Baustellen

Wo im Sommer die Baustellen blühen

Neue Staffeleggstrasse: Auch in diese Baustelle werden grosse Summen investiert. (lü./Archiv)

Staffeleggstrasse

Neue Staffeleggstrasse: Auch in diese Baustelle werden grosse Summen investiert. (lü./Archiv)

Fast wie die Bienen im Frühjahr schwärmen die Baustellen-Arbeiter im Sommer aus. «Wir wollten die Beläge vor allem in der Ferienzeit einbauen», sagt Fridolin Vögeli vom Tiefbau des Kantons. Als Chef des Strassenunterhalts wacht er über alle Baustellen auf Aargauer Kantonsstrassen.

Hans Lüthi

«An jeder Ecke eine neue Baustelle», klagen oft Autofahrer, die vor einem Rotlicht warten müssen. Das ist eine stark subjektive Betrachtung, «denn wir haben seit Jahren immer das gleich grosse Budget», sagt Fridolin Vögeli. Als Leiter Unterhalt in der Abteilung Tiefbau beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) organisiert er diese Baustellen. Auf dem Tisch breitet er eine grosse Karte aus, den Baustellenplan, Stand August 2009. Es sind 37 Baustellen auf den Aargauer Kantonsstrassen. Mit Vorliebe werden neue Beläge im Sommer eingebaut, weil es in der Ferienzeit auf stark frequentierten Abschnitten am wenigsten Konflikte mit dem Berufsverkehr gibt.

Oft jahrelange Vorarbeiten

Die Abteilung Tiefbau kann nicht einfach im Sommer Bagger und Teermaschinen starten und drauflos sanieren. «Wenn der Strassenbelag neu ist, soll er nicht in den nächsten Jahren schon wieder aufgerissen werden. Das wollen wir verhindern, das schätzen auch die Leute nicht», erklärt Vögeli. Die Konsequenz daraus: Eine Abklärung schon Jahre im Voraus, in enger Zusammenarbeit mit den Gemeinden. Denn bei Sanierungen innerorts müssen diese im Voraus den Zustand von Kanalisation und Wasserleitungen abklären und oft deren Ersatz planen. Dazu gehört die Bewilligung der Kredite durch die Gemeindeversammlung. «Darum dauert es manchmal etwas länger, als ursprünglich vorgesehen», betont Vögeli. Selbstverständlich werden beim Ausbau auch die Radrouten einbezogen und die Radstreifen gebaut. «Damit können wir Kosten sparen und Synergien nutzen», erklärt Vögeli.

Rund 200 Millionen Franken

Pro Jahr stehen der Abteilung Tiefbau im Aargau rund 200 Millionen Franken für den Strassenbau zur Verfügung. Pro Arbeitstag sind das im Mittel rund eine Million Franken. Grosse Summen verschlingen die völlig neuen Strecken, wie die neue Staffeleggstrasse mit Anschluss oberhalb von Küttigen an den heutigen Übergang. «Wir bauen oft an Wochenenden, die Unternehmer haben sich daran gewöhnt», versichert Vögeli. In der Regel wird am Samstag geteert, am Sonntag die Grundmarkierung angebracht. Voraussetzung sind schönes Wetter und mindestens 10 Grad - schon am Morgen. Darum müssen ab Oktober die fehlenden Deckbeläge auf nächste Saison verschoben werden. Für viele ungeduldige Autofahrer dauern die Strassenbauten eine Ewigkeit. «Wir hoffen immer, die Sanierungen noch früher abschliessen zu können, als im Terminplan», versichert Vögeli. Gelungen ist das mit dem neuen Kreisel auf der Graströchni-Kreuzung zwischen Schinznach-Dorf und Schinznach-Bad.

Zu den ganz grossen Brocken mit Abschluss erst im nächsten Jahr und Umleitungen des ganzen Verkehrs gehören Wettingen, Rothrist und Vordemwald. Eifrig gebaut wird auch im Fricktal, in Wil und Hottwil, in Gansingen bis zum Bürersteig, samt einem Radstreifen bergwärts. Ein solcher wird in Schwaderloch bald einmal das Leben der Velofahrer auf der Rheintalstrasse erleichtern. Auch in Eiken bekommen die Radler bald eigene «Velostrassen».

Im Seetal gibt es grössere Baustellen auf der Verbindungsstrasse von Teufenthal nach Dürrenäsch (mit Radweg bergwärts), der neue Kreisel beim Bahnhof Hallwil wird noch dieses Jahr fertig sein. Der Radweg auf dem alten Trassee der Seetalbahn von Beinwil über den Berg nach Reinach ist ab Ende November befahrbar.

Bei all den Hindernissen neigt man dazu, diese Tatsache zu vergessen: Auf den meisten der 1150 Kilometer Kantonsstrassen herrscht freie Fahrt - weil auch sie einst Baustellen waren.

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