Fabian Hägler

Verkehr ist ein Thema, das alle betrifft und kontroverse Reaktionen auslösen kann. Der Autofahrer ärgert sich, wenn er hinter einem langsamen Traktor herfahren muss, der Fussgänger schimpft, wenn ihm der Vortritt am Zebrastreifen nicht gewährt wird, der Velofahrer ist wütend, wenn ihn ein vorbeifahrender Lastwagen anspritzt und der Buschauffeur ärgert sich, wenn er im Stau warten muss und den Anschluss verpasst.

So verschieden wie diese vier Beispiele waren die Meinungen der Teilnehmer am Wohler Verkehrsplanungs-Workshop im Casino. Die so genannte Begleitgruppe, ein breit abgestütztes Gremium von interessierten Einwohnern, diskutierte zum dritten Mal den neuen Wohler Verkehrsrichtplan.

«Kommunaler Gesamtplan Verkehr»

Esther Arnet, Projektleiterin bei der Metron AG in Brugg, erklärte gleich zu Beginn, dass Wohlen möglicherweise eine Pionierrolle im Kanton einnehmen könnte. Nach dem Ja des Aargauer Volks zum neuen Baugesetz heisst das Planwerk neu «Kommunaler Gesamtplan Verkehr». Wohlen könnte die erste Gemeinde sein, die einen solchen Plan nach neuem Gesetz verabschiedet.

Vorerst muss das Projektteam aber noch zahlreiche Änderungen, Ergänzungen, Einwände und Kritikpunkte in den Plan integrieren. An drei Tischen wurden im Casino rote und grüne Punkte auf die Pläne verteilt. Nicht nur der Individualverkehr, sondern auch öffentlicher Verkehr, Velo- und Fussverkehr kamen dabei zum Zug.

Tempo 30: Ja, aber gestaffelt

«Es geht hier um Verkehrsplanung, um eine optimale Lösung aus fachlicher Sicht - was politische machbar ist, steht auf einem anderen Blatt», betonte Arnet. Doch bereits die Fachdiskussionen in den Gruppen waren kontrovers. So beurteilte ein Tisch den geplanten Radweg nach Bremgarten als wichtiges Projekt, während eine andere Gruppe den Weg für eher unnötig hielt.

Mehr oder weniger einig war sich die Begleitgruppe, dass Tempo 30 in den Wohler Quartieren anzustreben sei. «Das ist ein heikles Thema, es sind Prioritäten nötig, welches Gebiet zuerst an die Reihe kommt», sagte Urs Kuhn.

Rückbau von Strassen umstritten

Der Vorschlag, die Allmendstrasse, die für eine Tempo-30-Zone zu breit ist, mit baulichen Massnahmen schmaler zu machen, löste Diskussionen aus. «Ich bin dagegen, dass wir teures Geld für einen Rückbau investieren», sagte etwa Herbert Müller. Hedy Perroud, Präsidentin der IG Velo, sah dies natürlich ganz anders: «Heute ist das eine gefährliche Rennbahn», sagte sie.

Bahnhofgebiet ist ein Brennpunkt

Reihum begrüsst wurde die Idee, die Teilung des Dorfes durch die SBB-Linie mit neuen Unterführungen anzugehen. Weniger einheitlich waren die Meinungen, was die künftige Verkehrsführung beim Bahnhof anging.

«Heute herrscht am Samstag an der Bahnhofstrasse ein Chaos», hielt etwa Bauverwalter Marcel Wegmann fest. Die Lösungsvorschläge: Aufwertung des Strassenraums, Begegnungszone oder verkehrsfreie Bahnhofstrasse.

Im Fussgängerbereich wurde eine neue, durchgehende Wegverbindung entlang der Bünz gefordert.
«Ich freue mich, dass die Diskussionen hier so konstruktiv geführt wurden», sagte Gemeindeammann Walter Dubler zum Schluss. Er hoffe, diese Kultur werde sich auch in der politischen Debatte fortsetzen. Zusammen mit seinen Gemeinderatskollegen muss Dubler die Verkehrsplanung nun behandeln, danach wird sie dem Einwohnerrat zur Kenntnisnahme vorgelegt.