Gotthard-Tunnel
Wird bei der Neat am Gotthard betrogen?

Die Abwasserrohre, die im Neat-Tunnel verlegt werden, sind aus Altmaterial hergestellt. Bestellt und bezahlt haben die Baufirmen aber solche aus neuem Material. Wird bei der Neat betrogen?

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Neat

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Keystone

Bei 10 von 16 Proben der Neat-Abwasserrohre stellten die Experten Überraschendes fest: Die Rohre waren nicht wie vereinbar aus newertigem Plastik gefertigt, sondern aus Altmaterial. Das schreibt heute der «Tages-Anzeiger».

Die Folgen: Die verlegten Rohre leben nicht 50 Jahre, sondern nur deren 10. Bei der Alptransit Gotthard AG ist man entsetzt.
Bereits am Lötschberg gab es dieses Problem. Am Gotthard wollte man mit Extra-Vorgaben das genau verhindern. Die Lieferanten mussten die Korrektheit der Lieferung zertifizieren. Genützt hat es nichts.

Rohre kommen aus Süditalien

Die Ware stammt von einer kleinen süditalienischen Firma. Ihre Produkte kommen bei vier der fünf Baulose zum Einsatz. Überall dort, wo die Italiener liefern, gab es negative Proben.
Die Italiener liefern laut «Tages-Anzeiger» zu Dumpingpreisen. Ihre Rohre sind 40 Prozent günstiger als die der Konkurrenz.

Bis heute wurden 250 Kilometer Abwasserrohre im Gotthard verlegt. Die Alptransit hat nun als Sofortmassnahme angeordnet, dass alle Rohre vor dem Einbau zusätzlich geprüft werden.

Eine Arbeitsgruppe soll zudem abklären, wie die falschen Rohre gesichert werden können. Eine Möglichkeit wäre, eine zweite Röhre in die mangelhaften Kunststoffrohre einzuführen.

Der Schaden dürfte in Millionenhöhe gehen, im Extremfall gar zu grösseren Verzögerungen führen. In der Verantwortung stehen die Baukonsortien, die die fünf Lose bauen.

Die Alptransit will die Rohre so jedenfalls nicht aktzeptieren. «Aber eines ist sicher: Den jetzigen Zustand akzeptieren wir nicht», sagt Renzo Simoni, CEO der Alptransit Gotthard AG, gegenüber dem «Tages-Anzeiger».