Schweiz

«Wir wollen natürlich, dass die Grenzen offenbleiben»: Bundesrat Ignazio Cassis trifft in Kreuzlingen die Aussenminister von Österreich und Liechtenstein

Cassis: "Grenzen sind dazu da, um uns zu trennen oder uns verbinden"

Cassis: "Grenzen sind dazu da, um uns zu trennen oder uns verbinden"

Nach einem internationalen Arbeitsgespräch in Kreuzlingen haben Politiker der Bodenseeanrainer die gute Partnerschaft in der Coronakrise betont. Bundesrat Ignazio Cassis hatte zu dem Austausch geladen. Dabei ging es um die Wiedereröffnung der Grenzen und den Umgang mit der Pandemie.

Für ihn sei das Treffen mit Politikern aus den Nachbarländern ein Feiertag, sagte Thomas Strobl, stellvertretender Ministerpräsident von Baden-Württemberg, am Mittwochmittag in Kreuzlingen. «Harte Zeiten», würden hinter ihnen liegen, doch die Freundschaft der Nachbarländer sei gestärkt aus dieser Krise hervorgegangen. Seit Montag sind die Grenzen im Bodenseeraum wieder offen.

Katrin Eggenberger, Aussenministerin Liechtensteins.

Katrin Eggenberger, Aussenministerin Liechtensteins.

Bundesrat Ignazio Cassis, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), hatte zwei Tage nach der Grenzöffnung zu Arbeitsgesprächen im Schloss Seeburg in Kreuzlingen geladen. Neben Strobl nahmen der Aussenminister Österreichs Alexander Schallenberg, die Aussenministerin Liechtensteins Katrin Eggenberger sowie Vertreter der Internationalen Bodensee-Konferenz, der Thurgauer Regierungspräsident Walter Schönholzer und Günther Eberle, Landesamtsdirektor von Vorarlberg, teil.

Bei der Pressekonferenz im Anschluss betonten die Politiker die gute Partnerschaft in der Coronakrise. Diese habe gezeigt, «wenn es hart auf hart kommt, können wir uns auf unsere Nachbarn verlassen», sagte Schallenberg. Das gemeinsame Treffen habe «grosse Symbolkraft», sagte die Liechtensteiner Aussenministerin. Die Politiker betonten, wie eng verwoben und stark der Wirtschaftsraum rund um den Bodensee sei. Das Handelsvolumen der Schweiz mit Baden-Württemberg und Bayern sei grösser als das mit China, so Bundesrat Cassis. Erst mit den geschlossenen Grenzen habe man gemerkt, wie wichtig die Freiheit sei.

Coronakonform mit Ellbogen und Mundschutz: der österreichische Aussenminister Alexander Schallenberg und Bundesrat Ignazio Cassis begrüssen sich in Kreuzlingen.

Coronakonform mit Ellbogen und Mundschutz: der österreichische Aussenminister Alexander Schallenberg und Bundesrat Ignazio Cassis begrüssen sich in Kreuzlingen.

Auf die Frage eines Journalisten, ob die Grenzen im Falle einer zweiten Welle wieder geschlossen werden, antwortete der Bundesrat: «Man sollte die Grenzen funktional nutzen, wo im gemeinsamen Sinne ein höheres Ziel erreicht werden soll.» Einig waren sich alle: Ganz wichtig sei in einem solchen Fall ein gemeinsames Vorgehen.

Thomas Strobl, stellvertretender Ministerpräsident Baden-Württemberg

Thomas Strobl, stellvertretender Ministerpräsident Baden-Württemberg

Was «innerhalb der sehr kurzen Zeit» und aufgrund der «verschiedenen Datenschutzrichtlinien» nicht möglich gewesen sei, sei eine gemeinsame Corona-App, sagte Cassis. Dass seine Coronawarnapp aus Deutschland in Kreuzlingen nicht funktioniere, könne nicht sein, so Strobl. Er sagte, er wollte die Zusammenarbeit im Gesundheitswesen stärken.

Im Anschluss an die Medienkonferenz besuchten Bundesrat Cassis und seine Gäste die Kunstgrenze zwischen Konstanz und Kreuzlingen. Die Städte waren während der Coronakrise durch zwei Zäune getrennt. Thomas Niederberger, Stadtpräsident von Kreuzlingen, sagte an Bundesrat Cassis gewandt: «Künftig muss in so einer Lage für die beiden zusammengewachsenen Städte eine andere Lösung gefunden werden.»

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