Gieri Cavelty, Christof Forster

Selbst SVP-Parlamentarier sieht man selten so aufgekratzt. «Heute küren wir unseren Kandidaten für die Bundesratswahl», frohlockte Nationalrat Felix Müri vor der Fraktionssitzung von gestern Abend. Und sein Ratskollege Christian Miesch kalauerte: «Die SVP macht Nägel mit Köpfen - und also werden wir heute auch einen Kopf präsentieren.»

Entsprechend kursierten vor Sitzungsbeginn bereits Namen: Ein Vertreter der Romandie brachte den Schwyzer Nationalrat und Hardliner Pirmin Schwander ins Spiel. This Jenny dagegen plädierte für die sanfte Tour: Der Glarner Ständerat befürwortete eine Kandidatur des gmögigen Berner Nationalrats Andreas Aebi - und dieser liess sich die Lorbeeren gerne gefallen.

«Ich sage nicht, dass ich nicht kandidiere», so Aebi. «Jetzt ist aber nicht der Zeitpunkt, um sich solche Gedanken zu machen.» Tatsächlich: Die gemeinen Fraktionsmitglieder hatten ihre Rechnung ohne die Parteileitung gemacht. Für die SVP-Spitze nämlich stand von Beginn weg fest - und das entsprechende Communiqué war schon vor der Sitzung parat: Vorerst wird nur die Strategie bestimmt. Die Köpfe kommen später.

Der SVP-Schlachtplan

Und so sieht der SVP-Schlachtplan aus: Die Partei tritt mit einem oder mehreren Kandidaten gegen den SP-Sitz von Moritz Leuenberger an. Die SVP sei jene Partei, die im Bundesrat am stärksten untervertreten sei, sagte Fraktionschef Caspar Baader nach der Sitzung gestern Abend. Der Angriff ist praktisch aussichtslos, da weder FDP noch CVP Lust haben, die SP ein Jahr vor den Wahlen in die Opferrolle zu drängen. Auftrieb erhält er höchstens dann, wenn die FDP zum Schluss kommt, ihren zweiten Sitz nur mit einer SVP-Allianz retten zu können.

Scheitert die SVP in der ersten Runde, nimmt sie den FDP-Sitz ins Visier. Erst andiskutiert wurde gestern der - unwahrscheinliche - Fall, wen die SVP unterstützen soll, falls sie den SP-Sitz erhält. Nach der gestern bemühten Konkordanz-Logik müsste sie mithelfen, den FDP-Sitz der SP zuzuschanzen.

Wie ernst meint es die SVP?

Anhand der Kandidatenkür lässt sich ablesen, ob die SVP ein Spektakel mit Blick auf die Wahlen veranstaltet oder tatsächlich jetzt den zweiten Sitz will. Äusserungen von Parteiexponenten lassen eher darauf schliessen, dass es der SVP um Macht und Einfluss geht. «Wir präsentieren jenen Kandidaten, der am meisten Chancen hat», sagte SVP-Nationalrat François Rime. «Wir wollen ganz bestimmt keine Alibiübung», sagte auch sein Zürcher Kollege Toni Bortoluzzi.

Gesucht ist ein Kandidat, der grundsätzlich Wahlchancen hat im Parlament. Denn ausschlaggebend im Kampf um die Honigtöpfe am 22.September werden nicht nur Wähleranteile, sondern auch Köpfe sein. Ob der parteiintern oft genannte Baader, der nach der Blocher-Abwahl das Parlament übel beschimpfte, der richtige Mann ist, bleibt offen. Die Fraktion ist vielleicht gar nicht unglücklich, wenn er bei seinem Nein bleibt.

Der Schlachtplan wurde von der Fraktion mit 48 zu 2 Stimmen gutgeheissen. Gegen die Strategie sprachen sich lediglich der Walliser Oskar Freysinger und die Bernerin Andrea Geissbühler aus: Die beiden plädierten dafür, den zweiten Sitz erst nach einem neuerlichen Wahlsieg 2011 einzufordern.