Baustellen der Post
Wo der neue Mister Post ansetzen muss

Auf Peter Hasler wartet bei der Post viel Arbeit. Bei der Briefpost, im Auslandgeschäft und auch bei Stellennetz besteht viel Handlungsbedarf. Haseler will sich beim anstehenden Umbau strikt an die Vorgaben des Bundes halten.

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Michele Coviello

Die Post hat viele Bausstellen. Die schwerwiegendste ist jene bei der Briefpost. Seit dem Juli hält die Post nur noch auf Briefen bis 50 Gramm das Monopol. Hinzu kommt, dass Briefe seltener werden, während E-Mails zunehmen. Seit 2000 hat der Briefverkehr um 47 Prozent abgenommen.

Die Krise brachte neuerdings Firmen dazu, häufiger die B-Post zu benutzen. 2008 betrugen die Einnahmen von Postmail 249 Millionen Franken, 2009 waren es nur noch 150 Millionen - Tendenz weiter sinkend. Laut der International Post Corporation soll der Briefverkehr bis 2025 auf zehn Prozent schrumpfen. Kann sich die Post mit einem elektronischen Versand von Dokumenten fangen?

Das Sterben der Schalter

Der Einbruch im Briefverkehr und der Rückgang von Einzahlungen an den Schaltern machen es schwierig, die Grundversorgung zu finanzieren. Der Rückgang dieser Geschäfte hat sich bereits massiv aufs Poststellennetz ausgewirkt. Von den bestehenden 2348 funktionieren 283 als Agenturen - etwa in Lebensmittelläden. 1154 Ortschaften werden bereits mit Haus-Service bedient. In den kommenden zwei Jahren sollen weitere 307 Schalter überprüft werden. Bekannt ist, dass demnächst 84 Poststellen umgewandelt oder gar geschlossen werden. (cov)

Mässiger erfolg im Ausland

Claude Béglé wollte mit Einnahmen aus Geschäften im Ausland die hiesige Grundversorgung sichern. Heute ist die Post in 23 Ländern aktiv, der Gewinn von knapp 50 Millionen stellt jedoch nur 6Prozent des Gesamtgewinns dar. Ein grosser Teil davon kommt von Swiss Post International, die im grenzüberschreitenden Briefverkehr tätig ist.
Grosses Potenzial sah Béglé bei der Swiss Post Solutions, die für Firmen im Ausland Dokumente scannt, archiviert, druckt und versendet. Die Post-Tochter fuhr allerdings im letzten Jahr einen Verlust von 13 Millionen ein.

Das Geschäft mit dem Geld

Der einzige Lichtblick und das momentane Zugpferd der Schweizerischen Post ist der Bereich Postfinance. Die Finanzkrise hat die Kassen der Post gefüllt, weil viele Kunden ihr Geld neu bei ihr untergebracht haben. 18 Milliarden Franken sind allein im ersten Semester 2009 hinzugekommen und steigerten das Volumen der Kundenkonti auf 71 Milliarden. Dank der Kooperation mit der Valiant-Gruppe kann die Post die fehlende
Bankenlizenz teilweise wettmachen und bei der Kreditvergabe für Firmen in der ganzen Schweiz aufdrehen. Zudem sollen bis zu 30 Poststellen neu mit einem Finanzberatungs-Schalter ausgestattet werden.