Umweltschutz

Zuerst Elefanten und Nashörner, dann die Natur

Ein paar Naturforscher gründeten vor 50 Jahren den World Wildlife Fund (WWF) – zuerst um Grosstiere zu retten, dann die Ökosysteme der Erde. Die Organisation will, «den Leuten erklären, dass die Natur zählt.»

Wenn etwas gross ist, fällt es auf. Auch – oder vor allem dann, wenn es nicht mehr da ist. Diese Erfahrung machte Sir Julian Huxley, renommierter Biologe und 1960 Generaldirektor der Unesco, als er Ostafrika besuchte. Elefanten, Nashörner und andere wilde Tiere wurden erbarmungslos gejagt und ihr Habitat zerstört. Zusammen mit anderen britischen Wissenschaftern beschlossen sie, etwas zu tun. Am 29. April 1961 lancierten sie das so genannte «Morges Manifesto», ein Aufruf an die Welt, bei der Rettung dieser bedrohten Tierarten mitzuhelfen. Es war die eigentliche Geburtsstunde des WWF (World Wildlife Fund), offiziell registriert wurde die Organisation am 11. September 1961.

Der WWF war als Fundraising-Organisation gedacht und sollte dezentral organisiert sein. Mit Büros in verschiedenen Ländern, die eigene Strategien fahren sollten, um Spenden zu generieren. Zwei Drittel des Geldes sollten an die Zentrale gehen, mit einem Drittel konnten die Länderbüros eigene Projekte finanzieren. Die Zentrale war zuerst in Morges (die Schweiz wurde mit Bedacht als Sitz der Organisation gewählt), später, als die Örtlichkeiten zu eng wurden, zügelte man nach Gland VD. Das erste Länderbüro war Grossbritannien (gegründet am 23. November 1961), darauf folgten die USA und die Schweiz (1.Dezember 1961).

Unter den Unterzeichnern des «Morges Manifesto» waren auch Schweizer Wissenschafter. Als WWF-Präsidenten stellten sich unter anderen auch Prinz Philipp, der Gemahl der englischen Königin (1981 bis 1996), und Prinz Bernhard der Niederlande (1970 bis 1977) zur Verfügung. Beide waren auch lange Präsidenten ihrer jeweiligen nationalen WWF-Ableger. Erster Präsident war der britische Ornithologe Sir Peter Scott, Sohn des Polarforschers Robert F. Scott. Ein Mann der ersten Stunde und unermüdlicher Förderer war der Schweizer Vogelforscher und Industrielle Luc Hoffmann.

Vom gefährdeten Wildtier zur Natur

Hoffmann hatte bereits in der Camargue ein grosses Vogelschutzgebiet gegründet, auch der WWF verfolgte diese Strategie und half schon 1970 mit, in Spanien das Coto-Donana-Reservat zu erhalten. Im Visier standen aber immer noch die gefährdeten Tiere. Das zeigte sich auch im beliebten Würfelspiel «Wild Life». In der ersten Version ging es noch darum, als Tierfänger und Tierhändler seinen Zoo möglichst schnell mit Tieren zu bestücken.

Natürlich, um sie zu retten, das war die ursprüngliche Idee. Das Spiel war beliebt, weil es ebenfalls mit Spielgeld gespielt wurde. Sein diesbezügliches Pendant «Monopoly» war pädagogisch wachen Eltern damals suspekt; heute nennt man unverhohlen «Gier», wovor man damals die Sprösslinge bewahren wollte. Dass Tiere auch den richtigen Lebensraum brauchen, war uns damals nicht so recht bewusst.

Die Kampagne von 1973 für die Rettung des Indischen Tigers war noch eine «klassische». Bereits in der nächsten grossen, 1976, zur Rettung der Regenwälder, ging es erstmals um ein Ökosystem, im gleichen Jahr setzte sich der WWF auch für Meer-Reservate ein.

Heute ist der WWF umfassend positioniert: «Unsere Ziele waren noch nie klarer: Klimawandel verlangsamen, Gifte in der Umwelt vermindern, Ozeane und Süsswasser schützen, Abholzung stoppen und bedrohte Arten retten.» So formulierte es Claude Martin, der frühere Schweizer Generaldirektor von WWF International. Oder kurz: «Den Leuten erklären, dass die Natur zählt.»

Alexis Schwarzenbach: WWF – die Biografie. Weil wir nur diese eine Erde haben – 50Jahre Naturschutz im Zeichen des Pandabären. Collection Rolf Heyne, München 2011. 400S., Fr.43.50.

Erscheint am 10. März 2011.

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