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Zugedröhnt: Zwei Filmemacher mischen mit Drohnen die Branche auf

Zwei Jungunternehmer aus Meiringen mischen mit ihren Drohnen-Luftbildern das Filmgeschäft auf. Zu ihren Kunden gehören Autofirmen, Bergsteiger-Ausrüster, aber auch Red Bull oder das Schweizer Fernsehen.

Daniel Fuchs
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Mit Drohnen die Filmbranche aufmischen: Zu Besuch bei Dedicam in Meiringen
7 Bilder
Ihre Drohnen entwickeln sie ständig weiter.
In der Werkstatt in Meiringen
Sie gleicht einem Spielzimmer für Grosse

Mit Drohnen die Filmbranche aufmischen: Zu Besuch bei Dedicam in Meiringen

Sandra Ardizzone

Das Brummen erinnert an eine Hummel und steigert sich zu einem Dröhnen, als das technische Wunderwerk abhebt. Es handelt sich um einen sogenannten Octocopter mit seinen acht Rotoren. Die ferngesteuerte Drohne trägt im Verhältnis zum Eigengewicht schwere Last. Doch haben die Rotoren Kraft: Trotz Filmkamera und zwei schweren Akkus steigt das Gerät unaufhaltsam in den verhangenen Himmel über Meiringen (BE).

Datenschützer will Drohnenflug ausbremsen

Ferngesteuerte Helikopter oder selbst gebastelte Modellflugzeuge fliegen - das war früher. Heute lässt sich bequem und einfach via Smartphone eine Spielzeug-Drohne durch die Luft steuern. Integrierte Kameras senden Livebilder direkt zum «Piloten» am Boden. Die immer günstiger werdenden Wundergeräte finden reissenden Absatz.
Dem Spass sind fast keine Grenzen gesetzt. Fluggeräte unter 30 Kilogramm bedürfen in der Schweiz keiner Bewilligung. Das wollte der eidgenössische Datenschützer Hanspeter Thür ändern. Nachdem seine Forderung, die Bewilligungspflicht auf Fluggeräte unter 30 Kilogramm auszudehnen, beim zuständigen Bundesamt für Zivilluftfahrt aber auf taube Ohren stiess, plädiert er nun für eine gesetzliche Regelung der Videoüberwachung bei Fluggeräten dieser Kategorie. (dfu)

Lange werden der «Pilot» Dyonis Frei und sein Kameramann Davide Tiraboschi ihren Octocopter an diesem Tag nicht draussen fliegen lassen können, hat es doch wieder zu regnen begonnen. Wasser aber verträgt das Hightech-Gerät schlecht. Zu viel davon und ein Kurzschluss und damit folgenteurer Absturz droht. Deshalb flüchten wir uns bald wieder in die trockene Werkstatt.

Im Spielzimmer der verhinderten Piloten

Das kalte Neonlicht taucht den mit Holz ausstaffierten Keller in eine Art Spielhöhle. In der Ecke stehen zwei Mountainbikes, die aussehen, als seien sie frisch ab Fabrikation. Daneben zwei Snowboards. Über den Boden verstreut liegen Werkzeuge, Integral- und Snowboardhelme, Skibrillen: Der Sitz der beiden Dedicam-Inhaber gleicht eher einem Spielzimmer für Grosse, denn einer Werkstatt; einem Spielzimmer für verhinderte Piloten.

Für seine Hobbys aber haben die beiden Jungunternehmer nicht mehr viel Zeit. «Gerade einmal acht Mal stand ich diese Saison auf dem Snowboard», jammert Tiraboschi augenzwinkernd. Dabei steht die Talstation der Luftseilbahn ins Skigebiet Hasliberg keine 300 Meter weit entfernt. Die überstellte Werkbank im hinteren Teil des Raums sowie eine Fräse zeugen von viel Arbeit, die die beiden Mittdreissiger derzeit umtreibt. Auf Holzgestellen stehen die aufs Wesentliche reduzierten Fluggeräte, die nicht gerade günstig sind: Frei und Tiraboschi würden die von ihnen entwickelten Drohnen verkaufen. Der stolze Preis: 27'000 Franken.

