«Zeit der Dorfkönige ist vorbei»

Bei der Gesamtrevision Nutzungsplanung hat Hans Rudolf Würgler tatkräftig mitgearbeitet. Bei der Umsetzung im nächsten Jahr ist er nicht mehr dabei. (Bild: Nadia Rambaldi)

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Bei der Gesamtrevision Nutzungsplanung hat Hans Rudolf Würgler tatkräftig mitgearbeitet. Bei der Umsetzung im nächsten Jahr ist er nicht mehr dabei. (Bild: Nadia Rambaldi)

Hans Rudolf Würgler, SVP, amtet in Schmiedrued seit 12 Jahren als Gemeindeammann. An der Gemeindeversammlung wurden seine Arbeit und sein Engagement für die Gemeinde gewürdigt.

Nadia Rambaldi

Mit der Verteilung von 50-Franken-Gutscheinen hat Schmiedrued dieses Jahr schweizweit Schlagzeilen gemacht. Sogar ein Korrespondent des italienischen Radiosenders RAI hat bei Hans Rudolf Würgler um ein Interview gebeten. «Aufgrund mei-ner mangelhaften italienischen Sprachkenntnisse musste ich leider absagen», erklärt Würgler lächelnd. Von der «Schweizer Illustrierten» bekam der Gemeindeammann für die Tat die «Rose der Woche» zugeschickt.

Lebenswerte Gemeinde

1993 wurde Hans Rudolf Würgler als Vizeammann, vier Jahre später als Gemeindeammann gewählt. Würgler ist in Schmiedrued aufgewachsen und blieb der Gemeinde, bis auf einige Jahre, die er in Oberentfelden lebte, treu.

1988 zog er in das Haus seiner Eltern. Schmiedrued sei eine lebenswerte ländliche Gemeinde, die dank den zahlreichen Vereinen ein reichhaltiges kulturelles Angebot biete. «Die Schmiedrueder haben eine gesunde Einstellung, deshalb kann man hier oben auch so gut politisieren», ist Würgler überzeugt.

Als Erfolg erwähnt der Gemeindeammann den Bau des Sportplatzes im Jahr 2002 und die Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit: «Schlossrued ist unser wichtigster Partner, wir stehen aber auch mit den Luzerner Gemeinden in gutem Kontakt, das war früher anders», erklärt Würgler. Nun denke man auch auf der Ebene der kommunalen Politik über die Grenzen hinaus. Sein Traum von einer Postautolinie, die über die Kantonsgrenzen hinaus verläuft, blieb aber während seiner Amtszeit unerfüllt.

Ein anderes wichtiges Anliegen konnte er zumindest strategisch mitgestalten: «Die Gesamtrevision Nutzungsplanung Siedlung und Kulturland ist mein letztes grosses Projekt für die Gemeinde Schmiedrued», sagt Würgler. «Bei der operativen Ausführung der Planung werde ich leider nicht mehr beteiligt sein.»

Neben seinem Amt als Gemeindeammann hat Hans Rudolf Würgler noch andere repräsentative Verpflichtungen. Er ist Vizepräsident des Sozialdienstes Bezirk Kulm, gibt das Amt aber im Frühling ab. Weiter ist er im Vorstand des Alterszentrums Schöftland und wird nach bewilligter Rechtsformänderung Mitglied des Verwaltungsrats. 1996 hat er zusammen mit anderen Schmiedruedern die Naturschutzkommission gegründet und wird sich auch zukünftig dem Naturschutz widmen.

Würgler arbeitet in Wohlen für eine Metallverarbeitungsfirma. «Nach Feierabend kümmerte ich mich jeweils um die Gemeindegeschäfte», erklärt der diplomierte Verkaufsleiter. Er freue sich, im nächsten Jahr etwas mehr Zeit für sich, sein Hobby, das Töfffahren, sowie für sein Haus zu haben. «Es waren zwölf sehr intensive Jahre und ich möchte keinen Tag missen», betont er.

Die Zeit als Gemeindeammann habe ihn reifer gemacht und ihn persönlich weitergebracht. «Es war spannend, die Mechanik der Politik mit den Jahren immer besser zu spüren», erzählt Würgler. Verlorene Abstimmungen habe er früher als Niederlagen gesehen, heute sehe er sie als neue Chancen. Ei-nes habe er während seiner Zeit als Gemeindeammann gelernt: «Der Chef ist nicht der Ammann, sondern das Volk», erklärt er lächelnd.

Auch habe sich die Bevölkerung verändert; sie sei kritischer geworden und informiere sich besser als früher. «Nur weil der Gemeindeammann etwas sagt, heisst das noch lange nicht, dass es stimmt», so Würgler. «Die Zeit der Dorfkönige ist definitiv vorbei.»

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