Gregor Rutz, 39 Jahre alt, verpasste die Wahl in den Nationalrat im letzten Herbst um weniger als tausend Stimmen und landete auf dem ersten Ersatzplatz der Zürcher SVP-Liste. Der Kantonsrat wusste jedoch, dass er höchstwahrscheinlich keine vier Jahre auf einen Sitz in der grossen Kammer der Bundesversammlung warten müsste, wie er selber sagt.

Gestern war es so weit: Im Bus unterwegs zum Sitz seines PR-Unternehmens «Rutz und Partner» erfuhr er vom Rücktritt von SVP-Nationalrat-Bruno Zuppiger. Ohne die Parteispitze zu informieren, zog der in Ungnade gefallene Ex-Bundesratskandidat die Konsequenzen aus dem Erbschaftsskandal vom letzten Jahr und gab seinen Rücktritt bekannt.

Sieben Jahre SVP-Generalsekretär

Die Erwartungen an Gregor Rutz werden erheblich sein, wenn er in der Wintersession erstmals im Nationalratsaal Platz nimmt. Das politische Koordinatensystem und das Personal im Bundeshaus kennt er besser als jeder andere Neo-Parlamentarier. Denn der promovierte Jurist war während sieben Jahren bis 2008 Generalsekretär der SVP Schweiz. Zusammen mit dem Banker Thomas Matter gilt er als Vertreter einer neuen Generation SVP-Politiker, die nicht nur poltern, sondern ihren Gegnern auch intellektuell die Stange halten können. Als dritter Ersatzmann auf der Zürcher SVP-Liste hat auch Matter realistische Chancen, noch in der laufenden Legislatur ins Parlament einzuziehen.

Rutz, ein Gründungsmitglied der IG Freiheit, geht die neue Aufgabe sehr selbstbewusst an. «Für mich wird das Nationalratsmandat eine Nebenbeschäftigung sein. Mein Beruf ist meine Hauptbeschäftigung», sagt er am Telefon. Er wolle sicher nicht bis 65 in der Politik bleiben, das sei für ihn schon immer klar gewesen. Im Nationalrat möchte er den Schwerpunkt in staats- und ordnungspolitischen Fragen setzen, aber auch in anderen Dossiers mitreden. «Ich war schon immer ein Generalist.»

«Mehr Freiheit, weniger Staat»

Obwohl Rutz seine Einkehr in die grosse Kammer betont locker kommentiert, muss es ein bedeutender Moment sein für ihn: Sein politisches Engagement geht bis weit in die Neunzigerjahre zurück. Damals engagierte er sich noch als Mitglied der Jungliberalen Partei für seine freiheitlichen Ideale. Inhaltlich vertrat der Jus-Student seine Positionen zum Teil mit einer Kompromisslosigkeit, dass alteingesessenen FDP-Politikern die Haare zu Berge standen.

Besonders schlecht kam es an, als Rutz 1994 medienwirksam gegen das Antirassismusgesetz kämpfte und dann an der Albisgüetli-Tagung der SVP auch noch eine Rede hielt. Der «SonntagsBlick» bezeichnete ihn und seine Mitstreiter als «junge Handlanger alter Rassisten». Darauf stellte er seinen Kampf gegen das Antirassismusgesetz ein und trat 1996 zur SVP über.

Die kompromisslose Art ist bis heute geblieben, wie sich gerade auch im Nachgang zur Annahme der Ausschaffungsinitiative zeigte: Als SVP-Vertreter gab Rutz in einer Arbeitsgruppe des Justizdepartementes bei der Diskussion über die Ausführungsgesetzgebung keinen Millimeter nach. Resultat: Anstatt sich auf einen Kompromiss zu einigen, lancierte die SVP eine Durchsetzungsinitiative.

Als kompromisslos hat ihn auch FDP-Politikerin Katharina Kull im Zürcher Kantonsrat erlebt. «Rutz lässt sich so gut wie nie von anderen Positionen überzeugen», sagt sie. Gleichzeitig attestiert sie ihm einen korrekten Umgangston. Er gehöre zu jenen Kantonsräten, denen man zuhöre, wenn sie ans Rednerpult träten.

SVP-Kantonsrat Claudio Zanetti, ein enger Freund von Rutz, prophezeit, dass dieser in Bern «beste bürgerliche Politik» machen werde. Beide liefen Mitte Neunzigerjahre etwa gleichzeitig vom Freisinn zur SVP über. Ihre Prinzipien von damals, «mehr Freiheit, weniger Staat», seien bis heute geblieben, sagt Zanetti.