Lebensmittel aus Japan

Zöllner prüfen japanische Fracht auf Radioaktivität

In Kloten wird die Fracht aus Japan kontrolliert

In Kloten wird die Fracht aus Japan kontrolliert

Bei Proben werden auf dem Flughafen Zürich die Lebensmittel aus Japan kontrolliert. Bislang sei die Ware «unbedenklich». Die Reportage.

Blinkende Lichter auf dem Rollfeld am Zürcher Flughafen: Der Flieger aus Japan ist soeben gelandet. Gleichzeitig wie die Passagiere werden aus dem Bauch des Flugzeugs auch die Waren und Lebensmittel ausgeladen und in die Frachthalle West transportiert.

Japanische Frischwaren gelangen praktisch alle über diesen Weg in die Schweiz. Es riecht nach frischem Fisch, Mangos und fremdländischen Gewürzen. Viele der gestapelten Kisten sind mit asiatischen Zeichen angeschrieben. Trotz der Katastrophe: «Bis jetzt erhalten wir gleich viele Waren aus Japan wie bisher», sagt Karl Fässler, Abteilungsleiter Fracht bei der eidgenössischen Zollverwaltung.

Radioaktive Ladungen «alltäglich»

Obwohl die Zöllner noch keine explizite Weisung vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) erhalten haben, dass Nahrungsmittel aus Japan speziell kontrolliert werden sollen, richten sie ein besonderes Augenmerk auf die Fracht aus dem verseuchten Krisengebiet: Die Beamten patrouillieren mit Strahlenmessgeräten durch die Frachthalle.

Ihre Geräte reagieren schon bei kleinsten Mengen von radioaktiven Strahlen. Ein lautes Piepsen schlägt Alarm, Zöllner Hasler liest den Messwert ab. «Unbedenklich», meint er. Denn: Radioaktive Ladungen, wie sie beispielsweise Spitäler benötigen, sind als Fracht alltäglich.

Im Kühlraum kontrolliert der Grenztierarzt Carlo Zandra den importierten Fisch, das Fleisch und die lebendigen Tiere. «Aus Japan werden hauptsächlich Thunfisch und Zierfische geliefert», sagt Zandra. Auch hier messen die Zollbeamten die Strahlungswerte.

Werden die Grenzwerte überschritten, schlagen sie Alarm: Alles wird abgesperrt, die Feuerwehr und die Polizei rücken in Schutzanzügen aus. «Dann werden die Lebensmittel in ein kantonales Labor zur Untersuchung gebracht», erklärt Zöllner Fässler. Der Zoll selber hat bisher aber keine Schutzanzüge oder Masken für die Mitarbeitenden bereit.

«Profiteure, die Kirsen in einem Land ausnutzen»

Verschlechtert sich die Lage beim Atomkraftwerk in Fukushima weiter, kommt auf die Beamten viel Arbeit zu. Sie müssten dann sämtliche Waren aus Japan separat untersuchen, Stichproben wie bisher genügten nicht mehr. Mit der Fracht wird auch die Post aus Japan geliefert, die bisher nicht auf Strahlung untersucht wird. Gilt es ernst, müssten die Zöllner auch die Postsäcke auf Strahlung prüfen. Dies bestätigt eine Sprecherin der Post. Trotzdem: «Wenn die Weisung vom BAG kommt, sind wir in 15 Minuten organisiert», sagt Fässler.

Dass trotz der Kontrollen kontaminierte Ware ins Land gelangt, ist dennoch nicht ganz auszuschliessen. Gerade bei Lieferungen aus dem asiatischen Raum wird beispielsweise auch häufig Fleisch unter dem Gemüse versteckt.

Doch zentral ist: Kontrolliert wird primär das deklarierte Ursprungsland. Längst nicht alle Produkte werden aber in dem Land angebaut und verpackt, aus dem sie geliefert werden. «Die hundertprozentige Sicherheit, dass wir alle Lebensmittel kontrollieren, gibt es also auch mit einer Weisung des BAG nicht.»

Und: «Es gibt immer Profiteure, die Krisen in einem Land ausnutzen», weiss Fässler. Drei Stunden nach der Landung sind die Kisten in Camions verladen und bereit zur Auslieferung. Doch der nächste Flieger aus Japan landet bald.

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