Bau- und Zonenordnung Hausen

Zielkonflikte mit den Grundeigentümern sind programmiert

Gemeindepräsident René Hess, stehend, und Planer Peter von Känel erläutern die Revision der Hausemer Bau- und Zonenordnung. (Bild Martin Platter)

Zielkonflikte mit den Grundeigentümern sind programmiert

Gemeindepräsident René Hess, stehend, und Planer Peter von Känel erläutern die Revision der Hausemer Bau- und Zonenordnung. (Bild Martin Platter)

Bereits die Orientierungsversammlung zur Revision der laufenden Bau- und Zonenordnung in Hausen hat am Mittwochabend gezeigt, dass Zielkonflikte zwischen übergeordnetem Recht und Grundeigentümern unvermeidlich sind. Trotzdem will der Gemeinderat vorwärtsmachen.

Von Martin Platter

Die Revision des Gestaltungsplans für den «Rosrain» in Heisch sei der «Vorlauf» gewesen, sagte der Hausemer Hochbauvorstand Hans Binzegger in seiner Einleitung. Nun sei man an der gesamten Revision der Bau- und Zonenordnung, BZO, die bis Mitte 2012 abgeschlossen sein soll. Ein komplexer Ablauf, gilt es doch übergeordnetem Recht (Bund, Kanton, Region), den Interessen der Allgemeinheit und der Haus- und Landbesitzer bezüglich Verkehrs-, Gewerbe- und Siedlungsentwicklung Rechnung zu tragen. Da der Kanton derzeit ebenfalls an der Revision seiner Richtpläne sei, wolle man der Dinge nicht einfach harren und zum Befehlsempfänger werden, sondern selber mitgestalten und sich aktiv in den übergeordneten Entscheidungsprozess einbringen, kommentierte Gemeindepräsident René Hess. Die Raumplanung ist ein probates Mittel, um die in Leitbildern stipulierten Absichten zu steuern.


Moderates
Bevölkerungswachstum

Mit den am Mittwochabend vorgelegten Plänen beabsichtigt der Gemeinderat ein moderates Bevölkerungswachstum, das pro Jahr rund ein Prozent betragen soll. Zeithorizont dieser Annahme sind die kommenden 15 Jahre. Der Umriss des Siedlungsgebietes soll sich in diesem Zeitraum nicht markant ändern. Den bestehenden Siedlungsraum verdichten und die Bausubstanz energetisch optimieren ist auch der Hau-
semer Gemeindebehörde oberste Direktive. Gemäss Raum- und Gemeindeplaner Peter von Känel sind die bestehenden Bauten bisher nur gut bis zur Hälfte der gesetzlich möglichen Nutzung ausgebaut. In Zahlen ausgedrückt heisst das: Hausen verfügt über Baureserven für etwa 1000 zusätzliche Einwohner und 150 Arbeitsplätze. Allerdings befindet sich die Reserve nicht in grossen, zusammenhängenden Zonen, sondern in kleinen Parzellen, was die Sache nicht einfacher mache.


Rauchmatt und Nachtweid mit Schlüsselrolle
Die letzten grossen Bauparzellen, die die Gemeinde umzuzonen gedenkt, lösten denn auch zahlreiche Wortmeldungen aus. Es geht um die Gebiete Rauchmatt und Nachtweid, denen beide auch eine Schlüsselrolle bezüglich Ortsbild zukommt. Die Rauchmatt befindet sich an der Rifferswilerstrasse dorfeingangs auf der rechten Seite; die Nachtweid an der Zugerstrasse beim Dorfeingang links.


Zonen möglichst nicht mischen
Für die Rauchmatt besteht bereits ein Projekt zur Überbauung (rauchmatt-hausen.ch). Gemeinderat, Gewerbeverein und der Grundeigentümer möchten auf Kosten des Gewerbeanteils, der derzeit zwei Drittel des Bauvolumens betragen müsste, auf einen Drittel zurückstufen und stattdessen mehr Wohnraum schaffen. Rolf Rüegg, Präsident des Oberämtler Gewerbevereins, bezeichnete es als «Schnee von gestern, dass der Handwerker heute noch über seiner Werkstatt wohnt». Gemischte Gewerbe- und Wohnzonen seien heute wegen Lärm- und Geruchsemissionen eher problembelastet, führte Rüegg aus. Stattdessen strebt er im Namen des Gewerbeverbandes an, dass die Gemeinde im Gegenzug eine reine Gewerbezone auf der Nachtweid ausscheide. Auf der rund 30000 Quadratmeter grossen Wiese zwischen Wald und Dorf soll ein Drittel eingezont werden. Weiteres Ziel des Vorhabens ist die bessere verkehrstechnische Erschliessung der Seidenweberei Weisbrod-Zürrer und sogar ein neues Regiegebäude für die Gemeinde war kurze Zeit auf der Präsentationsleinwand sichtbar.
Das wiederum beliebt dem Landbesitzer der Nachtweid nicht, weil er mit Industriebauten den beschaulichen Dorfeingang «bedroht» sieht. Das letzte Wort ist in dieser Sache also noch nicht gesprochen. Die Einwohner sind nun aufgefordert, ihre Anliegen und Ideen aktiv einzubringen. Auf der Homepage der Gemeinde Hausen (hausen.ch) kann die Präsentation, die am Mittwochabend im Gemeindesaal gezeigt wurde, heruntergeladen werden.
Die Bevölkerung kann sich mittels Fragebogen schriftlich bis Ende Mai vernehmen lassen. Weitere Orientierungsversammlungen zu den Ergebnissen sind geplant. Über die definitive BZO wird - nach Einsprache- und Auflagefristen für die Bevölkerung und nachdem der Regierungsrat seinen Segen erteilt hat - wieder der Souverän anlässlich einer Gemeindeversammlung abstimmen.

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