Waffengesetz

Zum Schutz der Frauen: Weshalb diese Politikerinnen glauben, dass sie die Abstimmung entscheiden

Von links nach rechts: Doris Fiala (FDP), Kathrin Bertschy (GLP), Maya Bally (BDP), Ida Glanzmann (CVP), Maya Graf (Grüne).

Von links nach rechts: Doris Fiala (FDP), Kathrin Bertschy (GLP), Maya Bally (BDP), Ida Glanzmann (CVP), Maya Graf (Grüne).

Politikerinnen aller Parteien - mit Ausnahme der SVP - haben ein überparteiliches Komitee für das neue Waffenrecht gegründet. Unter Führung der FDP. Sie glaubt, dass es die Frauen sind, welche die Abstimmung vom 19. Mai entscheiden werden.

Es sind 53 Prozent der Stimmbevölkerung, die zurzeit Ja sagen zum neuen Waffenrecht. 46 Prozent sagen Nein. Das zeigt die Tamedia-Umfrage vom 5. April. Vieles deutet auf einen knappen Entscheid hin. Und darauf, dass die Frauen diese Abstimmung vom 19. Mai entscheiden.

Das zumindest glaubt Justizministerin Karin Keller-Sutter. An einer Tagung des Frauen-Netzwerkes WomanOst sagte sie vor kurzem, sie sei sicher, dass die Frauen bei dieser Abstimmung eine wichtige Rolle spielen werden: «Fast vier von fünf sind für das neue Gesetz.»

Wie wichtig die Frauen sind im Kampf um das verschärfte EU-Waffenrecht verdeutlicht die Tamedia-Umfrage. Frauen sagen mit 56 Prozent Ja und mit 6 Prozent eher Ja. Männer hingegen lehnen das Gesetz ab: 50 Prozent sagen Nein und 4 Prozent eher Nein. Nur 41 Prozent sagen Ja und 4 Prozent eher Ja.

Die FDP-Frauen realisierten dies. Deshalb initiierten sie unter dem Motto «Frauen für die Sicherheit - Sicherheit für die Frauen» ein überparteiliches Frauenkomitee. «Frauen gehen viel sensibler um mit dem Thema Waffen als Männer», sagt Nationalrätin Doris Fiala, Präsidentin der FDP-Frauen. «Diese haben meist ein unverkrampfteres Verhältnis zu Waffen wegen der Armee und wegen der Schiessvereine.»

Mit Ausnahme der SVP, die gegen das Waffenrecht ist, gelang es Fiala, Frauen aller Parteien im Komitee zu vereinen. Das sei «beachtlich», sagt sie. Von der CVP sind etwa Nationalrätin Ida Glanzmann (LU) und Babette Sigg (ZH), Präsidentin der CVP-Frauen, vertreten. Von der FDP neben Fiala Corina Eichenberger (AG), von der SP Nationalrätin Priska Seiler-Graf (ZH), von der BDP Maya Bally (AG), von der GLP Kathrin Bertschy (BE), von den Grünen Maya Graf (BL) und von der EVP Marianne Streiff (BE).

© CH Media

Für sie persönlich sei Sicherheit «die erste Staatsaufgabe», sagt Doris Fiala. In einer Güterabwägung sei für sie klar: «Wir dürfen auf keinen Fall Schengen aufs Spiel setzen. Das wäre echt sehr gravierend!» Das dürfe nicht passieren.

Das verschärfte EU-Waffengesetz verbietet halbautomatische Waffen wie die Sturmgewehre 90 und 57 im Privatbesitz. Bei den Armeewaffen konnte die Schweiz in Brüssel aber eine Ausnahme aushandeln: Ein Sturmgewehr, das der Armeeangehörige nach Ende der Dienstzeit übernimmt, fällt nicht in die Kategorie der verbotenen Waffen.

Waffenbesitz sei kein Menschenrecht

Frauen stünden dem neuen Gesetz positiver gegenüber als Männer, weil sie nicht glaubten, dass es «ein Menschenrecht» sei, eine Waffe besitzen zu dürfen, sagt auch SP-Nationalrätin Priska Seiler-Graf. «Die amerikanische Stand-Your-Ground-Romantik ist vielen Frauen fremd.»

Mit Stand-Your-Ground-Romantik (nicht von der Stelle weichen) werden umgangssprachlich die Gesetze von 30 amerikanischen Bundesstaaten bezeichnet, die es einem Menschen erlauben, sich im Extremfall mit Gewalt gegen einen rechtswidrigen Angriff zur Wehr zu setzen.

Für Seiler ist klar: «Je mehr Waffen verfügbar sind, desto mehr Gewalt wird ausgeübt.» Mit jeder Verschärfung des Waffenrechts hingegen nähmen die Toten ab. «Seit das erste Waffengesetz 1999 Einschränkungen machte, halbierte sich die Zahl der Toten durch Schüsse», sagt sie. «Und als die Armee psychologische Eignungstests einführte, gingen die Gewalttaten mit Ordonnanzwaffen zurück.»

"Tötungsmittel Nummer eins der Männer"

Gewalt mit Waffen sei «ein männliches Phänomen», sagt Seiler. «Männer begehen am häufigsten Suizid mit einer Schusswaffe. Waffen sind statistisch gesehen das Tötungsmittel Nummer eins der Männer.» Auch Gewaltandrohungen mit der Waffe dürfe man nicht verniedlichen, gerade im Umfeld häuslicher Gewalt. «Die Dunkelziffer von Frauen, die mit Waffen bedroht wurden, ist hoch.»

Als Sicherheitsvorsteherin der Gemeinde Kloten versteht Seiler aber sehr wohl, «dass die Staatsgewalt bewaffnet sein muss». Auch sei ihr Grossvater ein leidenschaftlicher Schütze gewesen. Sie selbst habe ebenfalls schon eine Waffe in der Hand gehabt. «Ich habe aber keine Waffe zu Hause», erzählt sie. Und geschossen habe sie auch noch nie.

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