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Zehntausend gehen in Dresden gegen Rechtsextreme auf die Strasse

Demonstration gegen Rechtsextreme in Dresden: Polizisten greifen ein

Demonstration gegen Rechtsextreme in Dresden: Polizisten greifen ein

Am 65. Jahrestag der Zerstörung Dresdens haben mehr als 10'000 Menschen in der Stadt gegen Rechtsextremismus demonstriert. Die Teilnehmer bildeten einen Ring um die Innenstadt, um gegen den Aufmarsch von rund 5000 Neonazis und Rechtsextremen zu protestieren.

Linke Gegendemonstranten blockierten über Stunden den Zugang zur vorgesehenen Demonstrationsstrecke und machten es damit unmöglich, dass die Rechtsextremen aus dem In- und Ausland durch die Stadt ziehen konnten. Dresden habe den angereisten Neonazis klar die Stirn geboten, sagte der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU). Es kam zu vereinzelten Auseinandersetzungen.

Grössere Zusammenstösse zwischen Linken und Rechten blieben bis zum frühen Abend aus. Bei Auseinandersetzungen in der Neustadt wurden auch Polizisten angegriffen und mit Feuerwerkskörpern oder Flaschen beworfen. Ein Wasserwerfer kam zum Einsatz. Beamte lösten eine Sitzblockade der Antifa-Anhängern auf, indem sie die linken Demonstranten von der Strasse zerrten.

Über Festnahmen oder Verletzte machten die Behörden keine Angaben. Die Zufahrten zur Stadt waren scharf kontrolliert worden. Die Polizei war mit einem Grossaufgebot von mehr als 5000 Beamten aus mehreren Bundesländern im Einsatz.

Die rechtsextreme Szene mobilisiert seit Jahren europaweit zu Kundgebungen in Dresden und hat die Bombardierung der Stadt durch britische und amerikanische Flugzeuge im Zweiten Weltkrieg mit dem Holocaust verglichen.

In der sächsischen Landeshauptstadt Dresden ist das Gedenken an die Bombardierungen seit vielen Jahren umstritten. Bürgerinitiativen warfen der Stadt vor, die Opferrolle Dresdens zu sehr hervorzuheben. Die Vorgeschichte des von Deutschland ausgegangenen Weltkriegs werde dagegen zu wenig betont.

Bei den Angriffen der alliierten Bomber wenige Monate vor Ende des Zweiten Weltkriegs starben in der mit Flüchtlingen überfüllten Stadt bis zu 25'000 Menschen im Bombenhagel. Die barocke Innenstadt, ein architektonisches Juwel, versank in Schutt und Asche.

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