Amoklauf in Menznau
Wurde Amokläufer Viktor B. von einem Angestellten erschossen?

Langsam sickert durch, wie der Amokläufer von Menznau, Viktor B., ums Leben kam. Zwei Angestellte sollen ihn überwältigt haben. Anschliessend hat ihn einer der beiden mit der Waffe, mit der Viktor B. zuvor um sich geschossen hat, getötet.

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Familienvater Viktor B. tötete drei Menschen und verletzte sechs weitere. Auch er selbst starb bei der Tat

Familienvater Viktor B. tötete drei Menschen und verletzte sechs weitere. Auch er selbst starb bei der Tat

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Zunächst ging man in der Öffentlichkeit davon aus, der Amokläufer habe sich nach der Tat selbst gerichtet. Doch jetzt geht die Polizei intensiv der Aussage eines Augenzeugen nach. Dieser sagt laut Sonntagsblick folgendes: Zwei Mitarbeiter sollen Viktor B. in der Kantine gestoppt und getötet haben. Einer von ihnen habe Viktor B. mit einem Stuhl niedergestreckt, wobei diesem die Pistole aus der Hand fiel. Der andere habe die Waffe aufgehoben und den Amokläufer mit einem Kopfschuss getötet.

Mit Ausschaffungsinitiative hätte Viktor B. das Land verlassen müssen

Ende November 2010 sagte das Volk Ja zur Ausschaffungsinitiative der SVP. Sie sieht die automatische Ausschaffung von Ausländern vor, die schwere Straftaten begangen haben. Für den Zürcher SVP-Nationalrat Gregor Rutz ist klar. «Wäre unsere Initiative schon damals in Kraft gewesen, hätte der Amokläufer von Menznau als Ausländer nach seiner Tat 1995 ausgewiesen werden müssen», sagt er im «Sonntagsblick». Im Oktober 1995 knackte Viktor B. in Luzern eine Münztelefonkabine.

Am gleichen Abend gegen Mitternacht entriss er einer Frau die Handtasche. Sie stürzte zu Boden. Dafür kassierte er 1998 zwölf Monate Gefängnis bedingt wegen Raub. «Nach dieser Verurteilung hätte er gemäss unserem Initiativtext das Land automatisch verlassen müssen», sagt Rutz. Und der Jurist weiter: «Der Fall Menznau macht mich sehr betroffen. Genau damit Ausländer mit krimineller Energie wie Viktor B. ausgewiesen werden können, haben wir im Juli 2007 das Anliegen lanciert. Jetzt ist es in diesem Fall leider zu spät - die Konsequenzen katastrophal».

Die Untersuchungsbehörden kommentieren diese Aussagen zurzeit nicht. Fakt ist aber: Stünde ein Selbstmord zweifelsfrei fest, hätte die Polizei diesen schon längst bestätigt. «Wir informieren erst, wenn wir alle Tatbeteiligten gehört haben», sagt Simon Kopp, Informationschef der Staatsanwaltschaft Luzern.

Einer der an der Überwältigung Beteiligten wird von einem Anwalt betreut.

Vorgesetzte im Visier

Hinweise über das Tatmotiv kommen jetzt erstmals auch von der Familie des Amok-Schützen. Viktor B. habe sich in der Firma ungerecht behandelt gefühlt und deshalb mit Vorgesetzten sprechen wollen, sagt sein Vater im Kosovo gegenüber dem «Sonntag». Die Rede ist von verletztem Stolz, der im Ehrenkodex für einen Kosovaren eine zentrale Rolle spielt. Die Opfer von Viktor B. sind denn auch mehrheitlich Vorgesetzte oder Mitarbeiter in höheren Positionen.

Gedenkgottesdienst nach dem Amoklauf von Menznau in der Kirche St. Paul und Peter in Willisau
9 Bilder
Trauergäste betreten die Kirche zum Gedenkgottesdienst in der Kirche St.Paul und Peter in Willisau
Trauer am Gedenkgottesdienst in Willisau
Auch Kronospan-CEO Mauro Capozzo betritt die Kirche
Der Luzerner Regierungsrat Stefan Roth betritt mit weiteren Trauergästen die Kirche zum Gedenkgottesdienst
Trauergäste betreten die Kirche zum Gedenkgottesdienst in der Kirche St.Paul und Peter in Willisau
Familienvater Viktor B. tötete drei Menschen und verletzte sechs weitere. Auch er selbst starb bei der Tat.
Der Tatort – Die Fabrik der Kronospan in Menznau
Ein Blick auf das Dorf Menznau

Gedenkgottesdienst nach dem Amoklauf von Menznau in der Kirche St. Paul und Peter in Willisau

Keystone

Nicht nur in der Firma gab es Probleme, sondern auch in der Ehe von Viktor B. Der Polizei ist er wegen häuslicher Gewalt bekannt. Die Polizei musst schon einmal wegen häuslicher Gewalt zu Viktor B. ausrücken. Zu einer Anzeige kam es dann aber nicht.

Leiche in Kosovo überführt

Der aus dem Kosovo stammende Viktor B. erhielt das Schweizer Bürgerrecht trotz Vorstrafe wegen eines Raubes - dank seiner Frau. Diese hatte das Schweizer Bürgerrecht 1995 in der Gemeinde Hergiswil LU erworben. 1998 beging B. seine Straftat; der Eintrag ins Strafregister wurde nach 10 Jahren gelöscht. Der Bund gewährte darauf dem inzwischen verheirateten Viktor B. die erleichterte Einbürgerung.

Während in der Schweiz zwei der Verletzten der Firma Kronospan noch mit dem Tod ringen, wurde der Leichnam von Viktor B. am Samstag in den Kosovo überführt. Bereits heute Sonntag wird er in seiner Heimatdorf Nec, nahe der albanischen Grenze, beerdigt - als Christ in einer katholischen Kirche.

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