Orkantief

Zahlreiche Schweizer Bahnen stellen wegen «Friederike» Betrieb ein

«Unwetter» steht am 18.01.2018 am Bahnhof auf dem Feldberg im Schwarzwald (Baden-Württemberg) auf einer Hinweistafel. Vom Unwetter sind auch Schweizer Bahnbetriebe betroffen.

«Unwetter» steht am 18.01.2018 am Bahnhof auf dem Feldberg im Schwarzwald (Baden-Württemberg) auf einer Hinweistafel. Vom Unwetter sind auch Schweizer Bahnbetriebe betroffen.

Ausläufer des Sturmtiefs «Friederike» haben in der Schweiz am Donnerstag zu Betriebseinstellungen bei Bahnen geführt. Besonders heikel war die Lawinengefahr, die im ganzen Wallis die zweithöchste Gefahrenstufe erreicht hat.

Betroffen von Friederikes Ausläufern waren am Donnerstag unter anderem erneut die Jungfraujochbahn im Berner Oberland und die Pilatusbahnen im Kanton Luzern, wie der SBB-Bahnverkehrsinformation Railinfo zu entnehmen war. Ausserdem musste der Betrieb der Luftseilbahn zwischen Beatenberg und Niederhorn im Kanton Bern eingestellt werden.

Auf der Bahnstrecke Schaffhausen-Singen blockierte ein umgestürzter Baum die Verbindung. Und auch zwischen Chur und Arosa führte am Nachmittag ein umgestürzter Baum zu einem Unterbruch.

Wegen starker Winde unterbrochen waren ausserdem die Linie Gossau SG-Wasserauen und der Schiffsbetrieb auf dem Genfersee zwischen Lausanne-Ouchy VD und dem französischen Thonon-les-Bains. Die Strecke Andermatt-Disentis/Muster (UR/GR) blieb wegen Lawinengefahr gesperrt.

Stürme: eine ungewöhnliche, aber nicht aussergewöhnliche Situation

Stürme: eine ungewöhnliche, aber nicht aussergewöhnliche Situation

Die meteorologische Situation, in der sich die Schweiz seit einem Monat befindet, ist abnormal, aber gemäss Schweizer Wetterexperten nicht ungewöhnlich. Es ist bereits der vierte grosse Sturm in diesem Winter, der dieser Tage über die Schweiz und Europa hereinbricht. Und ein fünter ist fürs nächste Wochenende bereits absehbar. Die Situation dürfte sich indes ab Ende Januar wieder normalisieren. Interview mit dem Meteorologen André-Charles Letestu von Meteo Schweiz.

Auch die Verbindungen zwischen Aigle und Leysin VD und zwischen Aigle und Les Diablerets in der Waadt waren wegen des Sturms unterbrochen. Eine Störung zwischen Visp und Täsch VS konnte bis am Mittag behoben werden.

Weiterhin nur beschränkt befahrbar war die Bahnstrecke Oensingen-Oberbuchsiten auf der Linie Solothurn-Olten. Sturmböen hatten am Mittwoch das Dach eines Unterstandes auf dem Gelände des Zeughauses in Oensingen auf die Bahngleise geweht. Dabei wurden ein Strommast und die Stromleitung beschädigt. Die Arbeiten an der beschädigten Fahrleitung laufen gemäss SBB auf Hochtouren.

Das Sturmtief "Evi" war am Mittwoch durch die Schweiz gefegt und hatte viele Schäden verursacht. An mehreren Orten stürzten Bäume auf Strassen und Bahngleise und brachten den Verkehr zum Erliegen.

«Friederike» stürmt durch Europa

`Friederike` stürmt durch Europa

Holland und Deutschland sind besonders betroffen. Der Sturm forderte schon mehrere Todesopfer. Der Bahnverkehr in Deutschland liegt lahm.

Orkanböen in den Bergen

Das Sturmtief "Friederike" soll gemäss den Prognosen mit dem Durchgang der Kaltfront in der Nacht auf Freitag die Schweiz noch einmal treffen. In den Bergen gab es bereits am Donnerstag Orkanböen.

Auf dem Pilatus wurden Windspitzen von 164 Kilometern pro Stunde (km/h) erreicht, auf dem Säntis 156 km/h und auf dem Jungfraujoch 153 km/h. Im Mittelland lagen die Spitzenwerte im Bereich von 60 bis 90 km/h.

Hier fegt Sturm Friederike Passanten von den Füssen

Hier fegt Sturm Friederike Passanten von den Füssen

Höchste Alarmstufe und Verkehrschaos: Sturm Friederike hat unter anderem die Niederlande mit voller Wucht getroffen. Die haarsträubenden Bilder.

"Wir erwarten ähnliche Windgeschwindigkeiten wie bei 'Evi'", sagte eine Sprecherin von MeteoSchweiz auf Anfrage. Bis Freitagnachmittag gelte deshalb noch die dritthöchste Windwarnstufe. Ausserdem seien Neuschneemengen von 20 bis 50 Zentimetern möglich.

Lawinengefahr ist gross

Das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in Davos warnte am Donnerstag vor grosser Lawinengefahr in Teilen der Alpen. Diese zweithöchste Warnstufe galt für das ganze Wallis und bedeutet, dass sich auch grosse Lawinen spontan ohne menschliches Zutun lösen können. Dadurch könnten auch exponierte Verkehrswege gefährdet sein.

In früheren Wintern war die Lawinensituation im Wallis letztmals im Januar vor zwei Jahren oder im April 2013 so kritisch. Aber nicht nur im Wallis ist die Schnee- und Lawinensituation ausserordentlich. In der Zentralschweiz und in Graubünden herrscht laut dem Lawineninstitut ebenfalls gebietsweise grosse Lawinengefahr.

Für Schneesport abseits geöffneter Pisten bleibt die Situation laut dem SLF in den nächsten Tagen anhaltend heikel. Allerdings lassen Wind und Niederschläge etwas nach, wodurch die Gefahr spontaner Lawinenauslösungen etwas abnimmt. Ab Samstagabend sind dann aber wieder viel Neuschnee und starker Wind angekündigt. Damit wird die Lawinengefahr erneut ansteigen.

Vor Ort beurteilen die lokalen Sicherheitsdienste die Situation laufend und informieren laut SLF über allfällige Massnahmen wie zum Beispiel Strassen- oder Pistensperrungen. Deshalb sollten deren Anweisungen und Massnahmen unbedingt beachtet werden.

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