Nach Zugunglück im Waadtland

Wird Schienensicherheit mit wachsendem Streckennetz zum Polit-Thema?

In der Schweiz herrscht Bestürzung über die tödliche Frontalkollision zweier Züge bei Granges-près-Marnand im Kanton Waadt. Doch die Gedanken kreisen auch um die Sicherheit auf dem Schweizer Schienennetz.

Mit der beschlossenen Ausweitung der Mittel für den Ausbau der Bahninfrastruktur von 3,5 auf 6,4 Milliarden und der Schaffung eines Fonds (Fabi) wird das Streckennetz wachsen. Wie steht es dann um die Sicherheit?

Für Markus Hutter, Zürcher FDP-Nationalrat und Präsident der Verkehrskommission KVF, ist klar: «Jedes System - auch der öffentliche Verkehr - wird mit zunehmender Komplexität auch anfälliger für Fehler. Der Unterhalt steigt. Die Sicherheitsanforderungen nehmen zu.»

Als Beispiel nennt Hutter die Einführung eines Viertelstundentakts auf S-Bahn-Strecken. Konsequenzen seien da zu erwarten. «Das sind Probleme oder Fragen, die wir im Parlament bei der Aufstockung im Rahmen von Fabi zu wenig berücksichtigt haben», sagt Hutter selbstkritisch. Im Fokus dürften nicht nur der Ausbau und die Kapazitätssteigerung stehen. «Es geht auch um die Signale, die Sicherheitssysteme - um die Sicherheit allgemein», so Hutter.

Kritik übt Hutter sogleich auch an den Kantonen: «Bei der Sicherheit im öffentlichen Verkehr fordern sie alles, wollen aber selber nichts dazu beitragen.» Natürlich müssten die SBB und der Bund in erster Linie dafür sorgen. Und es sei auch völlig unbestritten, dass die SBB noch mehr für die Sicherheit machen müssten. «Aber es braucht auch einen Beitrag von jenen, die den Ausbau fordern.»

Auch die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV würde sich von Politikern mehr Sensibilität für die Sicherheit wünschen. Vielfach würden sie nur von Grossprojekten wie dem Gotthard reden. «Der Unterhalt wird dabei gerne vergessen», sagt SEV-Vizepräsidentin Barbara Spalinger. Es müssten aber auch die Regionallinien auf dem neusten Stand der Sicherheit sein. Gerade mit dem Fabi-Projekt sei wieder nur von Produktivitätssteigerung die Rede. Die Schweiz komme deshalb im öffentlichen Verkehr nächstens an einen Punkt, wo die Auslastung so gross sei, dass es bezüglich Sicherheit kritisch werden könne.

Geld für Zugsicherung sprechen

Die Forderungen nach mehr Effizienz müssten jetzt zurückgestellt werden, findet auch Edith Graf-Litscher, Thurgauer SP-Nationalrätin und KVF-Mitglied. Viel wichtiger sei jetzt, dass die Politik die nötigen finanziellen Mittel spreche, damit das Zugsicherungssystem in der Schweiz so schnell als möglich auf den neusten Stand komme.

Für Ueli Stückelberger, Direktor des Verbands öffentlicher Verkehr, hingegen hat die Politik mit Fabi nicht nur die Grundlage für Neubauten geschaffen, sondern könne damit auch Mittel für Betrieb und Unterhalt sicherstellen. Wichtig sei, dass Bund und SBB in der Leistungsvereinbarung Ziele im Bereich Sicherheit festsetzten.

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