Zürich

Zürcher Kantonsrat will Defibrillatoren nicht flächendeckend einführen

Wenn das Herz plötzlich zu schlagen aufhört, entscheidet ein Defibrillator über Leben und Tod. Im Kanton Zürich soll der Einsatz solcher Geräte aber nicht in einem Gesetz geregelt werden.

Philippe Klein

Es klingt wie ein Albtraum und doch kommt es jedes Jahr schweizweit fast zehntausend Mal vor: Völlig unerwartet hört das Herz auf zu schlagen. Der oder die Betroffene sinkt zu Boden und wird augenblicklich bewusstlos - ein lebensgefährlicher Zustand. Nur eine sofortige Herzmassage oder elektronische Stösse aus einem so genannten Defibrillator können den normalen Rhythmus wieder herstellen und so Leben retten.

Fasziniert vom Gedanken, mit so genannten automatischen externen Defibrillatoren (AED) Todesfälle von vermeintlich gesunden Menschen zu verhindern, haben sich zwei Ärzte ein Herz gefasst. In einer Einzelinitiative verlangten Jean-Jacques Fasnacht (Benken) und Robert Greuter (Nänikon-Greifensee) vom Zürcher Kantonsrat, dass im ganzen Kanton flächendeckend Defibrillatoren installiert werden sollen. Fasnacht sagte am Montag im Rat: «Im Gesetz ist geregelt, wo überall Feuerlöscher stehen müssen. Warum soll man das nicht auch für Defibrillatoren festschreiben?»

Anerkennung, keine Zustimmung

Zwar hat das Anliegen der beiden Mediziner gestern im Kantonsrat viel Anerkennung geerntet. Die 60 Stimmen, die nötig gewesen wären, damit das Geschäft von der Politik weiterverfolgt worden wäre, kamen aber knapp nicht zusammen. Lediglich 57 Parlamentarier aus SP, EVP, EDU und Teilen der Grünen stimmten der Initiative zu.

Für Oskar Denzler (FDP, Winterthur) ist die Forderung nach Defibrillatoren zwar «sehr sympathisch», die Initiative schiesse aber «übers Ziel hinaus». Bereits heute verfüge der Kanton Zürich über eine hohe Dichte an Defibrillatoren, viele Büros, Wohnsiedlungen oder Sportstätten seien von ihren Besitzern in Eigenregie mit solchen Geräten ausgestattet worden. Das sei insbesondere daher zu begrüssen, weil die Privaten oder Gemeinden dann auch um Bedienung und Wartung dieser Stationen besorgt seien.

Theres Weber (SVP, Uetikon am See) bezweifelte in ihrem Votum, dass der Vorschlag der beiden Ärzte praxistauglich sei. Nach einem Herzstillstand blieben nur drei bis fünf Minuten Zeit, um einen Defibrillator zum Einsatz zu bringen. Daher wäre eine so hohe Dichte an Defibrillatoren nötig, die schlicht unbezahlbar wäre. Auch Wartung und Kontrolle der Geräte hätten unverhältnismässig hohe Kosten zur Folge.

Auf dem Land wichtiger

«Contre cœur» sprach sich CVP-Kantonsrat Lorenz Schmid (Männedorf) gegen die Vorlage aus. Er selber sei dafür. 264Geräte seien auf Kantonsgebiet einsatzbereit, nicht wenige davon etwa in den Kantonalbanken, in Apotheken und Arztpraxen. Für eine Firma mit 250 Mitarbeitern oder mehr sei die Anschaffung von Defibrillatoren empfehlenswert, sagte Schmid. Dies sei aber nicht Aufgabe des Kantons - allenfalls der Gemeinden, das sei ihnen überlassen -, habe seine Partei beschlossen.

Eine Herzensangelegenheit waren die Defibrillatoren für Erika Ziltener (SP, Zürich). «Es lohnt sich, das sorgfältig zu prüfen», sagte sie. Gerade in ländlichen Gebieten, wo Rettungskräfte einen längeren Anfahrtsweg hätten, könne eine hohe Defibrillatorendichte durchaus sinnvoll sein. Und auch in Sportstadien, Fussballplätzen, Schulen und Turnhallen seinen die Stromstossgeräte wichtig. Es sei erwiesen, dass die Gefahr eines plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstands zunehme, wenn man Sport treibt.

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