Die Beiden, die als Bergeführer im Wallis arbeiten, starteten um 3 Uhr morgens im Berghaus Oberaar und überquerten lange Gletscher bis zum Fuss des Finsteraarhorns. Dort kletterten sie in 13 Stunden über die ganze Länge des Südostgrates. So lange dauerte die Kletterei, obwohl die beiden Profis sich nur an wenigen Stellen sicherten.
Das Perfide daran: Beim Klettern hat man das Gefühl, der Grat führe stetig nach oben. In Wirklichkeit besteht er aber aus vielen Zacken. Dies hatte schon die Erstbesteiger getäuscht.

«Die sind einfach drauf los, sie wussten nicht, wie das Wetter wird, wo die beste Route ist und sie hatten keine Hütte zum Übernachten», so Richard Bortis. «Das waren echte Abenteurer, für uns war es viel einfacher.» Bortiszeigte sich überzeugt, dass die Erstbesteiger am 16. August 1812 wirklich oben waren, obwohl dies angezweifelt wurde: «Für die Gämsjäger war die Tour bezahlte Arbeit. Sie waren arm und brauchten das Geld.»

Um Ruhm sei es höchstens den Expeditions-Initianten Meyer aus Aarau gegangen. «In Bergbesteigungen sah man damals überhaupt keinen Nutzen», so Richard Bortis. Allerdings gingen die Gämsführer weiter, als ihr Chef Rudolf Meyer auf dem Grat zurück blieb. «Vermutlich hat sie dann noch der Ehrgeiz gepackt», mutmasst Bortis. Er ist zudem überzeugt, dass die Erstbesteiger sogar besser zu Fuss und fitter gewesen sein mussten, als heutige Bergführer.