Zertifikatspflicht
Gastrosuisse-Präsident tobt: «Wirte sind keine Polizisten» – «Warum müssen ausgerechnet wir den Kopf hinhalten?»

Die Pläne des Bundesrats, eine Zertifikatspflicht für Restaurants einzuführen, sorgt bei den Beizern für Empörung. Gastrosuisse-Präsident wirft der Regierung vor, zu bequem zu sein.

Nina Fargahi
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Nach dem Bundesrat tritt auch Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer vor die Medien in Bern.

Nach dem Bundesrat tritt auch Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer vor die Medien in Bern.

Keystone

Herr Platzer, die Zertifikatspflicht könnte auf die Gastrobranche ausgeweitet werden. Was sagen Sie dazu?

Diese Massnahme wird kaum eine Wirkung zeigen auf die Fallzahlen, aber für die Bevölkerung massive Einschränkungen haben und zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft führen. Der Bundesrat spaltet mit seiner Strategie die Bevölkerung und nimmt grosse gesellschaftliche Brüche in Kauf. Niemand der Ungeimpften wird nun zum Pieks schreiten, weil er einen Kaffi im Restaurant trinken möchte. Diese Leute werden sich einfach in privaten Räumen treffen.

Die Hospitalisierungen steigen, die vierte Welle ist da. Die Lage ist ernst, was soll der Bundesrat sonst machen?

Das ist die Sache von Bund und Kantonen, sie müssen ihre Impfkampagnen vorantreiben, niederschwellige Angebote bereitstellen, durchs Land ziehen und die Leute aufklären, sie miteinbeziehen und Überzeugungsarbeit leisten. Es ist ihre Aufgabe und Verantwortung, sich etwas einfallen zu lassen. Ich habe den Eindruck, dass der Bundesrat die Gastrobranche missbraucht, um einen Impfzwang durch die Hintertüre einzuführen.

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Sie könnten auch anders denken und sagen, die Gastrobranche übernimmt eine gesellschaftliche Verantwortung, um aus dieser Pandemie herauszufinden?

Wir möchten diese Krise auch hinter uns bringen, aber wieso müssen ausgerechnet die Wirte den Kopf hinhalten? Wir haben unsere Opfer gebracht im letzten Shutdown, noch immer nehmen die Restaurants Einbussen in Kauf, weil sie zum Beispiel wegen den Abstandsregeln viel weniger Kundschaft bedienen. Das geht gerne vergessen.

Ist es denn zu viel verlangt, von Restaurantbesuchern ein Zertifikat zu verlangen?

Wirte sind keine Polizisten. Und die Gastrobranche kann man auch nicht mit einem Festival vergleichen, wo es ohnehin Eintrittskontrollen gibt. Bundesrat Berset vergleicht hier Dinge, die man nicht vergleichen kann. Manche Restaurants haben drei Türen, wo die Leute einfach rein- und rauslaufen. Soll da jedes Mal jemand hinstehen und den QR-Code ablesen und mit einer ID abgleichen? Sollen die Wirte Kontrollen durchführen und Bussen verteilen? Das geht nicht.

Ein Lockdown als Alternative wäre aber schlimmer, oder?

Eine Zertifikatspflicht kommt für uns einer Teilschliessung gleich. Ein grosser Teil unserer Kundschaft ist noch nicht geimpft. Natürlich wehren wir uns dagegen. Die Regierung macht es sich zu einfach.

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