"Ich möchte betonen, dass sich der Informant in grosser Not an mich wandte, weil er entdeckt hat, dass Philipp Hildebrand mutmasslich ein Devisenspekulant ist", sagte Lei in einem Interview in der Samstagausgabe des "St. Galler Tagblatt". Bankintern sei der Informant mit seinen Vorbehalten angestossen und nicht weiter gekommen.

Damit widerspricht Lei den Darstellungen der betroffenen Bank Sarasin. Diese hatte in einer Mitteilung vom Freitag festgehalten, dass sich der Betreffende weder bei seinem Vorgesetzten noch bei der internen Compliance Abteilung gemeldet habe. Vielmehr habe sich der Mann gemäss seinen eigenen Aussagen einem ihm persönlich bekannten Anwalt anvertraut.

Lei wie Blocher: "Ich war Briefträger"

Dazu sagte Lei im Interview, dass er den Informanten aus der Schulzeit kenne und dieser seine "kritische Haltung" gegenüber Hildebrand kenne. Der Bankmitarbeiter habe ihn darum gebeten, einen Kontakt zu einer politisch einflussreichen Person zu vermitteln. "Und diesem Wunsch kam ich nach."

Das Ziel sei gewesen, "eine Untersuchung zu erreichen, etwa mit einer Interpellation im Nationalrat", sagte Lei. Der Informant habe mit Christoph Blocher sprechen wollen und habe ihn - Lei - darum gebeten, ihn zu begleiten. "Wir wollten eine saubere, diskrete Abklärung der Transaktion."

Mit Blocher seien sie übereingekommen, nicht an die Medien zu gelangen, sagte Lei weiter. Es stimme aber, dass er die "Weltwoche" auf Ungereimtheiten im Fall Hildebrand hingewiesen habe.

Er sei sich keines Fehlverhaltens bewusst. "Ich war eine Art Briefträger", sagte Lei - wie vor ihm bereits Christoph Blocher. Der oberste Währungshüter dürfe nicht spekulieren. Dass Hildebrand den Währungsgewinn gespendet hat, betrachtet Lei als Schuldeingeständnis.

Der 39-jährige Anwalt Hermann Lei sitzt seit 2007 im Thurgauer Kantonsrat. Er führt seit 2005 ein eigenes Advokaturbüro in Weinfelden.