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«Ziehe den Schwanz nicht ein»: Das sagt der SVP-Mann, der sich mit Blocher anlegt

Rico Käser präsidiert die SVP Kloten, die vergangenes Wochenende 3 ihrer 13 Sitze verloren hat.

Rico Käser präsidiert die SVP Kloten, die vergangenes Wochenende 3 ihrer 13 Sitze verloren hat.

Der Chef der SVP Kloten fordert, Christoph Blocher müsse endgültig zurücktreten und aufhören, im Hintergrund die Fäden zu ziehen. Im Interview erklärt Rico Käser seine Beweggründe.

Herr Käser, Sie lehnen sich ja mächtig weit aus dem Fenster. In der SonntagsZeitung kritisieren Sie Christoph Blochers Kurs unverhohlen und fordern ihn zum «endgültigen» Rücktritt auf. Hat Blocher schon angerufen, um Ihnen die Meinung zu geigen?

Rico Käser: Nein, noch nicht. Weder um mir die Meinung zu geigen, noch um mir einen Platz im Nationalrat anzubieten (lacht). Bis jetzt habe ich ausschliesslich positive Reaktionen aus der SVP erhalten. Viele sind froh, dass sich endlich mal einer getraut, den Mund aufzumachen.

Es ist tatsächlich ungewöhnlich, dass sich jemand aus der SVP so offen mit Blocher anlegt. Wie kommen Sie dazu?

Die SVP-Sektionen, die am letzten Wochenende verloren hatten, bekamen ziemlich auf den Deckel von Christoph Blocher und Albert Rösti. Auch wir von der SVP Kloten. Ich finde diese Kritik nicht gerechtfertigt, denn wir haben wirklich «gchrampfet» im Wahlkampf. Und wir hatten gute Kandidaten am Start. Ich finde, nach all der Kritik von oben darf es auch einmal ein Feedback in die andere Richtung geben. Auch wenn das offenbar einem Tabubruch gleichkommt.

Und jetzt? Planen Sie eine Palastrevolution – nach all dem Zuspruch, den Sie heute erfahren haben?

Es ist sicher gut, wenn in der Parteispitze jetzt ein paar Leute aufwachen. Und natürlich werde ich mich mit den Leuten in der Partei austauschen, die gleich denken wie ich. Aber ich plane sicherlich keine Revolution.

Sie kritisieren, dass sich die Parteileitung um Blocher seit Jahren auf dieselben Themen fokussiert. Worum müsste sich eine moderne SVP aus Ihrer Sicht kümmern?

Ich kann jetzt nicht einfach eine Agenda aus dem Ärmel schütteln. Schliesslich beschäftigen wir uns auf Gemeindeebene mit anderen Themen als unsere Parteikollegen im Bundeshaus. Aber ich glaube, man muss sich wieder mehr fragen, wo den Leuten wirklich der Schuh drückt. Manchmal habe ich den Eindruck, dass das Gespür dafür etwas verloren gegangen ist.

Stichwort No Billag: Obwohl die Partei klar die Ja-Parole beschlossen hatte, stimmte am Ende laut Nachbefragungen rund die Hälfte der Basis dagegen. Sprechen Sie von Beispielen wie diesem?

Nein, nein, überhaupt nicht. Ich habe mich selber auch für die Initiative stark gemacht. Und auch im EU-Dossier, in der Ausländer- und der Wirtschaftspolitik bin ich voll auf der Linie der Partei. Mir geht es eher darum, wie man in der Partei miteinander umgeht und ob man bereit ist, auch einmal neue Ideen zuzulassen. Denn in unserer Lokalsektion sehe ich, dass es viele junge Leute gibt, die nur so strotzen vor Ideen.

Dass Magdalena Martullo-Blocher den Platz ihres Vaters in der Parteileitung geerbt hat, kam laut dem Illnauer SVP-Chef Ueli Kuhn schlecht an in der Basis. Stimmen Sie ihm zu?

Als Tochter von Christoph Blocher war es für Magdalena Martullo sicher einfacher als für andere, in der SVP aufzusteigen. Aber ich lasse mich gern überraschen. Vielleicht bringt sie ja den frischen Wind in die Partei, von dem ich gesprochen habe. Ich weiss auch nicht, ob es in anderen Parteien so viel anders läuft, wenn sich der Chef aus dem Vorstand zurückzieht.

Wie zufrieden sind Sie mit Albert Rösti, der die SVP Schweiz seit zwei Jahren führt?

Er macht es im Grossen und Ganzen gut. Aber nach einem Toni Brunner ist es halt schwierig, sich zu behaupten. Die beiden sind ganz unterschiedliche Typen. Und wie bereits gesagt, fand ich es nicht richtig, wie Rösti nach dem letzten Wahlwochenende die Lokalsektionen abgekanzelt hat.

Fakt ist nun einmal: Die SVP hat in verschiedenen Gemeinden im grossen Stil verloren. Woran liegt’s, wenn nicht an Ihrem Wahlkampf oder Ihren Kandidaten?

In Kloten hat die Gemeinde einen gesunden Finanzhaushalt, wir haben wenig Probleme. Die politische Grosswetterlage hat sich nicht zu unseren Gunsten entwickelt, viele Wähler denken gerade an die Umwelt und wählen deshalb Rot-Grün. Ich glaube, man muss das gelassen nehmen. In vier Jahren kann es wieder ganz anders aussehen. Entscheidend ist beispielsweise, wie sich die Wirtschaft bis dahin entwickelt.

Sie wirken äusserst entspannt. Haben Sie keine Angst, dass Sie für Ihr Vorpreschen parteiintern abgestraft werden?

Nein. Und wenn, kann ich damit leben. Es ist nicht meine Art, wie ein geschlagener Hund den Schwanz einzuziehen. Im Mai haben wir Generalversammlung. Falls meine Partei nicht zufrieden mit mir ist, kann sie mich abwählen. Ich schaue dem Datum aber sehr gelassen entgegen.

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