Den Tiger gesucht

Ihren Lebensunterhalt bestreiten die beiden Freunde aber nicht mit dem Verkauf der Drohnen, sondern der spektakulären Bilder, die sich damit drehen lassen. Stolz präsentiert Frei eine Kostprobe. Kürzlich war er mit Tiraboschi und einem Filmteam in Indien unterwegs: auf Bilderjagd nach dem bengalischen Tiger. Weder bekamen die beiden Meiringer den «Menschenfresser» zu Gesicht, noch musste sich ein bengalischer Tiger vom Rotorendröhnen stören lassen. Die Kameras aber lieferten gestochen scharfe Bilder aus den Mangrovensümpfen, die man nur auf diese Art überhaupt hat drehen können.

Das Geschäft mit den Bildern ab Drohne wirft für Frei und Tiraboschi genug fürs Leben ab. Ein immer ausgeklügelteres System, leichtere Kameras und nicht zuletzt GPS - der rasende Fortschritt hat die Drohne zum Massenphänomen gemacht.

Womit Frei und Tiraboschi Geld verdienen, boomt auch unter «Hobbypiloten». Die purzelnden Preise lassen die Nachfrage geradezu explodieren. Die Rentner, die selber an ihren Modellflugzeugen basteln, haben Konkurrenz bekommen. Ihnen und Drohnen-Käufern ist gemein, dass sie sich ihren Traum vom Fliegen mit Spielzeugen erfüllen. Fast nur Männer lassen ihre Drohnen in der Freizeit steigen. Einfach so, aus Spass. Auf zehn Männer komme etwa eine Frau, schätzt Tiraboschi.

Die Sorge der Datenschützer

Aus der Verpackung direkt in die Luft - in der Schweiz gibt es Drohnen für wenig Geld. Besonders im Trend: Quadrocopter des französischen Herstellers Parrot oder von DJI in Hongkong (340 respektive 800 Franken). Beide Modelle lassen sich bequem via Smartphone steuern. Eingebaute Wi-Fi-Geräte senden die Videobilder live aufs Smartphone. Kenntnisse braucht man keine: Dank der vier Rotoren schwebt die Drohne äusserst stabil in der Luft.

Mittels GPS-Signal finden die Geräte auch dann ihren Weg zurück, wenn sie ausser Reichweite der Fernsteuerung geraten. Für solche Geräte braucht es in der Schweiz weder eine Bewilligung, noch verderben spezielle Vorschriften das Spiel. Kurz mit der Drohne über die Gartenhecke fliegen und mit der Kamera einfangen, was auf Nachbars Grill brutzelt - der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Kein Wunder also, hat der Boom auch die Datenschützer alarmiert. Sie fordern eine breitere Bewilligungspflicht.

Die summenden Begleiter der Bergsteiger

Frei und Tiraboschi treibt das Geschäft und die Jagd nach den besonderen Bildern an. Auch das Schweizer Fernsehen hat den beiden Jungunternehmern schon Aufträge vergeben. Erstmals sandte das Fernsehen dieses Jahr Livebilder einer Drohne vom Lauberhornrennen in die Schweizer Stuben. Den Zuschauer freute es, sah er doch Bilder aus bisher unbekannten Blickwinkeln, wie sie sich die Skirennfahrer am respekteinflössenden «Hundschopf» in die Tiefe stürzten. Dedicam-Drohnen schwirrten auch schon am und im Bundeshaus herum, um Archivbilder zu sammeln. Dasselbe ist kurzum am Bundesgericht in Lausanne geplant.

Längst hat auch die Werbewelt die Kraft dieser Bilder entdeckt. Ob in Werbespots für BMW oder in Sportfilmproduktionen von Red Bull - nicht selten ist eine Drohne von Dedicam dabei. Für eine Tagespauschale von 3500 Franken lassen Frei und Tiraboschi ihre Fluggeräte steigen, etwa auch für den Bergsportgiganten Mammut und dessen aufwendige Werbeprojekte. So begleitet neuerdings nicht selten ein Dröhnen das stille Vorankommen von Extrembergsteigern auf ihren abenteuerlichen Expeditionen.

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