Organspende

Zu wenig Schweizer melden sich als Organspender – nun soll die Registrierung einfacher werden

100 Menschen sterben in der Schweiz pro Jahr, weil sie nicht rechtzeitig ein Spenderorgan erhalten haben.

100 Menschen sterben in der Schweiz pro Jahr, weil sie nicht rechtzeitig ein Spenderorgan erhalten haben.

Das Interesse am neuen digitalen Organspenderegister sei zwar vorhanden, die Registrierung aber offenbar zu kompliziert. Nach nicht einmal einem Jahr wird darum schon bald eine neue Version lanciert.

Angehörige kommen oft in eine schwierige Situation, wenn nach einem Todesfall die Frage aufkommt, was mit den Organen des Verstorbenen passieren soll. Denn vielmals ist dessen Wunsch nicht bekannt, ein Organspendeausweis wird nur in wenigen Fällen gefunden.

Damit fällt der Entscheid darüber, ob die Organe entnommen werden sollen oder nicht, auf die Angehörigen zurück – was für diese sehr belastend sein kann. Und es kann dazu führen, dass jemand kein Organ erhält, obwohl der Verstorbene eigentlich damit einverstanden gewesen wäre.

Darum hat die Stiftung Swisstransplant, welche die Organspenden hierzulande organisiert, vergangenen Oktober ein Online-Spenderegister (organspenderegister.ch) lanciert. Das Ziel: Möglichst viele Menschen sollen dort eintragen, ob sie im Ernstfall mit einer Organentnahme einverstanden wären oder nicht – und damit Sicherheit und Klarheit schaffen. Swisstransplant-Direktor Franz Immer sagte damals, das Ziel sei, dass sich bis Ende 2018 rund 100'000 Menschen registrieren.

Aktuelle Zahlen von Swisstransplant zeigen nun, dass dieses Ziel bei weitem nicht erreicht wurde: Am 25. Juli waren nur knapp 58'000 Personen registriert. Immer sagt es auf Anfrage ganz deutlich: «Wir hätten uns mehr erwünscht.» Für ihn ist immerhin bereits klar, wieso das digitale Sprenderegister hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist.

«Das Interesse ist zwar vorhanden, der Prozess vielen Leuten aber zu aufwendig», sagt Immler. Was er damit meint: Um die Registrierung abzuschliessen, muss heute ein Datenblatt ausgedruckt, unterschrieben und wieder eingescannt oder per Post an Swisstransplant geschickt werden. Zudem muss auch eine Kopie der ID oder des Passes hochgeladen oder mitgeschickt werden.

Über 90 Prozent bricht Registrierung ab

«Wir haben gemerkt, dass dieser Papierkram für viele eine zu grosse Hürde ist», sagt Immer. Über 90 Prozent der Personen, die den Registrierungsprozess auf der Internetplattform starteten, haben ihn laut dem Swisstransplant-Direktor nicht abgeschlossen. Darum hat die Stiftung in den letzten Monaten an einer neuen Version des noch nicht einmal ein Jahr alten Onlineregisters gearbeitet, die voraussichtlich im September lanciert wird. Immer ist zuversichtlich, dass diese auf mehr Zuspruch stossen wird: «Einfacher können wir es wirklich nicht mehr machen.»

Das neue Onlineregister kommt ganz ohne Papier aus. Mit einem Tablet oder Smartphone kann man auf der Webseite seine persönlichen Informationen eingeben, mit der Kamera ein Passfoto machen und auf dem Bildschirm auch gleich digital unterschreiben – und schon ist man registriert. Auch eine Passkopie braucht es nicht mehr. Seit Anfang Juni wird das vereinfachte Register in sieben Spitälern, Arztpraxen und Apotheken getestet. «Die Rückmeldungen sind positiv» sagt Immer.

Zusammenarbeit mit der Armee

Auch wenn das Onlineregister bisher hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, war es keineswegs nutzlos – ganz im Gegenteil. Mehr als 100 Abfragen von Spitälern gab es laut Immer pro Quartal, zweimal sogar einen Treffer. Zudem hat Swisstransplant nun erstmals Zahlen dazu, wer die Personen sind, die Organe spenden wollen.

Zwar wusste man vorher, wie viele Spendeausweise verschickt oder verteilt wurden, konnte jedoch nicht verfolgen, was mit ihnen geschah. Mit dem digitalen Register ist das nun anders. So wissen Immer und sein Team nun beispielsweise, dass die Mehrheit der Registrierten Frauen und unter 40 Jahre alt sind.

«Das hilft uns enorm, weil wir so sehen, welche Zielgruppen wir bisher nicht erreicht haben.» Konkret: Männer und ältere Menschen. Und auf diese will Swisstransplant nun gezielt zugehen. So arbeitet die Stiftung laut Immer mit der Armee zusammen, die in ihren Rekrutenschulen und Rekrutierungszentren ab diesem Herbst Tablets aufstellt, auf denen sich die jungen Männer im Organspenderegister eintragen können. Um ältere Menschen zu erreichen, setzt Swisstransplant hingegen auf die Hausärzte, mit denen ab nächstem Jahr eine Zusammenarbeit geplant ist. So soll das Register stetig wachsen – und damit einen Beitrag leisten, dass die Zahl der Spender steigt und niemand mehr sterben muss, weil er nicht rechtzeitig ein Organ erhalten hat.

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