Basel
Zwei Millionen mehr für Kultur

Das Baselbieter Lotteriefonds-Geld fliesst zum grössten Teil in Projekte ausserhalb des Baselbiets. Jetzt verlangt eine Motion, dass künftig mindestens zwei Drittel des Geldes im Baselbiet bleiben.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Walter Brunner

Alle freuen sich über den jährlichen Geldsegen aus dem Lotteriefonds, doch Hans-Jürgen Ringgenberg meldet Vorbehalte an. Der Landrat (SVP, Therwil) kritisiert, dass ein zu grosser Anteil des Geldes in ausserkantonale Projekte fliesst. Jetzt verlangt er mit einer Motion, dass die Baselbieter Regierung «mindestens zwei Drittel» des Lotteriefonds-Geldes an Projekte im eigenen Kanton vergibt.

Jeder Kanton erhalte Geld aus dem Lotteriefonds und unterstütze damit Projekte auf seinem eigenen Territorium. Aber das Baselbiet setze nur etwa die Hälfte des Geldes im eigenen Kanton ein. «Dabei verlangt die Lotteriefonds-Verordnung, dass das Geld ‹in erster Linie› im Kanton Baselland eingesetzt wird», sagt Ringgenberg.

Tatsächlich verteilte das Baselbiet im Jahr 2007 insgesamt 8,8 Millionen Franken aus dem Lotteriefonds. 4,1 Millionen Franken (46%) blieben im Baselbiet, der Rest floss vorwiegend in den Kanton Basel-Stadt. Hätte man das Geld schon 2007 nach Ringgenbergs Vorstellung verteilt, wären dem Baselbiet 5,8 Millionen Franken zugeflossen - 1,7 Millionen Franken mehr.

Jedes Jahr Gratis-Millionen

Die beiden Basel können jedes Jahr gegen 20 Millionen Franken von der Landeslotterie «Swisslos» verteilen. Die Summe hängt von der Spielfreudigkeit der Kantonseinwohner ab. 2008 verteilte die Baselbieter Regierung 9,8 Millionen Franken, 2007 waren es in Basel-Stadt 7,4 Millionen. Beide Kantone publizieren, wer wie viel Geld erhält und nach welchen Kriterien es verteilt wird. Im Baselbiet verlangt die Verordnung, dass die Lotteriegelder «in erster Linie für Vorhaben im Kanton Basel-Landschaft eingesetzt» werden. In Basel-Stadt sind die Mittel «zur Verwendung im Kanton selbst oder für einen in engem Bezug zum Kanton stehenden Zweck» bestimmt. (bru)

www.baselland.ch, «Sicherheitsdirektion»; www.lotteriefonds.bs.ch

Basler halten das Geld im Kanton

In Basel-Stadt sah das Jahr 2007 anders aus. Dort wurden 7,4 Millionen Franken verteilt - mehrheitlich an Projekte in Basel. Das Baselbiet erhielt mit 1,2 Millionen Franken (16%) einen ungewöhnlich grossen Anteil. Grund: Eine Million war für die Wasserfallenbahn bestimmt. Für Doris Schaub, Verwalterin des Lotteriefonds Basel-Stadt, ist nachvollziehbar, weshalb Basel nicht so viel Geld ins Baselbiet schickt: «Viele Baselbieter kommen in die Stadt, doch die Basler gehen weniger an einen Anlass in Sissach oder Gelterkinden.» Im Stadtkanton sei die Verteilung des Lotteriefonds-Geldes nicht bestritten.

Marc Joset (SP, Binningen) hält die Stossrichtung von Ringgenbergs Motion für falsch: «Alles, was direkt oder indirekt unserer Region dient, ist gut.» Zudem könne es sich das Baselbiet leisten, Projekte ausserhalb des Kantons zu unterstützen. Joset sieht auch ein Problem bei der Umsetzung: Es wäre fast unmöglich, zu definieren, in welchen Fällen das Geld im Baselbiet bleiben würde. «Zählt der Sitz eines Vereins oder der Veranstaltungsort? Kommt es darauf an, wo ein Künstler Steuern zahlt oder wo er auftritt? Oder aus welchem Kanton das Publikum stammt?»

Hans-Jürgen Ringgenberg beharrt darauf, dass mehr Lotteriefonds-Geld im Baselbiet bleiben sollte. «Sonst kann hier keine Kulturszene entstehen.» Zudem würde eine bessere Unterstützung der kulturellen Anlässe im Baselbiet die Wirtschaft ankurbeln: «Zum Beispiel ein Jazzfestival bringt auch Umsatz für die Beizen im Dorf und für das lokale Gewerbe.»