Der Verteidigungsminister ist im Rückzugs-Gefecht: «Ueli Maurer, der sich im Bundesrat sehr wohl fühlt und die gute Zusammenarbeit sowie das kollegiale Einvernehmen schätzt, steht selbstverständlich ohne Wenn und Aber zum Kollegialitätsprinzip und bedauert das Vorgefallene ausserordentlich».

So lautet die Entschuldigung die auf der offiziellen VBS-Homepage? Was ist geschehen?

In einem «sehr kurzfristig anberaumten Gespräch» mit der «Weltwoche»», wie es in der VBS-Erklärung heisst, lässt Ueli Maurer die Korken knallen und fällt seinen Bundesratskollegen in den Rücken.

Im Klartext spricht er dem Bundesrat ab, eine neutrale Position in der Krim-Krise einzunehmen und indirekt gegen die Interessen der Schweiz zu handeln. Er sagt: «Momentan ist der Wille, eine Neutralität ohne Wenn und Aber durchzuziehen, nicht gegeben.»

Er wirft Burkhalters Aussendepartement vor, sich gegen Russland zu stellen, damit man es sich mit der EU nicht vermassle, genauer: Um die Folgen der Abstimmung zur Masseneinwanderungsinitiative auszubügeln.

Ärgernis Tim Guldimann

Auch den OSZE-Sondergesandten Tim Guldimann deckt er mit Kritik ein. Über ihn sagt er: «Unser Chefdiplomat ist nicht unumstritten.»

Und dann greift er Bundespräsident Burkhalter frontal an: «Den Entscheid, Guldimann als OSZE-Vermittler einzusetzen, hat Didier Burkhalter getroffen, ohne die Kollegen zu informieren. Im Bundesrat wäre das wohl kaum durchgegangen.»

Diese Aussagen sind natürlich in der aktuellen Lage, wo Burkhalter als OSZE-Vorsitzender um den Frieden auf der Krim kämpft, äusserst brisant und vor allem eines: unkollegial.

So sieht sich das VBS auch genötigt, folgenden Satz zu publizieren: «Insbesondere bedauert Herr Maurer, dass der Eindruck entsteht, die Mitglieder des Bundesrates würden sich für die Interessen der Schweiz, etwa die Wahrung der Neutralität, nur unzulänglich einsetzen.»

Maurer will bis 2015 «durchturnen»

Allgemein scheint Maurer mit seiner Rolle im Bundesrat reichlich unzufrieden zu sein. Er sagt, der Bundesrat sei trotz bürgerlicher Dominanz  «Mitte-links» und «in den letzten Jahren» habe es «kaum seriöse bürgerliche Entscheidungen» gegeben. Auch der Eindruck, Maurer selbst sei ein Quoten-SVPler und der einsame Rufer sei «nicht ganz falsch».

Woher er jeden Morgen die Kraft nehme, aufzustehen und gegen eine Wand anzurennen, wollten dei Interviewer Roger Köppel, Philipp Gut und Florian Schwab wissen.

Maurer antwortet: «Die Frage muss sich die SVP stellen: Ist sie bereit für die Opposition? Ich glaube nicht. Also muss man die Runde durchturnen bis 2015 und dann weitersehen.»

Dicke Post also. Aber wie konnte es soweit kommen, immerhin ist Ueli Maurer ein Medienprofi und mit seinem Stab auch von solchen umgeben?

Nicht genannte Quellen verweisen darauf, dass Maurer anscheinend das Interview unter grossem Zeitdruck gegengelesen und freigegeben habe.

Später habe er es sich jedoch anders überlegt. Dann sei es jedoch schon zu spät gewesen und die «Weltwoche»-Ausgabe bereits in der Druckerpresse.