Der Frühstücksraum im Dachstock eines Basler Hotels war übervoll, als David Goodall mit dem Rollstuhl zu seiner "letzten Medienkonferenz" gerollt wurde. Neben lokalen und nationalen Medienschaffenden waren Fernsehteams und Journalisten unter anderem aus Deutschland, Frankreich, England, China, den USA und aus Goodalls Heimat Australien angereist.

Der 1914 in Grossbritannien geborene Wissenschaftler war in den vergangenen Tagen in die Schweiz geflogen, um sich bei der Selbsttötung helfen zu lassen. In Australien sei dies "leider" nicht erlaubt, sagte Goodall vor den Medien. Statt der "Schweizer Option" hätte er es bevorzugt, in seiner Heimat sterben zu können.

Personen ab einem mittleren Alter sollten das Recht haben, selber entscheiden zu können, wann und wo sie sterben, sagte der 104-Jährige. Seine Lebensqualität habe sich zunehmend verschlechtert. Er könne auch keine Reisen an seine Lieblingsorte mehr unternehmen. Unheilbar krank ist Goodall indes nicht.

Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch und einem Sturz in seinem Haus, hatte sich Goodall entschieden, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Der Botaniker zeigte sich an der Medienkonferenz überrascht über das grosse Interesse.

Mit dem Einbinden der Medien auf seinem letzten Weg hoffe er jedoch auch, in seiner Heimat etwas bewegen zu können. Einen Druck spüre er aufgrund des grossen Interesses dagegen nicht. Es sei seine eigene Entscheidung, sein Leben beenden zu wollen. Er sei dankbar, dass dies in der Schweiz möglich ist.

40 Australier zum Sterben in die Schweiz gereist

Der Wissenschaftler ist gemäss der Sterbehilfeorganisation Exit nicht der erste Australier, der - wie viele Europäer - zum Sterben eine Reise in die Schweiz unternommen hat. Dennoch sei es aufgrund der Länge des Fluges und der hohen Reisekosten eher selten. Exit spricht von 40 Australiern, die bisher Hilfe in Anspruch nahmen.

Nach seiner Ankunft in Basel am Montag hatte Goodall Konsultationen mit zwei Ärzten der Stiftung Lifecircle, darunter ein Psychiater. Diese gaben gemäss Exit grünes Licht für das Vorhaben.

Am Donnerstagmorgen will sich der Australier begleitet von engen Familienmitgliedern zu seinem "letzten Termin" begeben. Mittels Infektionskanüle an seinem Arm soll er sich selber ein tödliches Medikament verabreichen können. Bis zuletzt kann er gemäss Exit seinen Entscheid rückgängig machen.

Goodall hatte an der Edith Cowan Universität in Westaustralien gearbeitet. 2016 war er weltweit bekannt geworden, als ihn seine Universität im Alter von 102 Jahren endgültig in den Ruhestand schicken wollte - obwohl er seit seiner offiziellen Pensionierung unentgeltlich arbeitete.

Nach Protesten und Solidaritätsbekundungen von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt nahm die Universität die Entscheidung zurück. Goodall hat Dutzende Forschungsarbeiten veröffentlicht und noch bis vor kurzem für verschiedene Fachzeitschriften gearbeitet.