Inländervorrang
«Wir zerstechen euch die Reifen!»: Tessiner Einkaufstouristen bei Supermarkt in Como bedroht

Viele Tessiner kaufen, billiger als zuhause, in Italien ein. Auf dem Parkplatz eines italienischen Supermarkts entdeckten nun mehrere Einkaufstouristen einen Zettel hinter ihrer Windschutzscheibe – mit wüsten Drohungen. Hintergrund ist offenbar die Abstimmung über die Inländervorrangs-Initiative der SVP.

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Billiger als daheim: Viele Tessiner kaufen im nahen Como ennet der Grenze ein. (Archivbild)

Billiger als daheim: Viele Tessiner kaufen im nahen Como ennet der Grenze ein. (Archivbild)

Keystone

Diese Schweizer Einkauftouristen dürften einen ordentlichen Schreck bekommen haben. Als sie von ihren Einkäufen im italienischen Supermarkt in Como auf dem Parkplatz ihre günstigen Lebensmittel verstauen wollten, entdeckten sie einen Zettel unter dem Scheibenwischer ihres Wagens mit Tessiner Nummernschildern.

«Es macht euch Spass, bei uns einzukaufen, weil hier alles so schön billig ist?», fragen die Verfasser des Zettels, wie das Nachrichtenportal «Corriere del Ticino» berichtet. «Wenn ihr nicht wollt, dass wir bei euch arbeiten, wie euer letztes Referendum zeigt, dann geht bitte zu Hause einkaufen. Supermärkte gibt es auch in der Schweiz», schreiben die anonymen Schreiber weiter und drohen den Einkaufstouristen: ««Wenn wir euch das nächste Mal beim Einkaufen in Italien sehen, zerstechen wir euch die Reifen und mehr.»

Groll gegen die Schweiz wegen SVP-Initiative

Die elf Zeilen, die in Grossbuchstaben auf einem A4-Blatt getippt und ausgedruckt wurden, lassen erahnen, worum es den wütenden Italienern geht: Sie ärgern sich über die Inländervorrangs-Initiative der SVP.

Die Hauptforderung der Initiative lautet, bei gleicher Qualifikation einem im Tessin beheimateten Stellenbewerber den Vorzug vor einer Person mit Wohnsitz im Ausland zu geben. Zudem dürfe kein Tessiner entlassen werden, nur weil eine adäquate billigere Arbeitskraft aus dem Ausland zur Verfügung stehe. Das Abstimmungsergebnis sorgt in der italienischen Presse, Politik und Bevölkerung für reichlich Groll gegen die Schweiz.