Wohlen

Wohlen: Plus oder Minus, Stadt oder Dorf?

Am 17. Mai wird das Wohler Bild scharf: Dann entscheidet die Bevölkerung, ob die Gemeinde zur Stadt wird oder ein Dorf bleibt. (Bild: dno)

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Am 17. Mai wird das Wohler Bild scharf: Dann entscheidet die Bevölkerung, ob die Gemeinde zur Stadt wird oder ein Dorf bleibt. (Bild: dno)

Podiumsdiskussion, Leserbriefe, Blachenkampagne, Tele Freiamt: Auf verschiedenen Kanälen wurde in den letzten Wochen und Monaten über die Stadt Wohlen diskutiert. In genau zehn Tagen stimmt das Wohler Volk an der Urne über die Stadterklärung ab. Die AZ Freiamt sagt heute, was für und was gegen die Stadt spricht.

Fabian Hägler

+ Wohlen weist zahlreiche städtische Merkmale auf: Mit gut 14 000 Einwohnern ist Wohlen die viertgrösste Gemeinde im Kanton Aargau. Im Bildungsbereich sind alle Stufen vom Kindergarten bis zur Kantonsschule vertreten, das Einkaufsangebot ist mit allen Grossverteilern und einer breiten Palette von Fachgeschäften städtisch. Gleiches gilt für Freizeitmöglichkeiten (sportlich: Schwimmbad, Kunsteisbahn, Niedermatten / kulturell: Strohmuseum, Kantiforum, Filmclub, Kulturbeiz, De Club, Plattform).

+ Wohlen wirkt auf Zuzüger und Besucher als Stadt: Wenn auswärtige Gäste nach Wohlen kommen, wirkt die Gemeinde auf sie wie eine Stadt. Das bestätigen unter anderem Aussagen von Zuzügern am Stadt-Podium vom 7. April. «Ich dachte, wir ziehen in eine Stadt», sagt ein Zürcher. Mit der Stadterklärung erhält Wohlen die passende Verpackung, das stimmige Label, das den Inhalt richtig beschreibt und darstellt.

+ Wohlen wird mit 65 000 Fr. relativ günstig zur Stadt: Angesichts der knappen Finanzen sind die Ausgaben in Wohlen immer ein heikles Thema. Bei der Stadterklärung halten sich die Kosten in engen Grenzen: 50 000 Franken zur Unterstützung von Aktivitäten zur Stadt Wohlen und 15 000 Franken für neue Beschriftungen sind beantragt.

+ Wohlen setzt mit einer Stadterklärung ein Signal: «Wenn wir so lange warten, bis alle Voraussetzungen erfüllt sind, dauert es noch hundert Jahre, bis Wohlen sich zur Stadt erklärt», sagte Michel Wagner am Stadt-Podium. Auch wenn die Stadt Wohlen heute noch nicht perfekt ist: Die Stadterklärung setzt ein Signal.

- Wohlen hat heute gar kein richtiges Stadtzentrum: Die meisten anderen Aargauer Städte erhielten im Mittelalter bereits das Stadtrecht. Entsprechend verfügen Bremgarten, Lenzburg, Aarau oder Baden heute über ein historisches Stadtzentrum. Das fehlt in Wohlen - doch mit dem Masterplanverfahren besteht Hoffnung, dass künftig ein echtes Stadtzentrum entstehen könnte.

- Wohlen soll zuerst seine Finanzprobleme lösen: Der Steuerfuss liegt in Wohlen mit 115% deutlich über dem Kantonsmittel. Laut dem aktuellen Finanzplan dürfte sich daran in den nächsten Jahren kaum etwas ändern. Das ist bedauerlich, auch im Vergleich mit anderen Aargauer Städten. Zwar hat die Stadterklärung keinen direkten Einfluss auf den Steuerfuss. Doch der Gemeinderat muss sein Ziel, den Satz aufs Kantonsmittel zu senken, auch in einer Stadt weiterverfolgen.

- Wohlen hätte als Stadt nur zusätzliche Probleme: Weniger Sicherheit für die Einwohner, steigende Kriminalität, Verslumung einzelner Quartiere, Zunahme der Sozialfälle, Dominanz von Hochhäusern, verfallende Altliegenschaften: Die Gegner zählen einige negative Punkte auf. Wie wahrscheinlich und realistisch diese sind, muss die Bevölkerung selber beurteilen. Fest steht allerdings: Schon heute hat Wohlen mit einigen dieser Probleme zu kämpfen. Dass nur die Bezeichnung als Stadt diese verschärfen würde, scheint fraglich.

- Wohlen verliert als Stadt seinen dörflichen Charme: Zuzüger möchten in Wohlen auf dem Land, nicht in einer Stadt leben, behaupten die Gegner. Richtig ist, dass Wohlen im Bereich Standortmarketing künftig mehr tun muss. Wichtiger als Stadt oder Dorf dürften aber Faktoren wie Bauland, Mieten, Steuerfuss, Bildungs- und Einkaufsangebote sein.

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