Urs Byland

«Lieber pgm, nimmst Du deshalb so viel an Gewicht ab, dass Du Dein korrumpiertes ‹Müller-geschmiertes Gesicht› nicht mehr im Spiegel sehen musst?» Jetzt ist klar: Das sind nicht die Worte eines Verrückten. Geschrieben hat diese beleidigenden Sätze die Frau des Stadtpräsidenten, Barbara Banga, ehemalige SP-Kantonsrätin und engagierte Tierschützerin.

Seit einigen Wochen müssen sich Personen registrieren, die auf dem Internetportal grenchen.net Artikel und Berichte kommentieren wollen. Dadurch können anonyme Kommentare nicht mehr hinterlegt werden. Problem gelöst, könnte man meinen. Aber: «Seit einiger Zeit haben wir den Verdacht, dass sich hinter Kommentaren, die durch besonders ehrverletzende und beleidigende Äusserungen aufgefallen waren, ein und dieselbe Person befinden könnte», schreibt Paul-Georg Meister in seinem Internetportal. Er habe deswegen eine interne Untersuchung eingeleitet. Dabei konnten anhand der IP-Nummern diffamierende Kommentarschreiber ermittelt werden. Er habe nicht schlecht gestaunt, schreibt Meister weiter, als sich herausstellte, dass sich eine einzige Person hinter mindestens elf Namen verbarg. Wer diese Person mit besonders ehrverletzenden und beleidigenden Äusserungen ist, will Paul-Georg Meister nicht preisgeben. «Wenn wir diese Person wirklich anzeigen, wird der Name öffentlich. Vorher sage ich nichts.»

Ein Computer, viele Nutzer?

Braucht er auch nicht. Dieser Zeitung liegt ein Auszug des Suchergebnisses einer bestimmten IP-Nummer vor. Unter dieser Nummer meldete sich Ende 2008 und Anfang 2009 Barbara Banga mit Kommentaren zum Weihnachtsmarkt oder zu einem Tierschutzfall. Dabei gab sie korrekt ihren richtigen Namen und ihre richtige E-Mail-Adresse an. Vom Computer mit derselben IP-Nummer meldeten sich aber auch Benutzer mit ganz unterschiedlichen Nicknames und E-Mail-Adressen.

Wer hat vom gleichen Computer wie Barbara Banga spätnachts beleidigende Kommentare auf grenchen.net platziert? Laut Auszug ist der Besitzer des Computers Boris Banga, SP-Stadtpräsident von Grenchen. «Ja, der Computer mit dieser IP-Nummer gehört mir, aber ich habe diese Texte nicht verfasst», erklärt Boris Banga.  Damit kommt nur seine Frau Barbara Banga für diese diffamierenden Texte infrage, was sie am Telefon mit bewegter Stimme auch bestätigt. «Das war reine Psychohygiene. Auf diesem Internetportal wurde viel Beleidigendes über meinen Mann veröffentlicht, das vom Betreiber nicht vom Portal genommen wurde. Ich wollte schauen, ob der Betreiber Fantasie-Mail-Adressen und angriffige Texte veröffentlicht, ob es ihm auch egal ist, wenn andere und nicht mein Mann angegriffen werden, und ich wollte, dass er endlich damit aufhört.» Die Angriffe in den Medien und von seinem politischen Kontrahenten Heinz Müller hätten mit beigetragen zum Herzinfarkt ihres Mannes, erklärt sie.

Einen Text habe sie zusammen mit ihrem Mann, dem Stadtpräsidenten, verfasst, wie sie zudem eingesteht. Im April 2009 schreibt floricula innocens (Nickname) mit E-Mail-Adresse boba@bluewin.ch: «Oh ihr hochnäsigen PharisäerInnen: Und wer ohne Schuld sei, der werfe den ersten Stein...»

grenchen.net, ein SVP-Vehikel

Betreiber Paul-Georg Meister verkündete Anfang November die Einstellung des Portals aus finanziellen Gründen. In letzter Minute verlängerte eine Gruppe um SVP-Gemeinderat Heinz Müller mit privaten Geldern den Betrieb. Dies freute nicht nur die Nutzer des Internetportals. Der Betreiber des Portals «dankte» dem SVP-Ständeratskandidaten auch mit wohlwollender Berichterstattung zu dessen Wahlkampftour.