Zu wenig Platz für Asylsuchende

Röschenz sollte 15 Asylsuchende vom Kanton übernehmen, aktuell sind es aber erst 10. Bis vor kurzem besass die Gemeinde neben kantonalen Geldern einen speziellen Asylfonds. Diesen musste sie nun auflösen.

35.50 Franken. So hoch ist der Betrag, den die basellandschaftlichen Gemeinden vom Kanton für jeden aufgenommenen Asylsuchenden pro Tag erhalten. Dieses Geld dient den Gemeinden für die Begleichung der auftretenden Verwaltungskosten sowie für die Unterstützung und Unterbringung der Asylsuchenden. Dazu zählen die Versorgung mit Lebensmitteln und Kleidung, wie auch die Bereitstellung eines U-Abos. Zusätzlich werden vom Kanton die für die Gemeinde auftretenden Kosten für Eingliederungsprogramme, Zahnbehandlungen und Ausreise übernommen. Auch die Krankenkassenprämien der Asylsuchenden bezahlt der Kanton.

Gemeinde zahlte Sanierung

Die Gemeinde Röschenz konnte jedoch noch auf ein anderes Instrument zurückgreifen. «Vor einiger Zeit hatten wir mit überschüssigem Geld der Gemeinde neben dem Sozial- auch einen Asylfonds gegründet», sagt Ursula Mathys von der Sozialhilfebehörde Röschenz. Weil in diesen immer wieder Geld einbezahlt wurde, war es der Gemeinde möglich, die gesamte Sanierung der Asylunterkunft an der Schindelhofstrasse 18 aus eigener Tasche zu bezahlen (siehe Artikel oben). Auch nach dem Abzug der

50 000 Franken für die Renovierung des Hauses habe sich noch genug Geld im Fonds befunden, um die Asylsuchenden weiterhin zu unterstützen. Dieser Fonds musste nun zu Gunsten des Eigenkapitals aufgelöst werden, wie Gemeindeverwalter Heinz Schwyzer erklärt. «Solche Fonds sind rechtlich nicht gestattet. Wir können auch direkt unser Eigenkapital für derlei Belange einsetzen.» Auch ohne Fonds erhalten die Asylbewerber beste Unterstützung. So führte die Gemeinde erfolgreich eine Möbel-Sammelaktion durch, um die Schindelhofstrasse 18 zu möblieren.

Anzahl Asylbewerber variiert

Auch für die Anzahl der Asylsuchenden, welche die einzelnen Gemeinden aufnehmen müssen, besteht eine Regelung. Derzeit beträgt das Kontingent 0,8 Prozent der Einwohnerzahl des jeweiligen Dorfes. Dieser Prozentsatz ändert sich laufend, da er in Zusammenhang mit der Anzahl eingegangener Asylgesuche steht. Den Gemeinden zugeteilt werden die Asylbewerber wiederum von den einzelnen Kantonen.

In Röschenz lebt bereits seit Dezember 2008 eine vierköpfige Familie kurdischer Asylsuchender in einer privaten Wohnung. Zusammen mit der sechsköpfigen syrischen Familie an der Schindelhofstrasse 18 erreicht die Gemeinde aber noch nicht die errechnete Anzahl von 15 Asylbewohnern, die sie eigentlich aufnehmen müsste. Es fehle an einem geeigneten Standort, sagt Schwyzer: «Die Suche ist schwierig, denn in Röschenz gibt es nur wenig Mietwohnungen und kaum welche, die für diesen Zweck in Frage kommen.»

Diese Seite ist eine Schlussarbeit aus dem Praxiskurs «Schreiben für Printmedien», den der ehemalige bz-Redaktor Philip Meyer im Auftrag der Uni Basel durchführt.

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