FrauenLandsGemeinde Aargau begleitet Doris Stump an den Europarat
Wo Sauerkraut, viel Politik und Frauen zusammentreffen

Strassburg bietet mehr als Foie Gras. Aber wie bitteschön sagt man «Europarat» auf Französisch? Die Nationalrätin und Europarätin Doris Stump hatte Antworten auf viele Fragen der über 40 neugierigen Aargauerinnen.

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Aargauer Zeitung

Corinne Rufli

Bereits am Bahnhof Baden erkennt man unschwer, wer sich auf eine vergnügliche Reise nach Strassburg begibt und wer sich mürrisch auf den Weg zur Arbeit macht. Eine etwa 40-köpfige bunte Frauengruppe hat zum Ziel, den Europarat kennenzulernen. Europarat? Erklärung folgt. Organisiert hat den eintägigen Besuch die FrauenLandsGemeinde Aargau. Aus allen argovianischen Ecken sind die Damen gekommen. Bekannte Gesichter und viele Unbekannte: Politikerinnen der SP und der Grünen, Kantischülerinnen, Frauen vom Mentoring-Projekt der FrauenLandsGemeinde, junge, ältere. Klar wird über Politik geredet, über den Neuschnee und die sich nähernde europäische Stadt Strassburg.

Taxistand, Gar de Strasbourg

Die Herausforderung des Tages: Wie sagt man «Europarat» auf Französisch? Der Taxifahrer fährt los. Die herzigen elsässischen Häuser weichen auf einmal Europafahnen und -Gebäuden. Angekommen. Dachten wir. Doch Europarat ist nicht Europaparlament. Aha. Denn es steht zuerst eine Führung durch das Gebäude der EU auf dem Programm. Das Haus erinnert an eine futuristische Glas-Version des Kolosseums, wie eine der Frauen bemerkte.

Europaparlament vs. Europarat

Nach flughafenähnlichen Eingangskontrollen trifft die Gruppe auf Doris Stump. Die SP-Nationalrätin aus Wettingen ist Mitglied der parlamentarischen Versammlung des Europarats und selbst ein Neuling in Sachen Europaparlament-Besichtigung. Imposante Innenarchitektur und ein deutscher Guide mit kabarettistischem Talent versucht einem sachte die EU ans Herz zu legen. «Kein Staat ist heute mehr souverän», sagt er.

Einsatz für Gleichstellung

Doris Stump ist in ihrem Element. Sie ist eine Europarätin aus Leidenschaft und engagiert sich stark als Vizepräsidentin der Gleichstellungskommission. Gewalt gegen Frauen oder die Darstellung der Geschlechter in den Medien sind ihre Themen. «Wir sind uns einig in dieser Kommission, das ist schön», sagt Stump. Dafür hätten die meisten Mitglieder der Wissenschaftskommission keine Affinität für Genderfragen. «Oft muss ich provozieren und das Thema immer wieder reinbringen», sagt Stump.

Mit Kopfhörern ausgerüstet setzt sich die Frauengruppe auf die Empore des Saals, in dem die parlamentarische Versammlung tagt. Es wird über das «Eigentum von Vertriebenen in Europa» debattiert. Man ist erstaunt über die Simultanübersetzungen der türkischen oder aserbaidschanischen Kurzreden auf Deutsch.

Einigen Frauen fällt auf, dass nur ein kleiner Teil der 318 Mitglieder der Versammlung anwesend ist. «Wir haben sehr viel zu tun in diesen Sessionswochen, da kann man nicht immer im Saal sein», erklärt Stump. Delegations-, Fraktions- und Kommissionssitzungen, Gespräche mit Lobbyisten und dem Botschafter halten die Politikerin auf Trab.

«Es ist eine tolle Ruhe im Saal», sagt die Grüne Patricia Schreiber-Rebmann, künftige Aargauer Grossratspräsidentin. Tatsächlich ist es im Vergleich zum Bundeshaus still. Die Parlamentarierinnen und Parlamentarier spielen mit dem iPhone oder schreiben auf dem Laptop - während in Bern das Knistern der Zeitung allgegenwärtig ist. «Hier liegen die Zeitungen nicht auf wie im Bundeshaus», sagt Stump.

«Im Europarat werden Empfehlungen und keine Gesetze, zu Themen um Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten erarbeitet und schliesslich verabschiedet», erklärt Stump die Funktion dieser Institution. Aber sie seien ein Bezugspunkt für nationale Politikerinnen und Politiker. Entscheide können auch einen verbindlichen Prozess einleiten, der zu einer Konvention führe. Ist eine Konvention einmal ratifiziert, wird regelmässig überprüft, ob sie auch eingehalten wird, so die Wettingerin.

Sauerkraut zum Znacht

«Der Ablauf der Abstimmungen im Rat interessierten mich. Ich kenne das kantonale Parlament und finde es spannend, einen Vergleich zu machen mit dem Europarat», sagt Patricia Schreiber in einem kleinen feinen Restaurant nahe der Kathedrale, wo sich die Frauen zum Nachtessen eingefunden haben. Die Grüne Politfrau aus Wegenstetten findet es gut, dass die Delegierten im Europaratssaal nicht nach Fraktionen geordnet sitzen, sondern nach Alphabet. «Das könnte man im Grossrat auch machen, dann wird vielleicht weniger geschwatzt.»

Amanda Sager-Lenherr, Präsidentin der FrauenLandsGemeinde Aargau hat der Ausflug nach Strassburg sehr gut gefallen. «Ich schätze solche Frauenanlässe, bei denen man sich austauschen kann. Eine gute Vernetzung ist wichtig.» Sie selber sei nicht parteipolitisch aktiv, aber frauenpolitisch. Der Tag in Strassburg klingt aus mit Sauerkraut im Bauch und Politik im Kopf.