Allfällige Kandidatur

Wird Thomas Matter neuer Parteichef? Nun melden sich die Gegner des «SVP-Bankers» zu Wort

Seit Wochen kursiert Thomas Matters Name als möglicher Nachfolgekandidat des scheidenden Parteipräsidenten Albert Rösti. Matter dementiert dies nicht und befeuert damit die Spekulationen..

Seit Wochen kursiert Thomas Matters Name als möglicher Nachfolgekandidat des scheidenden Parteipräsidenten Albert Rösti. Matter dementiert dies nicht und befeuert damit die Spekulationen..

Die allfällige Kandidatur des Zürcher Nationalrats Thomas Matter als SVP-Parteichef stösst fraktionsintern auf Gegenwind.

Auf 150 bis 200 Millionen Franken schätzt das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» das Vermögen von SVP-Nationalrat Thomas Matter. Damit gehört der Teilhaber der Helvetischen Bank neben der Familie Blocher zu den wenigen SVP-Exponenten mit genug Geld, um teure Kampagnen zu finanzieren. Im Bundeshaus sitzt der 53-Jährige in der einflussreichen Wirtschaftskommission und darf im Parteileitungsausschuss über die Zukunft der SVP mitbestimmen. Nur wenige Parlamentarier sind einflussreicher. Doch Matter gilt als ehrgeizig. Seit Wochen kursiert sein Name als möglicher Nachfolgekandidat des scheidenden Parteipräsidenten Albert Rösti. Matter dementiert dies nicht und befeuert damit die Spekulationen.

Bei einer Umfrage unter einem Dutzend SVP-Fraktionsmitgliedern wird allerdings rasch klar: Die Aussicht auf einen «Banker» an der Spitze der SVP (eigentlich ist Matter Unternehmer) freut nicht alle. «Ich weiss um seine Fähigkeiten, aber gewisse von uns haben Mühe mit seiner Person und seiner Rolle als Banker», sagt ein SVP-Nationalrat. Ein oft genannter Kritikpunkt seiner Gegner lautet, Matters Goldküsten-­Image vertrage sich schlecht mit der Basis der früheren Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei. Der in Meilen wohnhafte Politiker sei zu wenig bodenständig, zu geltungsbedürftig und pflege gegenüber Fraktionskollegen oft einen konfrontativen Umgangston. Die Umfrage zeigt auch: Selbst in der Zürcher SVP hat Matter Gegner, die ihn als nationalen Parteipräsidenten verhindern wollen.

Von der Redaktion CH Media auf die anonym hervorgebrachte Kritik aus den eigenen Reihen angesprochen, sagt dieser: «Mir gegenüber hat nie ein SVP-Fraktionsmitglied die Kritik geäussert, ich sei nicht bodenständig.» Bei seinen Kontakten mit der Basis habe er einen anderen Eindruck erhalten: nämlich, dass er trotz seines beruflichen Hintergrundes als zugänglich gelte. Damit reagiert Matter auch auf einen Seitenhieb von SVP-Bundesrat Ueli Maurer, der bei der Bilanzpressekonferenz zu seinem ­Präsidialjahr Ende Dezember meinte, «Millionäre» seien «nicht alle so gut geeignet» für den Job als Parteipräsident.

«Erfolg darf nicht bestraft werden»

Matters Sympathisanten finden, es könne nicht sein, dass einer, der unternehmerisch erfolgreich sei, nun dafür bestraft werde. Der Zürcher Nationalrat Mauro Tuena sagt: «Ich finde es toll, dass es Leute gibt, die diesen anspruchsvollen Job überhaupt machen wollen. Das rechne ich ihm hoch an.»

Aber selbst ihm wohlgesinnte SVP-Fraktionsmitglieder geben Thomas Matter nur mässige Chancen für den Fall, dass auch der Schwyzer Nationalrat Marcel Dettling ins Rennen steigt: Der 38-jährige Landwirt gilt in der Partei als «zweiter Toni Brunner» (SVP-Chef von 2008 bis 2016) und kann in der SVP auf mehr Rückhalt zählen als Matter. «Der Dettling klopft dir abends auf die Schulter und trinkt ein Bier mit dir. Das kommt im Festzelt gut an.» Sätze wie diesen hört man fast immer, wenn man in der Partei nach Dettling fragt.

Die SVP-Führung lanciert die Präsidentensuche dieses Wochenende an ihrer «Bad Horn»-Tagung. Danach ist es an den Kantonalsektionen, Namen vorzuschlagen. Eine Findungskommission wird die Kandidaturen prüfen. SVP-Vizepräsidentin Magdalena Martullo-Blocher wird dabei eine wichtige Rolle spielen. Wie eng das Verhältnis zwischen der Ems-Chefin und Matter ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Eines ist klar: Sollte der «SVP-Banker» am 28. März an der Delegiertenversammlung in Basel überraschend die Wahl zum Parteichef schaffen, dann kaum ohne ihre Unterstützung.

Autor

Lorenz Honegger

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