Fabian Muster

«Wohnen im Thal. Das Wohnparadies im Solothurner Jura». So wird der Bezirk Thal seit März 2008 mit einer eigenen Webseite und einer Broschüre mögli-
chen Neuzuzügern angepriesen. Genützt hat dies bisher nicht viel: Im letzten Jahr nahm die Einwohnerzahl gerade mal um zwei Personen zu (wir berichteten). Der flächenmässige grösste Bezirk im Kanton bildet in Sachen Bevölkerungswachstum über Jahre weg gesehen das Schlusslicht. Zwischen 2000 und 2008 wuchs die Thaler Bevölkerung nur um 1,2 Prozent (Kantonsdurchschnitt: 3,4 Prozent).

Das soll sich ändern. «Ich glaube an das Thal als Wohnregion», sagt Patrick Bussmann. Er ist für das Projekt Wohnthal zuständig, das vom Verein Region Thal koordiniert wird. Ein Relaunch soll dem Projekt die nötige Schlagkraft verleihen. «Wir müssen unsere Vorzüge noch besser hervorheben: intakte Natur und Landschaft, gute Schulen und günstige Baulandpreise.» Projektleiter Bussmann hat dazu einen ganzen Massnahmenkatalog für ein verbessertes Marketing erstellt.

Ein Hauptpunkt betrifft die Geschäftsstelle des Vereins Region Thal. Sie soll als erste Anlaufstelle für Wohninteressenten und Investoren im Thal dienen. «Man konnte uns eigentlich jetzt schon anrufen», erklärt Bussmann. «Wir hatten aber nur wenige Telefonate in der Zeit seit März 2008.»

Günstiges Land - hohe Steuern

Im vergangenen Jahr wurde die Broschüre an Firmen im Kanton Solothurn und den umliegenden Gebieten verschickt. Nun ist ein weiterer Versand der restlichen Exemplare an junge Familien, die Hauptzielgruppe, vorgesehen. Für 2010 wird sie allenfalls überarbeitet. Vorgesehen ist auch eine Infomappe speziell für Investoren. «Mit der bisherigen Broschüre konnten diese verständlicherweise nicht viel anfangen», lautete der Tenor in der Arbeitsgruppe.

In Sachen Wohnmessen will Bussmann über die Kantonsgrenze hinausschauen. Bisher war man an der Eigenheimmesse in Solothurn mit einem Stand präsent. Neu nimmt man voraussichtlich auch an der Wohga in Langenthal teil. Der Messeauftritt soll dabei optimiert werden: Es ist gar ein kurzer Videoclip in Planung. Um aber weitere Messen etwa in Basel, Zürich oder Bern zu besuchen, damit potente Steuerzahler ins Thal gelockt werden könnten, fehle es zurzeit an Ressourcen. Zudem ortet Bussmann ein anderes Problem: Die Baulandpreise im Thal seien zwar tief, die Steuern dafür eher hoch. «Gerade umgekehrt wie etwa im Kanton Zug.» Unklar ist also, ob sich der Umzug ins Thal für Kaderleute unter dem Strich rechnet.

Im Internet sind ebenfalls Massnahmen geplant. Auf der nationalen Webseite Immoscout.24 wird ab diesem September ein Werbebanner geschaltet. Dieser erscheint, wenn die Benutzer nach Wohnraum in der Region Olten-Gösgen-Thal-Gäu suchen. Die Thaler Gemeinden und Privatpersonen sollen ausserdem motiviert werden, ihre Angebote auch auf Immo-
scout.24 zu inserieren und nicht nur auf der Gemeindehomepage. «Dies kostet zwar etwas, aber die Liegenschaften werden dann auf nationaler Ebene gefunden.»

Zu hohe Preise für Bauland

Doch das ist noch nicht alles. Unter dem Punkt «Umfeld optimieren» geht es etwa um Sachen wie Tagesschulen fördern, Krippenplätze garantieren oder günstige Mietwohnungen schaffen. Diese Punkte werden gemäss Bussmann allerdings nicht im Projekt Wohnthal bearbeitet, sondern bei anderen Projekten des Naturparks Thal zur Sprache kommen. Neuzuzüger und Abwanderer will Bussmann nach deren Gründen befragen, um zu erfahren, wo es noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt (siehe Text unten). Ferner möchte er mit Haus- und Landbesitzern das Gespräch suchen, um «realitätsfremde Preisvorstellungen» zu vermeiden. Und: 2010 ist ein runder Tisch zur Verbesserung des öffentlichen Verkehrs im Thal geplant. Bussmann nennt etwa die Idee eines Mobility-Standorts im Thal. Die Umsetzung in diesem Bereich wird die regionale Arbeitsgruppe Verkehr leisten.

Einen Bauboom will Bussmann mit «Wohnthal» aber nicht auslösen. «Ein Bevölkerungswachstum ist nicht unser primäres Ziel. Man will der Entvölkerung des Thals entgegenwirken.» Es gehe um die Verdichtung nach innen, Ortskerne sollen belebt und so attraktiver werden. Bestehende Immobilien will man zuerst vermarkten. Die Aktivitäten werden mit dem Raumentwicklungsprogramm Thal abgestimmt. «Es kann ja nicht sein, dass wir mit einer intakten Landschaft werben und sie zugleich durch vermehrtes Bauen zersiedeln.»