Umfrage
Zu hohe Gesundheitskosten – dennoch stellen sich Schweizer gegen Sparmassnahmen

Die Schweizer halten die Gesundheitskosten für zu hoch. Wenn es um konkrete Massnahmen geht, werden sie widersprüchlich.

Anna Wanner
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94 Prozent gaben an, dass die Gesundheitskosten für Haushalte mit mittleren Einkommen eine hohe Belastung darstellten. . (Symbolbild)

94 Prozent gaben an, dass die Gesundheitskosten für Haushalte mit mittleren Einkommen eine hohe Belastung darstellten. . (Symbolbild)

KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Seit Anfang Jahr gingen Dutzende Vorstösse bei den Parlamentsdiensten ein – alle präsentieren sie eine neue Idee, wie im Gesundheitswesen gespart werden kann. Auch der Bundesrat legt einen Gang zu. Am Mittwoch wird er den Bericht einer Expertengruppe besprechen, die Sparmassnahmen im Gesundheitswesen vorschlägt.

Damit folgt die Politik den Bedürfnissen der Gesellschaft, wie eine repräsentative Umfrage des Spitalverbands Hplus zeigt. Von 1200 Befragten gaben 94 Prozent an, dass die Gesundheitskosten für Haushalte mit mittleren Einkommen eine hohe Belastung darstellten. Trotzdem wünschen sich die Stimmberechtigten regionale Angebote für Notfälle, Geburten und wiederkehrende ambulante Behandlungen. Nur für mehrwöchige stationäre Behandlungen, für eine Rehabilitation und in der Psychiatrie werden längere Wege akzeptiert.

Freie Arztwahl ist indiskutabel

Der Widerspruch wird deutlich, wenn es um die Zulassungsbeschränkung von Arztpraxen geht: Bundesrat Alain Berset hat vorgeschlagen, dass fortan die Kantone entscheiden können, ob in ihrem Gebiet Ärzte eine neue Praxis eröffnen dürfen. Politiker versprechen sich dadurch, Kosten zu sparen, weil der Gesundheitsmarkt massgeblich vom Angebot getrieben wird: Der Arzt entscheidet, wie häufig und wie lange der Patient in Behandlung sein muss.

Doch die Zulassungssteuerung als Massnahme zur Eindämmung der Kosten fällt bei den Befragten durch. 48 Prozent waren «sehr oder eher gegen solche Einschränkungen», nur 36 Prozent «sehr oder eher dafür», wie Hplus mitteilte. Die Freiheit der Spital- und Arztwahl soll also auf keinen Fall eingeschränkt werden. 93 Prozent der Befragten stimmen dieser zu – auch wenn durch eine (Qualitäts-)Steuerung Kosten gespart werden könnten.

Rückendeckung für Bundesrat

Immerhin: 70 Prozent der Befragten finden, die Kantone sollen über Zulassungsbeschränkungen entscheiden. Hingegen nur 37 Prozent möchten, dass die Krankenkassen mitreden. Während der Bundesrat sich für eine Kontrolle durch die Kantone einsetzt, bekämpft das Parlament dieses Konzept und will über eine Lockerung des Vertragszwangs die Krankenkassen stärker miteinbeziehen. Das letzte Wort ist nicht gesprochen. Nur: Ginge es nach der Bevölkerung, fielen beide Varianten durch.