Interview

Wirbel um Mordfall Ylenia – Staatsanwalt: «Man wollte das Vertrauen in uns demontieren»

Christoph Ill, Erster St.Galler Staatsanwalt, äusserte sich vor den Medien zu angeblichen neuen Fakten im Mordfall Ylenia.

Christoph Ill, Erster St.Galler Staatsanwalt, äusserte sich vor den Medien zu angeblichen neuen Fakten im Mordfall Ylenia.

Die St.Galler Kantonspolizei und die Staatsanwaltschaft haben sich zwölf Jahre nach dem gewaltsamen Tod von Ylenia am Donnerstag noch einmal zum Fall geäussert. Christoph Ill, Erster St.Galler Staatsanwalt, lässt kein gutes Haar an der Berichterstattung von «Blick» und «TVO» in der vergangenen Woche und erklärt, welcher Mehraufwand dadurch entstanden ist.

Der Fall Ylenia scheint Sie nicht loszulassen. Vor zwölf Jahren haben Sie schon einmal vor den Medien darüber gesprochen. Was ist das für ein Gefühl, nun erneut Stellung beziehen zu müssen?

Christoph Ill: Wir haben das definitiv nicht gesucht, zwölf Jahre nach dem Fall nochmals vor die Medien zu treten. Für uns alle war das sehr arbeitsintensiv, denn wir mussten uns nochmals so gut wie möglich in die Akten einarbeiten.

Dieses Bild von Ylenia erschien in einer SRF-Dokumentation über den Fall im September 2007.

Dieses Bild von Ylenia erschien in einer SRF-Dokumentation über den Fall im September 2007.

Die Staatsanwaltschaft hat erst nach dem Druck von Medien und Politikern eine Pressekonferenz einberufen. Wieso?

Wir wurden vor der Ausstrahlung des ersten Medienberichts für eine Stellungnahme nicht kontaktiert. Wir konnten uns also zu den neusten Behauptungen nicht äussern. Nach der Publikation waren wir dann vom Inhalt völlig überrascht. Danach haben wir aber umgehend kommuniziert, dass wir keinen Grund sehen, den Fall Ylenia aufzurollen. Trotzdem hat sich die Lage nicht beruhigt. Es ging dann soweit, dass sich auch Politiker zum Fall äusserten. Für uns war damit klar, dass das Ganze nun in eine Richtung lief mit dem Ziel, das Vertrauen in die Strafverfolgungsbehörde zu demontieren. Der Medienkonsument wusste nicht mehr, was Spekulation und was Tatsache ist. Im Interesse der Öffentlichkeit und um das möglicherweise erschütterte Vertrauen in die Arbeit der Strafverfolgungsbehörden wiederherzustellen, haben wir uns schliesslich entschieden die Medienkonferenz einzuberufen. Es war uns aber auch ein Anliegen, die Faktenlage im Interesse der unmittelbar Betroffenen, sprich, der Angehörigen, richtigzustellen.

Ist für Sie wegen der aktuellen Berichterstattungen ein Mehraufwand entstanden?

Durchaus.

Wie viele Stunden mussten Sie erneut am Fall sitzen?

Ich persönlich war seit vergangenem Donnerstag jeweils bis spätabends mit nichts anderem beschäftigt als mit den Akten zum Fall Ylenia. Im Hintergrund arbeiteten zudem etliche Personen daran, die Informationen aus den bestehenden Daten herauszusuchen und die Fakten betreffend der Mutmassungen zusammenzutragen. Die Anzahl Stunden für all diese Arbeit kann ich Ihnen nicht nennen, aber es war ein beträchtlicher Mehraufwand.

Haben Sie nach den Berichterstattungen kurz an den seinerzeitigen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft zum Fall Ylenia gezweifelt?

Nicht eine Sekunde.

«Wenn ich andere Kinder sehe, die ihr ähnlich sehen, gibt es mir schon einen Stich»: Ylenias Mutter zehn Jahre nach dem Mord

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Wie erschweren Berichterstattungen mit unpräziser Faktenlage Ihre Arbeit?

Es ist unglaublich zeitraubend. Man muss Sachen wieder aufarbeiten, von denen man dachte, sie seien strafrechtlich abgeschlossen. Und bei den Betroffenen kommen natürlich diverse Erinnerungen wieder hoch.

Abgesehen von den Ereignissen der letzten Tage: Inwieweit beschäftigt Sie der Fall Ylenia noch?

Zu jenem Zeitpunkt, wenn man sich wieder in die Akten einliest, kommt alles wieder hoch. Ich weiss noch genau, was ich 2007 gemacht habe, als ich im Radio mitbekommen habe, dass man Ylenia gefunden hatte. Bei solchen Erinnerungen merkt man, dass das Ganze auch persönlich Eindruck hinterlassen hat.

Werden Sie jemals mit dem Fall abschliessen können?

Strafrechtlich haben wir mit dem Fall Ylenia schon 2008 abgeschlossen. Die Erinnerungen an das Verfahren mit all seinen Begleiterscheinungen werden jedoch bleiben. Denn: Es war ein sehr aussergewöhnlicher Fall.

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