Sie fristen ein stiefmütterliches Dasein, die Haltestellen für Reisecars und Fernbusse. Und sie laden selten zum Verweilen ein. «Kein guter Aufenthaltsort» heisst es in einer Online-Bewertung zum Zürcher Car-Terminal; «total siffig» zu jenem in Bern. Zum Teil sind die Car-Terminals auch schlecht gelegen, denn in den Stadtzentren sind Fernbusse nicht immer willkommen. Das musste auch die Firma Domo-Reisen erfahren, die ab dem 25. März die ersten nationalen Fernbuslinien betreibt.

«Es war schwieriger als erwartet, Haltestellen zu finden», sagt Domo-Linienbus-Chef Patrick Angehrn. «Wir sind bei den Behörden auf viel Misstrauen gestossen.» Grossmehrheitlich könnten die Busse nun zentral halten wie in Baden. Andernorts seien die Haltestellen schlecht an den öffentlichen Verkehr angebunden wie in Rothrist. «Das führt dazu, dass unsere Passagiere mit dem Auto zur Haltestelle gefahren werden», sagt Angehrn. «Das kann doch nicht im Sinne der Städte sein.» An einigen Orten konnte noch gar keine Lösung gefunden werden. «Wir sind weiterhin im Gespräch», versichert Angehrn. Eine rasche Lösung sei aber nicht in Sicht.

Bund soll federführend sein

Künftig wird bei der Planung womöglich der Bund ein Stück weit mitreden. Der Nationalrat berät am Dienstag über eine Motion, die den Bundesrat in die Verantwortung nehmen will: Er soll ein nationales Konzept für «multimodale Busterminals» erarbeiten. Ziel ist, dass Passagiere nahtlos zwischen Bahn, Regional- und Fernbussen, Reisecars und Taxis umsteigen können. Die Chancen der Motion stehen gut: Die vorberatende Kommission hiess sie ohne Gegenstimme gut, der Bundesrat unterstützt sie ebenfalls.

Eingebracht hat den Vorstoss SVP-Nationalrat Adrian Amstutz, Präsident des Nutzfahrzeugverbands Astag. «Wir sehen den Bund in der Verantwortung, die Haltestellen national zu koordinieren, da er die Konzessionen erteilt», sagt Astag-Vizedirektor André Kirchhofer. Sonst bestehe die Gefahr, dass es weiterhin «Hinterhof-Haltestellen» gebe. «Das ist keine gute Visitenkarte für Touristen, die in die Schweiz kommen», kritisiert Kirchhofer. Er sähe es gern, wenn alle Busunternehmen die öffentlichen Haltestellen benutzen dürften. «Die Erfolgschancen der Fernbusse sind umso grösser, je besser und zentraler die Haltestellen sind», gibt er zu bedenken. Doch würde dadurch nicht der bestehende öffentliche Verkehr zu stark konkurrenziert? «Das ist eine politische Grundsatzdebatte, die man hätte führen müssen, bevor der Bund Fernbussen Konzessionen erteilt», sagt Kirchhofer.

Ueli Stückelberger, Direktor des Verbands öffentlicher Verkehr (VöV), vermisst eine Fernbus-Strategie. «Alles ist noch vage», sagt er. Es sei unklar, was der Bundesrat von den neuen Angeboten erwarte und inwiefern diese ins bestehende öV-System integriert werden sollen. Die Motion der Verkehrskommission sei grundsätzlich gut, sagt Stückelberger. «Es braucht aber eine breitere Diskussion über die nationalen Fernbusse.» Rote Linie sei für den VöV eine Konkurrenzierung des abgeltungsberechtigten regionalen Verkehrs.

Gegen ein nationales Busterminal-Konzept haben selbst die Städte und die kantonalen Verkehrsdirektoren nichts einzuwenden. «Es ist sinnvoll, dass Bund und Kantone hier zusammenarbeiten», sagt Generalsekretärin Christa Hostettler. Man sei bereits mit dem Bundesamt für Verkehr im Gespräch. Auch der Städteverband hält es für sinnvoll, gesamtschweizerisch anwendbare Grundsätze und Konzepte zu erarbeiten, wie Präsident Kurt Fluri erklärt. Der FDP-Nationalrat ergänzt allerdings: Selbstverständlich müsse die Umsetzung im konkreten Einzelfall in der Kompetenz der Städte bleiben.

Die Planung dürfte indes schwierig sein, da unklar ist, ob der Fernbus-Boom anhält. Das zeigt sich aktuell in Zürich: Der Stadtrat möchte den Carparkplatz aufrüsten. Die Finanzkommission hat die Beratung aber auf Eis gelegt.