JÖRG BAUMANN

1901 bauten die Wohler eine Friedhofskirche. Sie wurde in den letzten hundert Jahren mehrmals um- und angebaut. Mehr als ein Provisorium entstand daraus aber nie. Mehrmals beklagte die Friedhofskommission die unwürdigen Zustände, unter denen die Angehörigen von den Verstorbenen Abschied nehmen müssten. «Heute ist es Zeit, eine neue Friedhofskirche zu bauen», sagte Gemeinderätin Doris Becker bei einer Besichtigung durch Mitglieder des Einwohnerrates. Ihr sei klar, dass der Gemeinderat im Einwohnerrat Überzeugungsarbeit für das Neubauprojekt leisten müsse: «Wir müssen kämpfen.»

Der triste Alltag

Tagtäglich erlebt Doris Hochstrasser-Koch, dass die Friedhofskirche den Anforderungen an allen Ecken nicht mehr genügt. Die Särge müssen heute von aussen mit einem Lift in den Aufbahrungsraum gebracht werden. Die Diskretion, die man einem Toten und den Angehörigen schulde, sei nicht gewahrt, erklärt sie. Es komme hinzu, dass der Lift im Winter manchmal streike und die beiden Aufbahrungsräume unwürdig gestaltet und viel zu klein seien. Nach den Vorstellungen des Gemeinderates braucht es mindestens vier Aufbahrungsräume. Das Bezirksamt lehnt es oftmals ab, die Legalinspektion bei einem aussergewöhnlichen Todesfall in der abschreckenden Umgebung vorzunehmen. Die Toten müssen vielfach ins Spital Muri gebracht werden. Rein theoretisch wäre es möglich, auf die Friedhofskirche zu verzichten und die Abdankungen in den beiden Kirchen abzuhalten. Der reformierte Pfarrer Johannes Siebenmann empfiehlt das trotzdem nicht. Die Angehörigen schätzten die unmittelbare Nähe der Friedhofskirche zum Friedhof, so Siebenmann Heribert Galli, der auf der Gemeindeverwaltung das Bestattungswesen unter sich hat, lehnt diese Lösung ebenfalls ab. Er befürchtet Terminkollisionen in den Kirchen. Bei jährlich 130 Bestattungen fielen manchmal vier auf einen Tag.

Einfacher und besser

Bauverwalter Marcel Wegmann erläuterte das Vorprojekt «Charon» der Luzerner Architekten Cometti Truffer Architekten AG. Die räumliche Situation werde mit dem Neubau wesentlich vereinfacht und verbessert, sagte er. Der Gemeinderat schlägt dem Einwohnerrat einen Projektierungskredit von 201 335 Franken vor. Die Baukosten werden auf 4,2 Millionen Franken geschätzt. Es werde kein Luxusprojekt vorgelegt, sagte Gemeinderätin Doris Becker. Der Einwohnerrat be-
fasst sich am 16. November mit dem Vorhaben.