Alfred Borter

Wenn immer im gegenwärtigen Wahlkampf um die Nachfolge von Regierungsrätin Rita Fuhrer die Sprache auf die beste Luftverkehrspolitik kommt, erklärt SP-Regierungsratskandidat Daniel Jositsch, man müsste einen Teil der Flüge nach Basel verlegen. «Basel hat noch Kapazität und könnte Zürich entlasten», erklärte er in einem Interview mit dem Verein Flugschneise Süd Nein. Und gegenüber dieser Zeitung sagte er: «Basel wäre interessiert an mehr Passagierflügen.»

Swiss braucht einen Hub

Hat er damit das Ei des Kolumbus gefunden? Nein, heisst es sowohl aus Zürich wie auch aus Basel. Zwar ist durchaus richtig, dass der Euro-Airport Basel-Mülhausen noch Kapazität hat. Aber für die Swiss, welche ab Zürich am meisten Flüge durchführt, ist die Idee der Verlegung von Flügen von Zürich nach Basel trotzdem kein Thema, wie Pressesprecher Jean-Claude Donzel erklärt.

Der Flugplan der Swiss basiert auf dem Wellensystem: Täglich kommen in Zürich Flugzeuge in drei Wellen an, sie bringen Passagiere für die Langstreckenflüge heran, und nach dem Umsteigen finden die Abflüge statt.

«Dass man einen Teil der Passagiere nach Basel bringt, macht überhaupt keinen Sinn», erläutert Donzel. «Wir können nur an einem Flughafen einen Hub haben, alles andere wäre nicht profitabel.» Und dieser Hub sei eben in Zürich.

Wenn man von diesem System abkommen würde, so verlöre man Kunden zum Beispiel an Warschau oder Prag. Und den Kunden zuzumuten, für den Anschlussflug vom Flughafen Zürich nach Basel oder umgekehrt noch den Zug und den Bus zu nehmen, sei ausgeschlossen.

Ähnlich ablehnend äussert sich auch die Sprecherin des Flughafens Zürich, Sonja Zöchling. Dass Basel noch Kapazität habe, stellt sie nicht in Abrede. Nur: «Kapazität haben wir auch.» 2008 habe man in Zürich 275 000 Flüge verzeichnet, die theoretische Grenze liege bei 340 000, und im Augenblick sei die Zahl der An- und Abflüge klar rückläufig.

Die Statistik verzeichnet in den ersten neun Monaten dieses Jahres einen Rückgang von über 6 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode. «Die Aufgabe des Flughafens Zürich ist, die hier geplanten Flüge bestmöglich abzuwickeln, und nicht, die Kapazität in Basel besser auszuschöpfen.»

Kein wirklicher Gewinn

Erich Wenzinger, Stellvertretender Kommunikationsbeauftragter der Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Zürich, gibt zu verstehen, die Idee sei nicht neu. Sie sei kürzlich vor allem aus Kreisen zur Diskussion gebracht worden, die sich für einen Bewegungsplafonds stark machten, so unter anderem Daniel Jositsch.

«Ein wirklicher Gewinn für die Bevölkerung wäre aus Lärmsicht nur dann gegeben, wenn eine erhebliche Zahl von Flügen verlagert würde», gibt er zu bedenken, und schränkt gleich ein: «Es liegt im Interesse von Zürich, gute interkontinentale Fluganbindungen sicherzustellen.»

Kein Basler Interesse

Viel wirksamer als die Verlagerung von einigen Flügen nach Basel wäre, so erklärt Wenzinger weiter, eine Einigung mit Deutschland - und damit meint er den Rückzug der deutschen Durchführungsverordnung (DVO), welche dazu geführt hat, dass heute viel mehr Leute von Fluglärm betroffen sind als zur Zeit, als der Flugplatz Kloten noch vorwiegend von Norden her, also über deutsches Gebiet, angeflogen wurde.

Und wie lautet die Stellungnahme des Flughafens Basel-Mülhausen? Vivienne Gaskell, Leiterin Medien- und Öffentlichkeitsarbeit, erklärt kurz und bündig: «Der Euro-Airport hat heute noch Kapazität. Wir wollen aber mit den Marktbedürfnissen wachsen und nicht andere Flughäfen entlasten.»