Brexit
Wird nun alles günstiger? Und 5 weitere Brexit-Fragen

Der Austritt Grossbritanniens gilt als historische Zäsur. Welche Folgen hat der Brexit für Schweizer? Und was passiert mit jenen, die dort arbeiten oder in die Ferien wollen?

Anna Wanner
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Vorerst ändert sich für England-Reisende wenig.Suzanne Plunkett/Reuters

Vorerst ändert sich für England-Reisende wenig.Suzanne Plunkett/Reuters

REUTERS

1. Wie wirkt sich der Brexit auf
meinen Alltag aus?

Vorerst ändert sich nichts. Weder Schweizer noch Briten haben unmittelbare rechtliche Konsequenzen zu befürchten. Die britische Regierung muss als Erstes den Austritt mit der EU verhandeln. Das kann mehrere Jahre dauern. Erst wenn ein neues Abkommen mit der EU in Kraft ist, verfallen die aktuellen Verträge mit der EU. Für Grossbritannien sind dann auch alle Verträge ungültig, welche die EU mit Drittstaaten ausgehandelt hat. Dazu gehören die bilateralen Verträge mit der Schweiz.

2. Muss die Schweiz mit Grossbritannien also neu verhandeln?

Bundespräsident Johann Schneider-Ammann hat gestern erklärt, dass der Bundesrat verschiedene Bereiche neu vertraglich festlegen müsse. Darunter die wirtschaftliche Beziehung, die Sicherheit, die Fiskalpolitik, aber auch die wissenschaftliche Zusammenarbeit sowie der Personen- und Luftverkehr. Bereits seit Wochen bereite sich eine interdepartementale Gruppe auf den Fall eines Brexits vor. Die Arbeit dieses Teams werde nun intensiviert. Ein Zeitplan gibt es indes nicht. «Die heutigen Regeln bleiben bestehen, bis neue an ihre Stelle treten», sagte Schneider-Ammann. Der Bundesrat wird bald Kontakt mit der britischen Regierung aufnehmen und das weitere Vorgehen diskutieren.

3. Ich reise in den Sommerferien nach Schottland. Was muss ich beachten?

Für Touristen ändert sich ausser dem Währungskurs nicht viel. Alle bilateralen Verträge zwischen der Schweiz und der EU bleiben vorerst auch für Grossbritannien erhalten. Dazu gehört das Luftverkehrsabkommen: Die Flugzeuge fliegen weiterhin Destinationen in Grossbritannien an. Auch bei der Passkontrolle ändert sich nichts. Bereits heute müssen Schweizer, Deutsche und Italiener bei der Einreise nach Grossbritannien einen Pass oder eine ID vorweisen, weil Grossbritannien (im Unterschied zur Schweiz) nicht Teil des EU-Schengen-Raums ist.

4. Wird nun alles günstiger?

Der Schweizer Franken ist gegenüber dem Euro und dem britischen Pfund weiter erstarkt. Anfang Juni kostete ein Pfund noch Fr. 1.46, gestern sank es zeitweise unter
Fr. 1.30. Dasselbe Bild beim Euro: Anfang Juni lag der Kurs bei
Fr. 1.10 pro Euro, gestern kurzfristig bei Fr. 1.06 – später pendelte sich der Kurs bei Fr. 1.08 ein. Falls sich die Kurse nicht normalisieren, werden Waren aus Europa sowie Reisen für Schweiz günstiger. Allerdings bedeutet dies umgekehrt, dass der Druck auf die Exportwirtschaft, den Tourismus und die Landwirtschaft weiter zunehmen wird.

5. Was bedeutet das für Schweizer Unternehmen?

Schweizer Unternehmen können weiterhin basierend auf den bilateralen Verträgen Güter und Dienstleistungen exportieren sowie britische Staatsbürger rekrutieren.

6. Was passiert mit Schweizern, die in Grossbritannien leben? Und was passiert mit Briten,
die in der Schweiz wohnen?

Auch für sie ändert sich die Situation frühestens dann, wenn ein neues Abkommen in Kraft tritt. Bis dahin können Schweizer weiter in Grossbritannien leben und arbeiten – so wie es die Personenfreizügigkeit zwischen der Schweiz und der EU vorsieht.