Arbeitsmarkt
Zuwanderungsinitiative zwingt Schneider-Ammann zum Handeln

Die Schweiz hat auf die Länge zu wenig Fachkräfte. Wegen dem Ja zur Masseneinwanderungs-Initiative prüft der Bund, das Massnahmenpaket 2015 bis 2018 vorzuziehen und auszubauen.

Doris Kleck und Anna Wanner
Drucken
Teilen
Bundesrat Johann Schneider-Ammann unter Zugzwang.

Bundesrat Johann Schneider-Ammann unter Zugzwang.

Keystone

Die Schweiz will die Zuwanderung drosseln. Eine – unbestrittene – Möglichkeit dazu besteht darin, inländisches Potenzial an Arbeitskräften besser auszuschöpfen und die Arbeitnehmer besser zu qualifizieren. Der Bund hat sich bereits 2011 das Ziel gesetzt, bis 2020 die Nachfrage nach Fachkräften vermehrt durch Inländer abzudecken. Dazu hat er mit den Kantonen die Fachkräfteinitiative lanciert. Einzelne Projekte sind bereits im Gang. Doch dem Parlament ist die Gangart des Bundes zu langsam. Mit der Annahme zweier Motionen hat es in der Sommersession den Druck erhöht, denn das Ja zur Masseneinwanderungsinitiative hat das Problem der fehlenden Fachkräfte weiter verschärft.

Kommentar: Genug getrödelt

Die Personenfreizügigkeit hat faul gemacht. Sie hat es der Schweiz erlaubt, Fachkräfte im Ausland zu rekrutieren, ohne darüber nachzudenken, wie der Bedarf durch inländisches Personal gestillt werden könnte. Seit dem 9. Februar ist die Diskussion um die Fachkräfte neu entbrannt. Dabei ist das Problem schon länger erkannt.

Der Bund lancierte 2011 die Fachkräfteinitiative, mit der Mütter in die Arbeitswelt zurückgeholt und ältere Arbeitnehmer länger darin gehalten werden sollen – doch die Initiative blieb unter dem Radar der Öffentlichkeit. Bundesrat Johann Schneider-Ammann hat es verpasst, die Fachkräfteinitiative mit klaren Botschaften zu füllen, die bei Firmen und der Bevölkerung ankommen. Politik hat viel mit Inszenierung und Kommunikation zu tun – gerade da, wo es letztlich um viel Detailarbeit geht. Und wo die politische Arbeit vor allem darin besteht, ein Umdenken herbeizuführen.

Wer mehr Fachkräfte will, muss an vielen Schrauben drehen. Ein Patenrezept gibt es nicht – zu unterschiedlich sind die Branchen und (zu) viele Akteure sind im Spiel. Der Bund muss, wo er die Kompetenz hat, Fehlanreize beheben, welche einer hohen Erwerbsquote im Wege stehen. Vor allem aber muss er Taktgeber und Vorbild sein. Denn matchentscheidend ist das Verhalten der Firmen. Doch auch in dieser Hinsicht hat der Bund noch Spielraum. Kürzlich entschied der Bundesrat, Anreize für Frühpensionierungen für Beamte zu mindern. Vorbildlich denkt man.

Indes: Lediglich Frühpensionierungen für Mitarbeiter unter 62 Jahren werden unattraktiv. Diese Halbherzigkeit ist symptomatisch für die Fachkräfte-Diskussion.

Doris Kleck

Der Bund hat geplant, sein auf vier Jahre angelegtes Massnahmenpaket erst 2015 in Kraft zu setzen. Derzeit laufen im Wirtschaftsdepartement (WBF) von Johann Schneider-Ammann die entsprechenden Vorbereitungsarbeiten – unter anderem wird an einer Kommunikationsstrategie gefeilt. Unter dem Druck des Parlamentes prüft das WBF nun aber, «ob vorgesehene Massnahmen des Bundes zu beschleunigen und ob zusätzliche Massnahmen notwendig sind», wie Isabel Herkommer gegenüber der «Nordwestschweiz» sagte.

Der Mangel an Fachkräften ist ein weitverbreitetes Phänomen in westlichen Industriestaaten. Grund dafür sind demografische Verschiebungen, aber auch höhere Anforderungen an die Arbeitnehmer. Der Bund sieht Potenzial zum Gewinnen von zusätzlichen Fachkräften insbesondere bei Müttern und älteren Arbeitnehmern.

Die «Nordwestschweiz» beleuchtet in einer fünfteiligen Serie die Herausforderungen, welche sich der Schweiz bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels stellen.