Sozialhilfegesetz

Zustupf für Firmen, die Sozialfälle anstellen

Zurück an der Arbeit: Mechaniker Marc Bill hatte dank der Hilfe des Kantons höhere Chancen, von Robert Gadient eingestellt zu werden.

Staatlich finanzierte Chance

Zurück an der Arbeit: Mechaniker Marc Bill hatte dank der Hilfe des Kantons höhere Chancen, von Robert Gadient eingestellt zu werden.

Der Grosse Rat des Kantons Aargau sagt Ja zum neuen Sozialhilfe- und Präventionsgesetz. Dabei erhalten Firmen Gelder, wenn sie Sozialfälle anstellen und diese so in den Arbeitsmarkt integrieren. Damit steigen die Chancen der Sozialhilfebezüger, nach langer Zeit eine Stelle zu finden.

Sabine Kuster

Marc Bill, 30-jährig, ausgebildeter Mechaniker, war nicht der Einzige, der sich vor zwei Jahren auf eine offene Stelle bei der Firma Ferrum in Rupperswil bewarb. Ferrum stellt Dosenverschliessautomaten und Zentrifugen her. Als einer, der seit drei Jahren keine Arbeit mehr hatte, standen Marc Bills Chancen, eingestellt zu werden, auch dieses Mal schlecht.

Bill ist Diabetiker. Ob dies beim Bewerben ein zusätzliches Handicap war, ist schwierig zu sagen. Auf jeden Fall war es diese Diagnose, welche ihn vor fünf Jahren aus der Bahn warf. Sie kam aus heiterem Himmel und es dauerte lange, bis Marc Bill die Krankheit akzeptiert hatte. Zudem: Um den Blutzuckerspiegel möglichst konstant zu halten und Insulin zu den immer gleichen Zeiten spritzen zu können, riet ihm der Arzt, keine Nachtarbeit mehr zu verrichten. Marc Bill gab seine Arbeit, die er sehr gemocht hatte, im damaligen Unternehmen auf. Auf der Suche nach einer neuen Stelle fiel er mit jeder Absage tiefer in ein Loch. «Ich war weit unten», blickt er heute zurück.

Schliesslich kam er über seine Gemeinde in den kantonalen Vermittlungspool von Sozialhilfeempfängern, die mit so genannten Einarbeitungszuschüssen doch noch eine Stelle finden sollen.

76 Personen fanden einen Job

400 Sozialhilfebezüger hoffen derzeit, so endlich wieder arbeiten zu können – obwohl die letzte Anstellung lange zurückliegt. 76 Personen haben seit dem Beginn des kantonalen Pilotprojektes im Jahr 2008 bereits wieder eine gefunden. Es sind Junge und Ältere, Frauen und Männer, Qualifizierte und Ungelernte, Handwerker und Büroangestellte. Sie beziehen Sozialhilfe, obwohl sie arbeiten wollen und können. Doch die lange Arbeitslosigkeit und zusätzliche Handicaps – wie körperliche Einschränkungen oder Migrationshintergrund – machen sie schwer vermittelbar.

Der Kantonale Sozialdienst schätzt, dass von den über 10000 Sozialhilfebezügern im Kanton Aargau rund ein Viertel wieder in der Wirtschaft integriert werden könnte. Doch sie brauchen meist Betreuung und mehr Zeit, um sich wieder einzuarbeiten. Das ist für eine Firma nicht rentabel. Die Arbeitslosenversicherung und die IV unterstützen Arbeitgebende deswegen schon längere Zeit.

Im laufenden Pilotprojekt der Sozialhilfe bezahlt der Kanton zuerst maximal 60 Prozent des AHV-Lohns, dann 40 und im 5. und 6. Monat noch 20 Prozent. Ausserdem werden Arbeitgeber und -nehmer von Betreuern begleitet.

Sagt das Parlament heute Ja, so wird das bisher aus dem Swisslos- Fonds ermöglichte Projekt fester Bestandteil der Sozialhilfe und mit öffentlichen Geldern finanziert.

Eine Chance, die Marc Bill packte

Ein solcher Einarbeitungszuschuss hat auch Marc Bill geholfen, die Stelle bei Ferrum zu kriegen. Geschäftsführer Robert Gadient, sagt: «Wir hatten noch etliche andere Bewerber. Mit diesem Anreiz hatte Marc Bill sicher bessere Chancen, den Job zu kriegen. Ausschlaggebend war es jedoch nicht.» Denn wenn sich ein Arbeiter nicht bewähre, sei der Schaden schnell grösser als der finanzielle Beitrag des Kantons.

Bill hat seine besseren Chancen genutzt und sich im Betrieb bewährt; auch in den härtesten Monaten der Wirtschaftskrise, als die Zahl der Angestellten bei Ferro von 140 auf 110 schrumpfte, wurde er nicht entlassen.

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