Ruedi Burri
«Wundertüte»

Sei es auf sachlicher, politischer oder personeller Ebene: In keiner der 17 Gemeinden der Amtei Thal-Gäu waren im zu Ende gehenden Jahr so viele Verschiebungen zu verzeichnen wie in Oensingen – Überraschungen inklusive.

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Ruedi Burri

Ruedi Burri

Solothurner Zeitung

Alois Winiger

Gespannt war man darauf, ob sich die örtliche Verschiebung beziehungsweise Öffnung des Zibelimärets in Richtung Dorfmitte bewähren würde. Immerhin war der Grossanlass während mehr als 40 Jahren auf die Strecke zwischen Abzweigung Kestenholzerstrasse und Rössliplatz beschränkt. Die Neuerung scheint sich zu bewähren. Nicht freiwillig verschoben worden war das Vorhaben der Bürgergemeinde, die Strasse auf den Roggen mit einem festen Belag zu versehen. Nach mehr als 30 Jahren waren nun endlich die rechtlichen Einwände ausgeräumt. Ende September wurde auf den exponiertesten Stellen der Strasse eine Betonschicht aufgetragen. Ebenfalls nicht freiwillig mehrfach hinausgeschoben worden war die Umsetzung des Projekts für eine Anlage, die organische Abfälle verarbeitet und daraus noch Energie gewinnt. Man befürchtete, es könnten üble Gerüche entweichen. Ein neuer Unternehmer brachte die Wendung: Seit Mitte Jahr ist die Kompogasanlage in Betrieb.

Überraschende Wendungen

Während man sich auf die bisher erwähnten Ereignisse hatte einstellen können, so wurde man von anderen bisweilen total überrascht. So etwa, als der Gemeinderat am 17. März beschloss, den Leiter Verwaltung der Einwohnergemeinde Oensingen, Stefan Alois Tschümperlin, per sofort freizustellen und ihm per Ende Juni zu kündigen. Laut offizieller Begründung «aufgrund verschiedener Vorkommnisse». Nicht damit gerechnet hatte man im Weiteren, dass Tschümperlin seine massiven Vorwürfe vorab gegen den damaligen Gemeindepräsidenten Ruedi Burri öffentlich verbreiten würde. Verblüfft reagierte man in Oensingen darauf, dass Tschümperlin dann trotz allem bei den Wahlen für den Gemeinderat mitmischte und sich auch noch fürs Gemeindepräsidium bewarb. Keine vierzehn Tage später, Ende März, kam die nächste Meldung, die allerdings nicht mehr so sehr überraschte: Ruedi Burri verzichtete nach acht Jahren im Amt auf eine erneute Kandidatur als Gemeindepräsident. Er sah sich zunehmend massiven Vorwürfen ausgesetzt, die Sache mit Tschümperlin brachte dann das Fass zum Überlaufen.

Letzte Verschiebung im Dezember

Eher unerwartet kam am Sonntagabend, 8. März, der Entscheid von Urs Gunziger, der örtlichen FdP weder als Präsident noch als Parteimitglied künftig zur Verfügung zu stehen. Dies als Reaktion darauf, dass er an diesem Sonntag nicht zum Kantonsrat gewählt wurde. Sehr überrascht reagiert hat Philippe Arnet darauf, dass er in seiner Funktion als Leiter Finanzen vom Gemeinderat wegen Amtsmissbrauch angezeigt worden ist. Arnet soll eigenmächtig Anschlussgebühren reduziert haben. Weitere Informationen zur Sache waren für dieses Jahr angekündigt, jedoch verschoben worden. Der - nicht überraschend gewählte - neue Gemeindepräsident Markus Flury begründete dies damit, dass die Abklärungen mehrere Jahre und Bereiche beträfen. Und dass dabei - einer «Wundertüte» gleich - immer wieder neue Überraschungen auftauchten.

Der für dieses Jahr wohl letzte Verschiebungsakt lief in Oensingen vor drei Wochen ab: Der Steuerfuss wurde von 99 auf 107 Prozentpunkte heraufgesetzt.