein Erfolg bei den Wahlen hätte, spricht auch Parteikollege und Solothurner Nationalrat Kurt Fluri. Das Ziel sei nach wie vor, die SP als zweitstärkste Partei abzulösen.

Fluri, sein Rats- und Parteikollege Andrea Caroni aus Appenzell Ausserrhoden, aber auch Kantonspolitiker betonen, wie bedeutend Parteipräsident Philipp Müller selber für den Umschwung ist. Die Partei sei durch ihn «bodenständiger» geworden. «Die Klischees elitär, branchenspezifisch und kompliziert, die man der FDP andichtet, prallen an ihm ab», sagt Caroni.