Bevölkerung

Woher Ausländer in der Schweiz kommen und wo sie wohnen

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Die Zuwanderung treibt weiterhin das Bevölkerungswachstum an. Flüchtlinge machen dabei nur einen kleinen Teil aus. Auswertungen zeigen, in welchen Regionen der Schweiz sie sich niederlassen.

Die aktuelle Asyldebatte vermittelt zuweilen einen falschen Eindruck – dass nämlich Eritreer in Massen in das Land strömen würden. In Tat und Wahrheit leben aktuell mehr Amerikaner oder Holländer als Eritreer, mehr Chinesen, Russen oder Thais als Syrer in der Schweiz.

Die aufgenommenen Flüchtlinge machen einen verschwindend kleinen Teil der Zuwanderung aus, wie die am Donnerstag veröffentlichten Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS) eindrücklich zeigen.

Insgesamt ist die Wohnbevölkerung im vergangenen Jahr relativ stark gewachsen. Unter dem Strich lebten 2014 fast 100'000 Menschen mehr in der Schweiz als noch im Vorjahr. Das ist ein Zuwachs von 1,2 Prozent. Wobei die ständige Wohnbevölkerung bloss einen Teil der Rechnung abbildet.

Zu den 8'237'666 Menschen, die fix in der Schweiz wohnen, kommen zusätzlich jene ausländischen Arbeitskräfte hinzu, die weniger als ein Jahr im Land bleiben. Auch die Grenzgänger sind in der Statistik nicht mitgezählt.

Fast zwei Millionen Ausländer

Angesichts des neuerlichen Bevölkerungswachstums, das fast ausschliesslich auf die Zuwanderung zurückzuführen ist, fühlt sich die SVP in ihrem Anliegen bestätigt, die Schweiz mit Kontingenten und Höchstzahlen vor Migration zu schützen. Geht es nach den Rechts-Konservativen, leben zu viele Menschen im Land, namentlich zu viele Ausländer – 2014 waren es fast zwei Millionen, das sind 24,3 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Die Schweiz gehört somit zu den Ländern mit dem höchsten Ausländeranteil in Europa. Laut BFS liegt das in erster Linie an der Einwanderung, allerdings würden auch die restriktive Einbürgerungspolitik und die hohen Geburten- und niedrigen Sterbeziffern dazu beitragen.

Zwei Drittel kommen aus der EU

Was ebenfalls gerne in Vergessenheit gerät: Die Hälfte der fast zwei Millionen Ausländer in der Schweiz stammt aus den Nachbarländern Italien, Deutschland, Frankreich und auch aus Portugal. Weitere 300'000 kommen aus anderen EU-Staaten. Lediglich ein Drittel wandert aus sogenannten Drittstaaten ein. Das sind Staaten, die nicht zur EU oder zur Europäischen Freihandelsassoziation (Efta) gehören.

Die grössten Ausländergruppen aus Drittstaaten stammen aus dem Kosovo, Serbien und der Türkei. Genau in diesen Ländern herrscht derzeit jedoch ein umgekehrter Trend. Migration fliesst nämlich in beide Richtungen. So hat 2014 die Zahl der zugewanderten Türken, Serben und Bosnier im Vergleich zu 2013 abgenommen. Dieses Auf und Ab ist mit ein Grund, wieso es schwierig ist die Zuwanderung zu kontrollieren – geschweige denn zu steuern.

Kontingente voll ausgeschöpft

Trotzdem soll die Zuwanderung aus Drittstaaten bald weiter eingeschränkt werden. So sieht es zumindest das Konzept zur Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative vor. Derzeit sind die Bestimmungen zwar noch in der Vernehmlassung. Doch der Bundesrat hat bereits 2015 ein Zeichen gesetzt und die Zahl der Kontingente für Kurzaufenthalter und Arbeitskräfte aus Drittstaaten um je 1000 Einheiten gekürzt.

Von den verbliebenen 4000 Kurzaufenthaltsbewilligungen und 2500 Aufenthaltsbewilligungen war bis Mitte dieses Jahres die Hälfte bereits ausgeschöpft. Das heisst: Die Nachfrage danach ist robust. Das unterstrichen auch die kantonalen Volkswirtschaftsdirektoren, die sich gegen weitere Kürzungen bei den Kontingenten für die Drittstaatenzuwanderung wehren.

Gezerre um die Drittstaaten

Gleichwohl sieht nicht nur der Bundesrat, sondern auch FDP-Parteipräsident Philipp Müller bei den Drittstaaten das grösste Potenzial, um die Zuwanderung zu drosseln – weil so die bilateralen Verträge mit der EU aus der Schusslinie genommen werden können. Müller pochte auch im Interview mit der «Nordwestschweiz» darauf, den Familiennachzug zu beschränken – fast die Hälfte der Immigranten aus Drittstaaten zählt zum Familiennachzug.

Die SVP gibt sich damit nicht zufrieden. Sie moniert, dass es sich beim Umsetzungskonzept des Bundesrates lediglich um eine Neuauflage des aktuellen Ausländergesetzes handelt. Schon heute können die Behörden die Drittstaaten-Zuwanderung via Kontingente regulieren. Die Krux: Just aus jenen Ländern kommen die vielgesuchten, hoch spezialisierten Arbeitskräfte. Die Chinesen, Inder und Amerikaner. 

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