Panzerunfall in Bure
Zahl der Verletzten steigt - jetzt sind es 21 und nicht 16 Rekruten

Bisher war von 16 Verletzten die Rede. Nun korrigiert die Armee diese Zahl. Beim Panzerunfall verletzten sich 21 Rekruten. Der Militärexperte Bruno Lezzi spricht über die Gründe, welche zum tragischen Panzerunfall in Bure geführt haben könnten.

Sarah Weber
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Panzerunfall auf dem Waffenplatz Bure
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Panzerunfall auf dem Waffenplatz Bure
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Panzerunfall auf dem Waffenplatz Bure
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Panzerunfall auf dem Waffenplatz Bure
Panzerunfall auf dem Waffenplatz Bure
Panzerunfall auf dem Waffenplatz Bure
Panzerunfall auf dem Waffenplatz Bure

Panzerunfall auf dem Waffenplatz Bure

Keystone

Armee korrigiert Zahl der Verletzten

Am Dienstag war noch von 16 Verletzten die Rede gewesen, tatsächlich sind es nun aber 21. Dies berichtet die Nachrichtenagentur SDA. Drei Rekruten gelten laut Daniel Reist, Chef Kommunikation Heer, als schwer verletzt. Sie seien aber nicht in Lebensgefahr, ihr Zustand sei stabil. Welche Art von Verletzungen die Opfer erlitten haben, gab der Sprecher nicht bekannt, ebenso wenig, woher sie stammen.

An Bord der vier verunfallten Piranha-Schützenpanzern waren insgesamt 40 Rekruten gewesen. Der Auffahrunfall ereignete sich bei einer Verschiebung in der Verbandsausbildung.

Es sei zu früh, um etwas über die Unfallursache sagen zu können, sagte Silvia Schenker, Sprecherin der Militärjustiz, auf Anfrage. Die Militärpolizei habe mit der Einvernahme der in den Unfall verwickelten Männer begonnen. Die Radschützenpanzer wurden für die Untersuchung sichergestellt. Diese könnte gemäss Schenker mehrere Monate in Anspruch nehmen.

Unerfahren waren die Rekruten nicht: Gemäss Reist befanden sie sich in der 19 Ausbildungswoche, in 2 Wochen sind sie fertig ausgebildet. Für die bis zu 14 Tonnen schweren Schützenpanzer gelten die gleichen Regeln wie im Strassenverkehr. Zudem gilt eine Helmtrage-Pflicht. Gurtentragen dagegen ist bei einem Einsatz auf einem Militärgelände nicht Pflicht. (dno/sda)

Bruno Lezzi: Momentan ist der Untersuchungsrichter am Werk, da kann ich nur spekulieren. Wahrscheinlich sind die Soldaten zu nah aufeinander aufgefahren, waren unaufmerksam und konnten nicht mehr bremsen. Möglich ist auch, dass sie übermüdet waren und deshalb nicht aufgepasst haben. Bei grösseren Übungen kann das schon vorkommen, dass auch die Ruhezeiten nicht immer ganz genau eingehalten werden.

Das wäre dann ein Regelverstoss?

Ja, aber es wird sich zeigen, ob im Fall von Bure ein Disziplinarverstoss vorliegt oder ob es einfach eine Unaufmerksamkeit ist. Grundsätzlich ist die Unfallgefahr im Militär aber nicht grösser als im zivilen Leben. Und dieser Unfall ist nicht vergleichbar mit beispielsweise dem Lawinenunglück, das war etwas anderes. Aber man kann natürlich schon mutmassen, dass der Unterhalt der Fahrzeuge in der Armee auch nicht mehr immer so ist, wie er sein sollte. Aber das trifft eher auf Truppen im Wiederholungskurs als auf Rekrutenschulen zu.

Beobachten Sie noch andere Veränderungen?

Die Armee verändert sich wie sich die Gesellschaft verändert. Die Fahrdisziplin bei jungen Männern hat sich sicher nicht verbessert und das spürt man auch im Motorfahrbereich bei der Armee. Da muss Disziplin durchgesetzt und die jungen Männer überwacht werden. Ich glaube nicht, dass die Fahrschule der Armee schlechter ist. Aber die Soldaten haben heute ein lockereres Verhältnis gegenüber Autoritäten und Motorfahrzeugen. Dem muss man entgegenwirken.

Warum?

Weil die Armee die Verantwortung für die Leute und das Material trägt. Und ich bin auch schon in solchen Schützenpanzern gesessen: Solche Maschinen verleiten halt schon auch zu einer etwas aggressiveren Fahrweise.

Bruno Lezzi

Der Militärexperte Bruno Lezzi betreute 25 Jahre lang die Gebiete Sicherheits- und Verteidigungspolitik bei der NZZ. In der Armee war er Generalstabsoberst.